Unter den Häusern und Straßen von Gera liegen alte Wege verborgen, die einst als Lagermöglichkeiten und Schutzräume genutzt wurden. „Wie viele Höhler es insgesamt in Gera gibt, kann niemand so genau sagen. Es werden bei Bauarbeiten öfters noch Höhler entdeckt“, erklärt Museumsführer Uwe Lehmann. Zehn der Höhler rund um das Stadtmuseum in Gera sind zu den sogenannten Museumshöhler miteinander verbunden worden und können heute besichtigt werden.

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Viele Treppenstufen und viel Bier

Als Höhler beschreibt Uwe Lehmann eine Zwischenform von Höhle und Keller. „Während Höhlen natürlichen Ursprungs sind, wurden die Höhler von Bergleuten angelegt“, sagt er. In den Höhlern wurde vor allem Bier gelagert, da es dort die idealen Bedingungen gibt – dort herrschen gleichbleibende Temperaturen. Die Keller der Häuser waren dafür aufgrund von Temperaturschwankungen nicht geeignet. Daher habe man die Idee gehabt, unter den Kellern Lager zu schaffen.

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„Jeder, der berechtigt war zu bauen, durfte einen Höhler unter seinem Keller haben. Da das sehr viele Leute waren, haben wir mittlerweile über 260 Höhler in Gera gefunden. Wie viele es aber noch gibt, kann keiner genau sagen“, erklärt Uwe Lehmann. Alle Höhler gemeinsam ergeben eine Gesamtlänge von neun Kilometern. Besucher laufen bei den Museumshöhlern rund 250 Meter – und müssen dabei Treppenstufen auf und ab steigen und verwinkelte Gassen durchqueren.

Museumshöhler Gera
In den Museumshöhler in Gera sind auch kleine Tropfsteine zu finden.© Funke Medien Thüringen | Nele Sittig

Bis ins späte 19. Jahrhundert wurden die Höhler zur Lagerung von Bierfässern genutzt. Anschließend sind sie in Vergessenheit geraten, bis man sich im 20. Jahrhundert an Sagen erinnert hat, die von unterirdischen Gängen berichten, sagt Uwe Lehmann. „1935 hat man durch alte Stadtkarten und Messungen verschiedene Höhler wieder gefunden. Hintergrund ist aber nicht das Interesse an der Stadtgeschichte, sondern die Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs“, erklärt er weiter. In einer Bombennacht 1944 haben 200 Menschen in den Höhlern Schutz gefunden.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Höhler auch als Vorratskammern genutzt. Bei Grabungen wurden Höhler gefunden, in denen noch eingelegte Kirschen und Bohnen in Gläsern zu finden waren. In den Höhler finden sich auch Tropfsteine. „Auch wenn wir den Saalfelder Feengrotten noch keine Konkurrenz machen, haben wir eigene. Die Stalaktite, die hier wachsen, sind rund 36 Jahre alt“, sagt Uwe Lehmann.

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Kunst in den Geraer Höhlern

Neben regulären Führungen durch die Museumshöhler haben Besucherinnen und Besucher unter anderem in der Museumsnacht Gera und zum Höhlerfest die Möglichkeit, eigenständig die Höhler zu erkunden. „Die Höhler sind nicht alle gleich. Manche sind schmaler, manche sind größer. Jeder ist einzigartig“, sagt Uwe Lehmann. Die Höhler werden auch für Kunstausstellungen genutzt. Dabei stellen Künstler aus aller Welt ihre Kunstwerke in den Höhlern aus, erklärt er weiter.