Am Abend des 18. August 1989 fährt ein etwa 30-jähriger Mann aus Höngeda bei Mühlhausen mit seinem roten Škoda S 100 bis an die Grenzanlagen bei Hildebrandshausen. Ziel ist ein Tor in der Feldflur, Tor Nummer 27.

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Vor ihm steht ein rund zwei Meter hoher Zaun, der oben mit mehreren Strängen Stacheldraht gesichert ist. Mit Werkzeug gelingt es ihm, das Tor aufzubrechen. Der Mann fährt mit seinem Wagen hindurch und glaubt offenbar, die Grenze bereits überwunden zu haben. Doch tatsächlich hat er nur den ersten Grenzzaun, den sogenannten Signalzaun, passiert.

Zwei Grenzsoldaten sehen plötzlich das zivile Fahrzeug, einen ungewöhnlichen Anblick in dem streng bewachten Bereich zwischen Hildebrandshausen und Döringsdorf. Einer der Soldaten schießt auf den Wagen und trifft den Motorblock des Škoda.

Das Auto bleibt stehen. Der Fahrer wird festgenommen. Nur knapp entgeht er im Kugelhagel dem Tod.

Grenzflucht endet nach Haft und Mauerfall mit Freilassung

Der Ort des Geschehens wird anschließend abgesperrt, der beschädigte Wagen abgeschleppt. Der Mann wird im Eilverfahren wegen „Republikflucht“ zu drei Jahren Haft verurteilt und muss zusätzlich eine Geldstrafe wegen der Beschädigung der Grenzanlage zahlen.

Nur wenige Monate später verändert sich jedoch alles. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze im Herbst 1989 wird der Mann aus der Haft entlassen.

Der gescheiterte Fluchtversuch bei Hildebrandshausen gehört damit zu den letzten dramatischen Episoden an der innerdeutschen Grenze, kurz vor ihrem Ende.

Weitere Teile dieser Serie

In unserer Serie „Wussten Sie’s?“ stellen wir Persönlichkeiten und spannende Fakten aus dem Unstrut-Hainich-Kreis vor, die in Vergessenheit geraten oder nicht jedem bekannt sind. Dies ist Teil 25.