- Während der NS-Zeit wurden Sinti und Roma auch in Mühlhausen systematisch ausgegrenzt und verfolgt.
- Ein Gebäude an der Hollenbacher Landstraße spielte dabei eine besondere Rolle.
- Für zahlreiche Familien begann dort ein Leidensweg.
Heute erinnert nichts mehr an das Pulverhäuschen an der Hollenbacher Landstraße. Und doch ist dieser Ort Teil der Geschichte Mühlhausens, einer Geschichte, die lange übersehen wurde.

Täglich
Der Newsletter für Unstrut-Hainich
Alle wichtigen Informationen aus dem Unstrut-Hainich-Kreis, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Erichtet wurde das Pulverhäuschen 1869/70 als schlichter Funktionsbau zur Lagerung von Munition für den nahegelegenen Exerzierplatz. Ein eingeschossiges Gebäude auf nur 64 Quadratmetern, ohne Wasseranschluss, ohne sanitäre Anlagen, ohne jede Innenausstattung. Was als militärischer Zweckbau begann, wurde im Herbst 1939 zu einem Ort unmenschlicher Unterbringung.
Sinti und Roma im Pulverhäuschen entrechtet und deportiert
Im September jenes Jahres wies das nationalsozialistische Regime zwei Familien mit insgesamt zwölf Personen aus dem Saargebiet zwangsweise in das Gebäude ein. Wenige Wochen später kamen weitere Menschen hinzu, darunter Familien aus Uengsterode sowie eine große Familie aus Mühlhausen selbst. Mindestens 48 Männer, Frauen und Kinder wurden hier und in mitgebrachten Wagen zusammengepfercht, entrechtet, ausgegrenzt und isoliert, weil sie Sinti und Roma waren.
Die Zustände waren katastrophal. Das Pulverhäuschen bot keinerlei Schutz oder Würde. Es war Teil der systematischen Verfolgung, die ihren grausamen Höhepunkt im März 1943 fand: Die dort untergebrachten Menschen wurden in das Vernichtungslager Auschwitz und in andere Konzentrationslager deportiert.
Auch interessant
Auch interessant
Auch interessant
Nach der Befreiung kehrten einige Überlebende der Mühlhäuser Familie zunächst an diesen Ort zurück, mangels Alternativen. Erst 1951 konnten sie Wohnungen in der Stadt beziehen. Im selben Jahr wurde das Pulverhäuschen abgerissen.







