Wären Sie geizig, wenn Sie die Nachricht erhielten, dass ein naher Familienangehöriger in einer plötzlichen Notlage dringend Geld benötigt? Die grundsätzliche Opferbereitschaft im Familienverband nutzen Trickbetrüger – trotz aller Warnungen immer wieder aus. Eine ganze Welle von trickbetrügerischen Anrufen sei gestern allein im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt der Polizei gemeldet worden, erklärte Stefanie Kurrat, Pressesprecherin der Landespolizeiinspektion Saalfeld, am Dienstag im Morgengespräch mit unserer Redaktion. Während es zumindest bei den gemeldeten Fällen überwiegend beim Versuch blieb, gab es auch mehrere traurige Nachrichten.

Legende von Haftkaution nach Verkehrsunfall

In der Saalfelder Kelzstraße wurde am Montag vor 17 Uhr eine 79-Jährige angerufen. Nach einem schweren Unfall mit Todesfolge sei als Kaution zur Abwendung einer Haftstrafe eine Kaution zu bezahlen. Die Betroffene ließ sich darauf ein und übergab kurze Zeit später an einen 35 bis 40 Jahre alten, 180 cm großen Mann eine Summe von 45.000 Euro, bevor sie sich des Betruges bewusst wurde.

Die Lüge vom teuren Medikament aus der Schweiz

Etwa zur gleichen Zeit in der neuen Schulstraße in Rudolstadt-Schwarza: Einem 87-Jährigen wird vorgetäuscht, der Sohn benötige für eine dringende medizinische Behandlung ein Medikament aus der Schweiz. Kurz darauf werden 30.000 Euro Bargeld und drei Goldmünzen im Wert von zusammen 11.000 Euro übergeben. Der Abholer wird mit schwarzen Haaren, ausländischem Erscheinungsbild und einem Alter von etwa 25 Jahren beschrieben.

Der angebliche Kripo-Beamte mit Beschlagnahmeauftrag

Angeblicher Kriminalbeamter beim Versuch überrascht

Fast funktioniert hätte ebenfalls am Montagnachmittag ein weiterer Betrugsversuch, dieses Mal in der Thomas-Müntzer-Straße in Saalfeld. Einer 85-Jährigen wollte ein angeblicher Polizeibeamter, 190 Zentimeter groß und mit ausländischem Erscheinungsbild, in der Wohnung Wertgegenstände „sicherstellen“. Er war dafür bereits in der Wohnung und hätte um ein Haar Bargeld und Goldmünzen mitgenommen, als zufällig eine Verwandte eintraf und der Täter daraufhin die Flucht ergriff.

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Die Polizei warnt ausdrücklich davor, sich in solchen Situationen unter Druck setzen zu lassen. Sie empfiehlt, sich Rat von Angehörigen einzuholen oder bei der Polizei rückzufragen, bevor Wertgegenstände oder Bargeld übergeben oder Überweisungen getätigt werden.

Hintergrund: Was steckt hinter dem Enkeltrick?

Der sogenannte Enkeltrick ist eine hinterhältige Betrugsmasche, bei der meist ältere Menschen um hohe Geldbeträge oder ihre Ersparnisse gebracht werden. Die Täter rufen mit Worten wie „Rate mal, wer hier spricht“ an, geben sich als Verwandte oder Bekannte aus und täuschen eine dringende finanzielle Notlage vor – etwa durch einen Unfall oder einen geplanten Kauf. Unter massivem Zeitdruck werden die Opfer zur Geldübergabe gedrängt. Oft wird ein Bote geschickt oder das Opfer gebeten, das Geld von der Bank zu holen – notfalls sogar per Taxi.

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