- Bei Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest kann nicht jede Ecke permanent überwacht werden.
- Die App Safe Now fungiert als eine Art persönliches Alarmsystem und lotst Helfer schnell zum Ort des Geschehens.
- Als bundesweit erste Stadt setzt Erfurt auf die Sicherheitsapp.
Auf dem Heimweg von einem Unbekannten verfolgt, im Club auf der Toilette belästigt, in der Menschenmenge bedroht – es gibt diverse Situationen, in denen schnelle Hilfe Not tut. Mit nur einem Fingertipp einen Alarm absetzen, das verspricht die App „Safe Now“. Erfurt setzt als erste deutsche Stadt auf diese Sicherheitsapp. Beim Oktoberfest, das diesen Freitag (26. September) beginnt, soll der Domplatz so zu einer digitalen abgesicherten Zone werden.
Alarm schrillt auch auf stumm geschalteten Handys
Die Funktionsweise der App ist simpel. In der Mitte des Bildschirms prangt ein großer, blauer Alarmknopf. Wird dieser gedrückt, überträgt das Programm den Standort des Notrufenden an andere Nutzer der App, zugleich ertönt ein nicht zu überhörender Alarmton. Der schrillt auch, wenn das Handy stummgeschaltet ist, ähnlich wie bei Katastrophenwarnungen.
In Sicherheitszonen wie dem Domplatz geht der Alarm an die eigenen Notfallkontakte und alle anderen Helfer raus. Im Falle des Oktoberfestes also auch an die Nachteulen, den Stadtordnungsdienst und die Security. So sehen in wenigen Sekunden viele Menschen auf einmal, wo Hilfe nötig ist. „Wir machen das lokale Sicherheitspersonal sichtbar und verfügbar“, fasst Tilman Rumland zusammen, der Geschäftsführer der Softwarefirma hinter Safe Now.
Situationen vor Eskalation entschärfen
Mit der App sollen die Lücken geschlossen werden, die sich auch bei ausgeklügelten Sicherheitskonzepten ergeben. Toiletten etwa sind naturgemäß private Orte, wo nicht permanent Security-Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Nicht jede Ecke des Domplatzes kann ständig bewacht werden. Im Idealfall soll die Alarmierung per App eine Situation schon entschärfen, bevor sie eskaliert.
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Tilman Rumland nennt ein Beispiel: Wenn sich im Oktoberfest-Zelt zwei Gäste an einem Tisch immer lauter anbrüllen und sich die Szene langsam hochschaukelt, ist das für Security-Mitarbeiter am Rand oder an den Monitoren kaum zu erkennen. Beobachter am Nachbartisch können die Situation besser einschätzen und den Alarm absetzen, ehe die beiden Streithähne aufeinander losgehen. „In 50 Prozent der Fälle wird der Alarm für Andere gewählt“, weiß Tilman Rumland.
Einsatz der App auch zum Weihnachtsmarkt?
Der Druck auf den Alarmknopf sei zudem diskreter als ein Anruf bei der 110. So könne Hilfe geholt werden, ohne dass gleich die Polizei anrücke und man selbst „in die Sache mit hineingezogen wird“, wie es Tilman Rumland beschreibt.

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Safe Now kooperiert nach eigenen Angaben bereits mit Festzeltbetreibern beim Münchner Oktoberfest, mit diversen Festivals und Clubs, die als Sicherheitszonen für die App deklariert werden. Außerhalb dieser Zonen geht der Alarm an vorher definierte Menschen. Jeder Nutzer gibt bei der Einrichtung an, welche Kontakte im Ernstfall benachrichtigt werden sollen – etwa Verwandte, Freunde oder Kollegen.
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Für Nutzer ist die App kostenfrei. Es werden laut Tilman Rumland keine Daten gespeichert oder verkauft. Das Unternehmen finanziert sich durch Verträge mit den Betreibern der öffentlichen Sicherheitszonen. Wie viel Steuergeld die Stadt in die Kooperation mit Safe Now investiert, dazu hielten sich Bürgermeisterin Heike Langguth (parteilos) und Tilman Rumland am Montag bedeckt. Das Oktoberfest ist ein Praxistest. Bewährt sich das Programm, könnte es auch beim Weihnachtsmarkt zum Zuge kommen – dann mit einer deutlich größeren Sicherheitszone.





