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Jens Spahn bei "Anne Will": "Sie fragen, ich antworte!"

Dirk Krampitz
| Lesedauer: 5 Minuten
Wer ist Anne Will?

Wer ist Anne Will?

Sie ist die erste Frau, die je die Sportschau moderierte. Hier erfahren Sie alles über den Werdegang der deutschen Fernsehjournalistin.

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Berlin  Im „Anne Will“-Talk diskutierten die Gäste über das letzte TV-Triell. Jens Spahn stellt eine umstrittene Theorie zu Saskia Esken auf.

  • Bei Anne Will ging es nach dem Triell ordentlich zur Sache
  • Dabei sorgte vor allem die fehlende Saskia Esken für Verwunderung: Schwänzte sie den Talk, weil sie nicht als sonderlich beliebt gilt?
  • Jens Spahn wurde jedenfalls deutlich - und musste sich eine deutliche Ansage von Anne Will anhören

Nach dem ersten Triell bei RTL und den Besuchen der Kanzlerkandidaten einer Schulklasse bei Sat.1 gab es nun auch noch das Kanzler-Triell am Sonntagabend bei ARD und ZDF statt „Tatort“ und „Rosamunde Pilcher“. Und die ARD legte sogar noch nach mit „Das Triell – Dreikampf ums Kanzleramt“ bei Anne Will.

„Anne Will“: Das waren die Gäste

  • Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister
  • Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz
  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Fraktionsvorsitzende im Bundestag
  • Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur der "Welt"
  • Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin
  • Ellen Ehni, Chefredakteurin WDR

Bei der Umfrage liegt Scholz fast immer vorn

Am Anfang gibt WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni einen Überblick der ARD-Blitzumfrage durch Infratest dimap unter 1500 Zuschauern des Triells. Am sympathischsten fanden die Zuschauer Annalena Baerbock mit 39 Prozent, Olaf Scholz landete auf Platz zwei mit 34 Prozent und Armin Laschet konnte nur 18 Prozent für sich gewinnen. Anders sieht es bei der Kompetenz aus: Da liegt Olaf Scholz mit 49 Prozent weit vorn, Armin Laschet folgt mit 26 Prozent und Annalena Baerbock landet mit 18 Prozent ganz hinten. Bei der Glaubwürdigkeit liegen alle drei relativ dicht beieinander: Laschet 26 Prozent, Scholz 29 Prozent, Baerbock 26 Prozent. Zeit für die Parteikollegen, ihre Kandidaten zu stützen.

Spahn provoziert mit Namensvergesser

Bundesgesundheitsminister und Laschet-Vertrauter Jens Spahn (CDU) lobt natürlich den Auftritt seines Kanzler-Kandidaten: Armin Laschet habe mit seinem Aufgreifen der Razzia im Bundesfinanzministerium Olaf Scholz „bei der Verantwortung gepackt“, dass sich die „Ohrenfarbe der Krawattenfarbe angenähert hat, das sieht man selten sonst“. Scholz trug eine rote Krawatte.

Aber ansonsten ist Spahn nicht so gut drauf. Als ihn Anne Will einmal unterbricht, motzt er: „Sie fragen, ich antworte!“ Und als sie ihn fragt, ob man den wegen seiner rechten Ansichten umstrittenen CDU-Kandidaten Hans-Georg Maaßen wählen sollte, antwortet er müde: „CDU sollte überall gewählt werden.“ Auch interessant: CDU irritiert mit Video zur Bundestagswahl – "Zur Not erzwingen wir es"

Spahn hat an diesem Abend vor allem eine Aufgabe. Und die heißt Verteidigung von Armin Laschet. Und das tut er vor allem, indem er Olaf Scholz schlecht redet. „Wenn wir genau hinschauen ist Olaf Scholz das Feigenblatt für eine linke SPD“, sagt Spahn. Er bemüht sich Scholz als eine Art Mainstream-Marionette darzustellen. „Dafür steht eine linke SPD mit Saskia Esken und … ich vergessen den Namen immer ….“ Nach einer Kunstpause, in der er herausfordernd in die Runde guckt, hat er den Namen von Norbert Walter-Borjans sofort parat.

Esken: Lieber Currywurst-Bude als Talkshow?

In diesem Zusammenhang sorgt Spahn indirekt auch für den spannendsten Moment bei Anne Will. Er erzählt, dass bis vor einigen Tagen noch SPD-Vorsitzende Saskia Eskens bei Anne Will als Teilnehmerin für diesen Abend angekündigt war und suggeriert dann, dass sie nicht kommt, weil Ihre Popularitätswerte der SPD schaden. Anne Will will intervenieren bittet den Minister, keine „Verschwörungserzählungen“ zu verbreiten, da grätscht der Welt-Journalist Robin Alexander rein und erzählt von seinem Erlebnis mit Saskia Esken: „Ich habe sie gerade getroffen an der Pommesbude, sie ist da, 300 Meter weg.“

Anne Wills Talkshow wird in Berlin-Adlershof aufgezeichnet, wenige Meter von dem Studio entfernt, wo an diesem Abend das Triell stattfand. Hinter den Kulissen war auch Saskia Esken zu Gast, die - gemeinsam mit anderen SPD-Mitgliedern - ihren Kanzlerkandidaten anfeuerte und dabei Pommes aß. Hat Saskia Eskens also Anne Will geschwänzt, um Pommes zu essen, in Ruhe das Triell anzuschauen und keinen schlechten Einfluss auf die SPD-Umfragewerte zu nehmen?

Laschet setzt auf Konfrontation

Bereits gesunken sind Armin Laschets Sympathiewerte. Deshalb, glaubt Robin Alexander, habe sich Laschet in diesem Triell auch für eine eher aggressive Herangehensweise gegen Scholz bei Cum-Ex und dem Wirecard-Skandal entschieden. „Er kann das als Person nicht mehr gewinnen – er kann das nur noch über seine Partei gewinnen.“ Die Grünen hingegen hätten das Kanzleramt schon aufgegeben, auch wenn Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, versucht Werbung für ihre Partei zu machen. Es sei eine Zeitenwende: „Wir könne nicht mehr weitermachen, wie wir es immer gemacht haben.“

Malu Dreyer (SPD, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz) findet an ihrem Kandidaten bemerkenswert, dass „Olaf Scholz sich nicht aus der Ruhe hat bringen lassen“ von den Angriffen Laschets. Diese seien substanzlos gewesen. Laschet habe „Fachaufsicht“ und „Rechtsaufsicht“ verwechselt und mit „Halbwahrheiten suggeriert, dass im Finanzministerium ermittelt wird“.

Ob der TV-Schlagabtausch den Kandidaten hilft, Wähler auf ihre Seite zu ziehen? Politikwissenschaftlerin Ursula Münch ist äußert skeptisch: „Ich glaube gar nicht daran, dass diese Trielle da so viel ändern …“

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