Eisenbahnen rollen schon lange nicht mehr über das Lengenfelder Viadukt im Unstrut-Hainich-Kreis. Stattdessen fahren andere Gefährte über die Eisenbahnbrücke: Draisinen. In Lengenfeld unterm Stein können Besucherinnen und Besucher mit Fahrraddraisinen über stillgelegte Eisenbahnstrecken rollen. Ein besonders Highlight dabei ist die Fahrt mit der sogenannten Kanonenbahn.

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„Es gibt ein paar Draisinenstrecken in Deutschland, aber keine hat so ein Alleinstellungsmerkmal wie wir mit dem Lengenfelder Viadukt. Die Brücke ist nicht nur für uns zum darüber fahren wichtig, sie ist auch ein Wahrzeichen für Lengenfeld unterm Stein“, sagt Geschäftsführer Johannes Bärwald.

Eine Eisenbahnbrücke mit interessanter Vergangenheit

Die Erlebnis-Draisine bietet eine etwas andere Art von Fortbewegung auf Gleisen. Im Jahr 2002 gründete sich der Kanonenbahnverein, mit dem Ziel, das Viadukt von Lengenfeld zu erhalten. Vier Jahre später hat die Deutsche Bahn dann den Fahrbetrieb mit Draisinen für die Strecke von Geismar bis zum Entenbergtunnel freigegeben. Mittlerweile können rund 13 Kilometer Strecke mit Draisinen erfahren werden.

Insgesamt 26 Draisinen, mit unterschiedlichen Kapazitäten, können von 120 Besuchern gleichzeitig genutzt werden, darunter auch mit Platz für Rollstuhlfahrer. Die beliebteste von insgesamt drei Routen, führt mit 13,5 Kilometern nach Küllstedt im Eichsfeld Hier geht es durch fünf Tunnel. Im Jahr fahren zwischen 22.000 und 28.000 Personen mit den Draisinen.

Lengenfelder Viadukt
Unter anderem fährt die Kanonenbahn über den Lengenfelder Viadukt im Unstrut-Hainich-Kreis.© Funke Medien Thüringen | Nele Sittig

Das Lengenfelder Viadukt ist 24 Meter hoch und 244 Meter lang. Errichtet wurde es von Juni 1877 bis August 1879 und im Mai 1880 in Betrieb genommen. Die Brücke wurde zweigleisig errichtet und wurde im Jahr 1918 zurückgebaut. „Der Stahl, der im Lengenfelder Viadukt verbaut wurde, ist derselbe, der für den Pariser Eiffelturm verwendet wurde“, erklärt Johannes Bärwald.

Der Viadukt selbst war Teil der Kanonenbahn, einer militärstrategischen Eisenbahnverbindung, die die Städte Berlin und Metz miteinander verbunden hat. Über die Strecke sollten, im Falle eines Krieges, schnell Soldaten und Kriegsmaterial transportiert werden können. Die ursprüngliche Streckenführung gibt es heute nicht mehr. Der Name „Kanonenbahn“ hatte sich umgangssprachlich etabliert, da die Strecke aus militärischen Gründen angelegt und genutzt wurde. 1992 ist dann das letzte Mal ein Personen- oder Güterzug über das Lengenfelder Viadukt gefahren.

Ein gefragtes Fahrzeug

Ein beliebtes Angebot ist die Kanonenbahn, die über die gleichnamige Strecke fährt. Im Gegensatz zu den anderen Draisinen, handelt es sich hierbei um eine Elektrodraisine, mit der bis zu 50 Personen fahren können, ohne in die Pedale treten zu müssen. „Ich fahre die Touren mit der Kanonenbahn teilweise selbst und versuche, zwischen harten geschichtlichen Fakten die Fahrt lustig und entspannt zu gestalten“, erklärt Johannes Bärwald. Aufgeladen wird die Kanonenbahn über eine Solaranlage.

Die Kanonenbahn wird auch gerne für Junggesellenabschiede oder sogar Hochzeiten gebucht, erklärt Johannes Bärwald. „Im letzten Jahr hatten wir fünf Hochzeiten bei uns. Junggesellenabschiede haben wir aber doch häufiger.“ Für Hochzeiten fährt die Kanonenbahn rund zwei Kilometer zum Entenbergtunnel. Die Braut sitzt in der Bahn, während der Bräutigam vorneweg mit einer normalen Draisine fährt. „Das Gleis ist frei, also der Bräutigam könnte auch durchfahren. Bisher ist das aber noch nicht passiert“, scherzt Johannes Bärwald. Vor Ort wartet dann ein Standesbeamter, der die Hochzeit unter freiem Himmel vollzieht.

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Die Finanzierung der Erlebnis-Draisine steht jedoch etwas auf wackeligen Beinen. Im nächsten Jahr muss der Lengenfelder Viadukt instandgesetzt werden, wofür das Unternehmen auf Fördermittel angewiesen wären, sagt Johannes Bärwald. Da es sich bei dem Lengenfelder Viadukt um ein technisches Denkmal handelt, könnte das Unternehmen nur Fördermittel vom Amt für Denkmalpflege bekommen, die jedoch zu wenig dafür haben. Auch der Landkreis kann derzeit nicht finanziell unterstützen.

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„Für die Finanzierung bauen wir derzeit einen Pool an eigenen Mitteln auf. Wir suchen auch nach Möglichkeiten, wie wir die Brücke instand halten können“, sagt Johannes Bärwald. Eine Idee, an der gerade gearbeitet wird, ist die Finanzierung durch Spenden. Bärwald erklärt, dass es die Überlegung gibt, Patenschaften für die Pfeiler der Brücke anzubieten. In Zukunft soll auch das barrierefreie Angebot erweitert werden, beispielsweise durch den Ausbau einer kleineren Kanonenbahn, genannt „Rasender Arnold“.