Einen Tag vor dem Auftritt von Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos war in der Talkrunde von Markus Lanz im ZDF der Griff des US-Präsidenten nach Grönland das beherrschende Thema. Allgemein war bei den vier Experten die Fassungslosigkeit darüber spürbar, dass Trump unverhohlen seinen Machtanspruch auf die zu Dänemark gehörende Insel formuliert. Und sogar schon ein von der KI gefertigtes Foto verbreitet, das ihn mit der US-Flagge auf Grönland zeigt.
So etwas sei „total verrückt“, meinte der dänisch-deutsche Politiker Claus Ruhe Madsen (CDU), Wirtschaftsminister in Kiel und einst OB in Rostock. Madsen schilderte die tiefe Betroffenheit in Dänemark. Das kleine Land trage Grönland „in seiner DNA“, es habe die USA immer als großen Bruder verstanden und seine Werte geteilt: „Wenn dir dein großer Bruder in den Rücken fällt, ist das das Schlimmste was dir passieren kann.“
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CDU-Politiker Madsen: „Grönland macht ihn nicht satt“
Mehr noch als andere in der Runde plädierte Madsen für eine harte Antwort der EU auf die Androhung Trumps, höhere Zölle auf acht in der Grönland-Frage ihm nicht genehme Länder zu verhängen. „Es ist gefährlich, sich weiter in die Höhle des Löwen zu begeben. Darin funktioniert es nicht wie im Streichelzoo“, meinte Madsen. Auch wenn Trump sich Grönland einverleibt habe, werde ihn das „nicht satt machen“.
Aber führt ein Auftrumpfen der EU wirklich weiter? „Auf den Tisch hauen, das kann es nicht sein“, meinte die Journalistin Kerstin Münstermann („Rheinische Post“), die in der Studiorunde am meisten bereit für einen Kompromiss schien. Ein „Einbinden“ von Trump wäre besser. Die Ukraine stehe „mit dem Rücken zur Wand“ und deren Präsident Selenskyj brauche die USA.
Auch wolle niemand einen Handelskrieg. Spreche man mit Vertretern der Wirtschaft, dann äußerten die sich empört. Aber „sobald die Mikros ausgeschaltet“ seien, betonten sie, wie wichtig ihnen das US-Geschäft sei. Münstermann sieht die Einigkeit der Europäer, die sich Donnerstag zu einem Sondergipfel treffen wollen, auf die Probe gestellt. Die Gemengelage sei toxisch.
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Zwei Studiogäste halten Bundeswehrmission für einen Fehler
Kanzler Friedrich Merz, der gesagt hatte, man wolle nicht Spielball der Weltmächte sein, stehe jetzt vor einer seiner größten Aufgabe. Besonders geglückt scheint die Grönlandpolitik der Deutschen bisher nicht zu sein. Münstermann teilte die Ansicht des Politologen Peter Neumann, der die Entsendung der 15 Bundeswehrsoldaten nach Grönland als „wahrscheinlich ein Fehler“ bezeichnet hatte, da diese Mission in Washington „als Provokation“ verstanden worden sei. „
Es sollte ein politisches Signal sein“, so auch Münstermann, „aber der Schuss ging nach hinten los“. Die Korrespondentin gab den Europäern als Richtschnur vor, die USA im Boot zu halten und gleichzeitig Selbstbewusstsein zu zeigen. Denn was sei denn die Alternative? Eine Eskalation? „Sollen wir US-Flugzeuge abschießen?“, fragte Münstermann.
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Politologe sieht Trump im Erfolgsrausch
Auch der Politologe Neumann plädierte für ein Vorgehen nach Augenmaß. Trump sehe sich seit seinem Schlag gegen Venezuela im Erfolgsrausch, er spüre eine persönliche Hybris und glaube, „jetzt geht alles“. Neumann wies darauf hin, dass sechs der von Trumps Strafzöllen betroffenen Länder EU-Mitglieder sind, Norwegen und Großbritannien sind es nicht. Die lange von China betriebene Spaltung der EU mit ihren 27 Mitgliedern werde jetzt von den USA verfolgt.
In dieser Situation gehe es darum, dass diejenigen EU-Mitglieder, die einen „guten Draht zu Trump haben“, etwa Italien unter Georgia Meloni, diesen jetzt auch nutzen. Werde bei den Zöllen eine rote Linie überschritten, müsse die EU mit Gegenmaßnahmen reagieren und es müsse verhindert werden, dass die Grönlandfrage zu einer „militärischen Auseinandersetzung eskaliert“.
Über einen einzigen Hoffnungsschimmer berichtete Neumann allerdings auch: In der amerikanischen Öffentlichkeit und im US-Kongress seien viele „bestürzt“ darüber, was da gerade mit Grönland passiere. „Kein Mensch braucht in den USA jetzt einen militärischen Konflikt mit Europa“, sagte Neumann, das sei die allgemeine Lesart in den USA. Er gehe davon aus, dass der Kongress dem Präsidenten die Finanzmittel für einen militärische Operation in Grönland nicht gewähren wird.
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Auch aus wirtschaftlicher Hinsicht wäre das vernünftig. Schon mit seiner Politik der Zollerhöhungen strapaziert Trump die eigene Bevölkerung. „Die US-Konsumenten tragen die Last, die Inflation wird weiter steigen, die Unzufriedenheit der einfachen Bevölkerung wird zunehmen“, meinte der Wirtschaftsprofessor Jens Südekum.
Der Ökonom sprach sich dafür aus, die „Waffen“ der EU auf den Tisch zu legen, also die sogenannte „Handels-Bazooka“ im Rahmen des „Anti-Coercion-Acts“. Da reichen die Maßnahmen von Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für die USA, über den Ausschluss von amerikanischen Firmen von öffentlichen Ausschreibungen bis hin zur Regulierung von Digitalkonzernen.
Den „größten Hammer“ gegen die Trump‘sche Politik sieht Südekum aber in einer Wende auf den Finanzmärkten: Wenn die Zinsen weiter stiegen, die Aktienmärkte einbrächen und der Dollarkurs weiter sinke, werde möglicherweise auch Trump einlenken. Markus Lanz schloss seine Sendung mit einer Frage: „Gerät die Welt unter die Räder, wenn wir nicht aufpassen?“





