„Alle reagieren positiv auf das Gefährt. Ob Passagiere oder Passanten, viele haben ein Lachen im Gesicht. Irgendwie hat es eine positive Aura“, sagt Sven Söderberg von Spirit of Football. Er hat gerade für den Fotografen mehrere Runden mit der Rikscha durch die Marktstraße gedreht. Für das Bild chauffiert er Franziska Pullmann und Nina Kondrikova von der Initiative „Zusammen unterwegs“. Damit sind wesentliche Akteure des neuesten Erfurter Rikscha-Projekts genannt.

In ganz Erfurt sollen mal Fahrten angeboten werden

Der Fußball- und Bildungsverein Spirit of Football hat im Herbst über die Aktion Mensch eine Rikscha gefördert bekommen. Bisher mangelte es an Fahrern für das Gefährt. In der Initiative „Zusammen unterwegs“ wiederum sammeln sich fahrwillige und ausgebildete Piloten, während die Spendenkampagne für eine eigene Rikscha noch läuft. Hier das Rad, dort die Fahrer – eine Kooperation lag auf der Hand. Gemeinsam sollen perspektivisch in ganz Erfurt Rikscha-Dienste angeboten werden.

Die beiden Vereine kommen aus unterschiedlichen Richtungen zur Rikscha-Idee. Spirit of Football suchte nach einer simplen Möglichkeit, Menschen mit eingeschränkter Mobilität zum neuen Begegnungsort in der Tungerstraße 1 am Herrenberg zu bringen. In der ehemaligen Gaststätte gibt es mehrmals pro Woche Angebote mit Musik, Kunst, Kulinarik, Bewegung und Spaß für junge und junggebliebene Menschen.

Die Rikscha ist mehr als nur ein Vehikel

„Zusammen unterwegs“ verfolgt einen breiteren Ansatz. Sie wollen die weltweite Idee „Radeln ohne Alter“ in Erfurt etablieren. In knapp 30 Ländern unternehmen Ehrenamtliche Rikscha-Fahrten mit Seniorinnen und Senioren, beziehungsweise allen Menschen, die nicht selbst in die Pedale treten können. Die Fahrt ist dabei streng genommen nur ein Mittel zum Zweck. Die Menschen sollen aus ihrer Wohnung, ihrem gewohnten Umfeld herauskommen, sie sollen Gemeinschaft erleben und neue Kontakte knüpfen. Es ist ein Projekt gegen Einsamkeit und Isolation, für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, erklärt Nina Kondrikova.

Bereits seit einigen Jahren etabliert ist die Bike-Taxi-Flotte von Gründer Gernot Gräbner. Die Rikschas werden unter anderem von Touristen genutzt (Archivbild).
Bereits seit einigen Jahren etabliert ist die Bike-Taxi-Flotte von Gründer Gernot Gräbner. Die Rikschas werden unter anderem von Touristen genutzt (Archivbild).© Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

Inwieweit mit der Rikscha Menschen auch bei Besorgungen, Arztterminen und Ähnlichem unterstützt werden, muss noch ausgelotet werden. Fakt ist, dass das Angebot im Juni starten soll. Über ambulante Pflegedienste, Seniorenzentren und soziale Träger soll es bekanntgemacht werden.

Rikscha-Fahrer sind versichert und werden geschult

Franziska Pullmann betont, dass die Fahrerinnen und Fahrer nicht einfach so auf die Passagiere und den Straßenverkehr losgelassen werden. Die Ehrenamtlichen sind versichert und werden eingehend geschult – im Umgang mit Menschen, in der adäquaten Fahrweise, in der Technik. Weitere Engagierte werden gesucht, ebenso wie Spender für die nächste Rikscha.

Neben dieser Kooperation gibt es in Erfurt weitere Rikscha-Projekte. Die eher touristisch orientierten Bike-Taxis surren seit 2021 emissionsfrei durch die Stadt. Auch die Malteser bieten im Rahmen eines bundesweiten Projekts kostenfreie Touren an. Dafür werden aktuell ehrenamtliche Fahrer gesucht, die zweimal im Monat für etwa zwei Stunden Zeit haben. Fahrten werden in der näheren Umgebung des Deutschordens-Seniorenhauses in der Vilniuser Straße stattfinden und auf die Bedürfnisse der Mitfahrenden abgestimmt. Weitere Informationen gibt es bei Victoria Lauerwald-Galle, E-Mail: victoria.lauerwald-galle@malteser.org, Tel. 0361 / 34 04 70.

Weitere Informationen zum Projekt „Zusammen unterwegs“ unter soziale-dienste-jugendhilfe.de/zusammen-unterwegs