- Laura Dahlmeiers starb Ende Juli auf dem Berg Laila Peak in Pakistan
- Ihre Leiche sollte zunächst am Berg verbleiben
- Warum die Bergung so kompliziert und gefährlich wäre
Der Körper von Laura Dahlmeier liegt irgendwo da oben. Umgeben von den Gesteinsmassen des Laila Peak. 6069 Meter ragt seine majestätische Spitze in den Himmel über Pakistan. Ein schöner und schauriger Anblick zugleich: Die Imposanz der Wand weckte die Abenteuerlust einer Berg-Enthusiastin – und forderte letztlich ihren Tod.

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Zwei Menschen stiegen Ende Juli zum Gipfel des pakistanischen Berges auf – doch nur eine kehrte zurück, wie das Management in einem eindrücklichen Statement schildert. Die Ex-Biathletin selbst wurde am 28. Juli von einem Steinschlag getroffen. Die Seilschaft befand sich zu diesem Zeitpunkt beim Abstieg, gut 400 Meter unter dem Gipfel. Dahlmeiers Seilpartnerin setzte sogleich einen Notruf ab, versuchte noch selbst, Dahlmeier zu bergen. Ein Militärhubschrauber entdeckte dann später den leblosen Körper – konnte aber weder die Leiche, noch die Seilpartnerin aus dem Berg retten. Diese musste sich längst für den Abstieg entscheiden, seilte sich eigenständig ab.
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Laura Dahlmeier: Darum wäre eine Rettung so schwierig gewesen
Dass sich die Bestätigung von Dahlmeiers Tod so lange herausgezögerte, hatte unter anderem damit zu tun, dass die Unglücksstelle auf 5700 Metern nur schwer zu erreichen ist. Meist werden Bergrettungen mit dem Helikopter mittels Seilwinde oder Bergetau durchgeführt: Retter baumeln Meter unter dem Hubschrauber, um Verunglückte aus dem Berg zu ziehen. Viel Zeit für eine Erstversorgung bleibt in der Steilwand nicht: Sie pendeln an die Unglücksstelle, sichern den Betroffenen, kappen das Seil und fliegen zum nächstgelegenen Landeplatz. Erst dort können Verunglückte behandelt – oder der Tod festgestellt werden.
Die Militärmaschine, von der aus Dahlmeiers lebloser Körper erstmals gesichtet wurde, wies allerdings „bergetechnische Limitierungen“ auf, wie es vom Management hieß. Auch sind die Hubschrauber in der dünnen Luft in über 5000 Metern Höhe nicht immer manövrierfähig. Selbst wenn sie, wie im Fall Dahlmeier, die Unglücksstelle erreichen, ist nicht davon auszugehen, dass Piloten die Maschine ruhig halten können. Denn bei Bergungen dieser Art ist äußerte Präzision gefragt: Auf den Meter genau können Retter im Normalfall an die Unglücksstelle geflogen werden. Ob die Militärhubschrauber aus Pakistan auf über 5000 Metern dazu in der Lage wäre, ist fraglich. Bei den 8000ern der im Himalaya stünden dafür Spezialmaschinen bereit.
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Bleibt also die Bergung von unten, zu Fuß. Doch auch diese ist gefährlich: Es wird wohl nicht abschließend geklärt werden können, was den Steinschlag auslöste. War es ein Seil, dass beim Abziehen einen Stein nach dem anderen ins Rollen brachte? Schnee, der schmolz und Brocken in Bewegung setzte? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Sicher ist jedoch: Ist der Berg einmal ins Rutschen gekommen, bleibt er vorerst instabil. Immer neue Gesteinsmassen können sich den Weg nach unten bahnen. Ohnehin ist der Laila Peak für brüchigen Fels bekannt, der unter dem Eis zum Vorschein kommt, wie Olaf Rieck dem „Tagesspiegel“ sagte. Der Bergsteiger hatte den Gipfel vor wenigen Jahren selbst bestiegen. Nach Angaben ihrer Seilpartnerin wurde die Ex-Biathletin von einem großen Stein getroffen.
Laura Dahlmeier wünschte keine Bergung ihrer Leiche
Steinschläge gehören zu den sogenannten externen Gefahren, also solchen, die als Bergsteiger zwar bedacht werden müssen, aber nie hundertprozentig kalkulierbar sind. Dazu gehört etwa auch das Wetter: Nach Angaben der Retter macht ein Wetterumschwung die Bergung schwierig.
Und so war auch die Nachricht zu erklären, dass die Bergung von Dahlmeiers Leiche vorerst eingestellt wurde. Dabei war es ihr ein Anliegen, dass niemand bei der Bergung gefährdet wird. „Ihr Wunsch war es, ihren Leichnam in diesem Fall am Berg zurückzulassen“, schreibt ihr Management. Dabei sollte es vorerst auch bleiben.
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Extrembergsteiger Huber: „Haben wir uns entschieden, nicht zu gehen“
Die Nachricht von ihrem Tod versetzte die Kletterwelt in Aufruhr. Zunächst machte sich ein Suchtrupp auf den Weg. Mit dabei: Thomas Huber, Extrembergsteiger, der vor allem im Gespann mit seinem Bruder Alex als „Huber Buam“ bekannt ist. Die beiden treten meist in bayrisch-zünftiger Art auf, gepaart mit einer Prise Selbstironie, etwa in ihrem Werbespot für Milchschnitte. Doch wenn es an die Wand geht, wird es ernst. Anders wäre die erfolgreiche Free Solo-Begehung (ohne Sicherung) von Alex Huber an der Nordwand der Großen Zinne in den Dolomiten nicht realisierbar gewesen.

Genauso ernst klingt es von den Granden des deutschen Alpinismus nach dem Tod von Laura Dahlmeier. „Wenn Thomas Huber vor Ort ist, wird er alles tun, um Hilfe und Rettung zu bringen“, sagte Alpinisten-Legende Reinhold Messner über den Bergeinsatz. „Aber Wunder kann er auch nicht vollbringen.“
Ein pakistanischer Behördensprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Huber zu den vier erfahrenen Bergsteigern gehöre, die zusammen mit zwei Bergträgern in zwei Teams auf dem Berg unterwegs seien, um die 31-Jährige zu bergen. Messners Informationen zufolge ist Huber mit dem Hubschrauber aus der ebenfalls in Pakistan befindlichen Latok-Gruppe, wo der Berchtesgadener Extremkletterer unterwegs war, zum Basislager des Laila Peaks geflogen worden, an dem Dahlmeier verunglückt ist.
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Bruder Alex bestätigte den Einsatz seines Bruders ebenfalls. Die Huber-Brüder kennen Laura Dahlmeier vom Bergsteigen. „Wir waren mit ihr unterwegs“, so Alex. „Wir sind befreundet.“ Doch am Ende war alle Hoffnung vergebens. Dahlmeiers Leichnam habe sich in einem schwierigen Terrain befunden, was im Falle einer Bergung eine hohe Gefahr für das Rettungsteam bedeutet hätte, so Thomas Huber. „Als erfahrene Bergsteiger haben wir uns entschieden, nicht zu gehen“, sagte er. Auch der pakistanische Behördensprecher schilderte der dpa, dass eine Bergung aufgrund des widrigen Terrains gescheitert sei.









