Selten beginnt „Markus Lanz“ so leichtfüßig wie an diesem Dienstagabend – und kippt dann so schnell in eine ernste Bestandsaufnahme internationaler Krisen. Der Einstieg gehört einer kleinen Pointe: Als ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen über den Besuch von König Charles in Washington spricht und ihn „Prince Charles“ nennt, kontert Lanz trocken: „Elmar ist auch noch in der Welt von Prince Charles zu Hause, es ist König Charles mittlerweile. Ein klassischer Freudscher.“ Es ist ein kurzer Moment der Lockerheit, bevor die Runde in geopolitische Spannungen eintaucht.
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Schüsse beim Korrespondentendinner: Was in Washington geschah
Im Zentrum steht der Angriff beim White House Correspondents’ Dinner: Das Dinner ist traditionell ein Treffen von Politik und Medien, bei dem Journalismus ausgezeichnet wird und der Präsident spricht. Ein bewaffneter Mann versuchte am Samstagabend, eine Sicherheitskontrolle zu überwinden. Videoaufnahmen zeigen, wie er mehrfach schießt. Ein Mitarbeiter des Secret Service wurde getroffen, nach Angaben der Behörden aber nicht schwer verletzt.
Die Schilderungen der Gäste zeichnen ein widersprüchliches Bild. Theveßen beschreibt die offizielle Linie: „Auf der einen Seite sagt das Weiße Haus: Es ist so gelaufen, wie es laufen sollte.“ Gleichzeitig werfen die Bilder Fragen auf, etwa zur Evakuierung: „Der Vizepräsident wurde schneller rausgeholt als der Präsident.“
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Augenzeuge Helge Fuhst widerspricht: „Trump war geschützt“
„Welt“-Chefredakteur Helge Fuhst, der selbst vor Ort war, widerspricht zumindest dem Eindruck eines ungeschützten US-Präsidenten: „Während Trump dort noch saß, stand da schon längst jemand Großes vor ihm – ihm hätte da schon längst nichts mehr passieren können.“
Aber: Die Sicherheitskontrollen seien überraschend lax gewesen, beschreibt er seinen Besuch. „Das war das Kärtchen“, sagt er und hebt seine Eintrittskarte hoch. „Keine ID, kein Ausweis.“ Zwar habe es Metalldetektoren gegeben, „die Sicherheitsschleuse sei aber eher weit innen drin gewesen“. Er kenne selbst mehrere, die gar nicht durch die Sicherheitsdetektoren gegangen seien.
Seine Schilderung der Schüsse wirkt eindrücklich, ohne dramatisierend zu sein: „Es sah aus wie eine La-Ola-Welle“, bei der sich die Gäste nach und nach unter die Tische duckten. Minutenlang habe man dort ausgeharrt.
News aus den USA
Mariam Lau: „Wer überhaupt noch einen Hauch Selbstachtung hat, geht da nicht hin“
Theveßen – aus Washington zugeschaltet – hinterfragt: „Wie kann es sein, dass so viele hochrangige Vertreter der Administration gemeinsam in einem Raum waren?“ Normalerweise würde man genau das vermeiden, um die Handlungsfähigkeit des Staates zu sichern.
„Die Zeit“-Redakteurin Mariam Lau geht noch einen Schritt weiter und stellt die Existenzberechtigung der Veranstaltung infrage: „Hier ist ein Präsident, der die Kollegen, die dort sitzen, alle als Fake News Media bezeichnet. Ich finde, wer überhaupt noch einen Hauch Selbstachtung hat, geht da nicht hin.“ Ein harter Vorwurf, den sie unmittelbar relativiert („Das war jetzt ungeschickt“), denn Fuhst war ja dort.
Dieser hält dagegen: „Es ist eigentlich eine Veranstaltung, wo Preise vergeben werden für guten Journalismus – von Journalisten selbst.“ Die Nähe von Politik und Medien könne man kritisieren, „aber das ist der Rahmen dieser Veranstaltung“.
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Gewaltbereitschaft in den USA nimmt deutlich zu
Aus dem konkreten Vorfall wird schnell eine größere Frage: Wie stabil ist die politische Lage in den USA? Theveßen ordnet ein, dass die Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung gestiegen sei – von „acht auf 20 Prozent“.
Außenpolitiker Norbert Röttgen (CDU) bestätigt, dass solche Szenarien inzwischen auch in politischen Kreisen diskutiert werden: „Es kommt vor in Diskussionen“, sogar unter „seriösen Politikern“.
Insgesamt zeichnet Röttgen ein nüchternes Bild der politischen Lage in Washington: „Wir haben in Washington ein höfisches Regierungssystem.“ Viele Stellen seien unbesetzt, Entscheidungsprozesse intransparent. Sein Befund: „Wenn man mit leitenden Beamten spricht, stellt man fest, die Informationsbasis ist die gleiche: Wir haben beide morgens Zeitung gelesen.“









