Nach der verheerenden Niederlage der römischen Legionen in der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9. Jahrhundert n. Chr. galt die römische Expansionspolitik östlich des Rheins lange Zeit als beendet. Neue archäologische Funde aus Sachsen-Anhalt, die in einer aktuellen Studie vorgestellt werden, zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Sie belegen die Präsenz römischen Militärs in dieser Region noch im 3. Jahrhundert n. Chr.
Entdeckungen aus der Luft: Römisches Militär in Sachsen-Anhalt
Erste Hinweise auf mögliche römische Marschlager ergaben sich bereits im Jahr 2020 durch die Auswertung von Satellitenaufnahmen. Daran anschließend führten detaillierte Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zu der Erkenntnis, dass sich in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld sowie in Deersheim im Landkreis Harz zwei römische Lager befunden haben müssen.
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Aufgrund der klar erkennbaren Standardisierung der Anlagen konnten die Befunde eindeutig als römische Marschlager interpretiert werden, wie die Archäologen des Landesamtes in einer aktuellen Studie berichten. Charakteristisch sind die rechteckigen Lagerumfriedungen mit abgerundeten Ecken sowie die rechtwinklig angelegten Hauptlagerstraßen, die von den Toren ins Innere führten. An ihrem Schnittpunkt befand sich das zentrale Hauptquartier, die Principia. Ergänzend identifizierten die Forschenden ein sogenanntes Titulum, einen Abschnitt aus Graben und Wall, der als vorgelagerte Verteidigungsanlage diente.
Im Rahmen systematischer Untersuchungen, an denen sowohl ehrenamtliche als auch hauptamtliche Archäologen beteiligt waren, konnten mithilfe von Metalldetektoren rund 1500 Metallartefakte geborgen werden. Den Großteil stellen Hobnägel dar, die von den genagelten Sandalen römischer Legionäre stammen. Darüber hinaus kamen Münzen ans Licht, die in die zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts sowie in das frühe dritte Jahrhundert n. Chr. datiert werden können.
Überraschende Datierung: Münzen mit Kaiser-Bildnis
Die kostbaren Münzfunde ermöglichten den Forschern eine präzise zeitliche Einordnung der Lager und begleitenden Artefakte. Radiokarbondatierungen bestätigten diese zeitliche Einordnung zusätzlich. Besonders bemerkenswert war ein Denar des Kaisers Caracalla. Dessen Regierungszeit von 211 bis 217 n. Chr. fällt in die Periode eines Feldzugs gegen die sogenannten Albaner, die historisch als Bewohner entlang der Elbe (Alba) interpretiert werden. Dieser Feldzug ist zudem durch ein monumentales Tor mit Inschrift in Dalkingen im heutigen Baden-Württemberg dokumentiert.
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Die außergewöhnlichen Funde, die eine römische Präsenz östlich des Rheins lange nach der Schlacht im Teutoburger Wald belegen, werden derzeit weiterhin ausgewertet. Die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch vertiefte Einblicke in die Organisation und Präsenz des römischen Militärs sowie neue Erkenntnisse zu möglichen Feldzügen unter Kaiser Caracalla in dieser Region.






