Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte extreme Hitze für fast 3,8 Milliarden Menschen vielerorts zum Alltag werden – so heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie von Forschenden der Universität Oxford. Die Wissenschaftler haben dafür verschiedene Szenarien der globalen Erwärmung durchgerechnet und abgeschätzt, wie oft künftig Temperaturen auftreten, die Menschen als „unangenehm heiß“ empfinden. Steigt die globale Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, werde sich die Zahl der Betroffenen bis 2050 weltweit nahezu verdoppeln, heißt es in der Untersuchung.

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Die Studie ordnet die Entwicklung nicht in ferner Zukunft ein, sondern rückt sie in gefährliche Nähe. „Da die Welt bereits auf eine Erwärmung von 1,5 Grad zusteuert, ist schon in diesem Jahrzehnt mit massiven Auswirkungen zu rechnen“, sagte der Umweltwissenschaftler Jesús Lizana, einer der Hauptautoren, der Nachrichtenagentur AFP. Die Anpassung an extreme Hitze sei deshalb „dringlicher als bisher angenommen“, so Lizana.

Hitze ist dabei keine bloße Unannehmlichkeit, sondern eine echte Belastungsprobe für den Körper. Normalerweise hält der Mensch seine Temperatur stabil, indem er schwitzt und die Haut stärker durchblutet wird – so kann Wärme nach außen abgegeben werden. Wird es jedoch zu heiß oder hält die Belastung zu lange an, stößt dieses Kühlsystem an Grenzen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt als typische frühe Anzeichen hitzebedingter Erkrankungen unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche und Übelkeit; im Extremfall drohen Organversagen und Tod.

Dass dieses Risiko zunimmt, hat auch mit dem Klima zu tun. Die Weltwetterorganisation verweist unter Berufung auf den Weltklimarat IPCC darauf, dass der menschengemachte Klimawandel Hitzewellen seit Jahrzehnten häufiger und intensiver macht – und dass mit weiterer Erwärmung sowohl Häufigkeit als auch Intensität weiter steigen.

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Extreme Hitze: Kühlung wird zur Überlebensfrage

Die im Fachmagazin „Nature Sustainability“ veröffentlichte Studie prognostiziert, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts weltweit 3,79 Milliarden Menschen unter extremer Hitze leiden werden. Mit steigenden Temperaturen wachse auch der Bedarf an Kühlung – also an Ventilatoren oder Klimaanlagen. Besonders stark treffe dies Länder, in denen viele Menschen bislang keinen Zugang zu Kühlung hätten; in bevölkerungsreichen Staaten wie Brasilien, Indonesien oder Nigeria werde der Bedarf „drastisch“ zunehmen, heißt es in der Studie.

Damit ist Kühlung nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Frage. Denn sie braucht Strom, Geld und eine Infrastruktur, die verlässlich funktioniert. In ärmeren Ländern fehlten diese Voraussetzungen oft – und genau dort seien der Studie zufolge die schwersten gesundheitlichen Folgen zu erwarten. Besonders betroffen seien unter anderem Bangladesch, Indien und die Philippinen.

Klimawandel und Tropenhitze: Wo die Zahl der Hitzetage am stärksten steigt

Laut der Studie nimmt die Zahl der heißen Tage am stärksten in den Tropen und rund um den Äquator zu – also dort, wo es ohnehin schon warm ist. Besonders große Herausforderungen erwarten die Forschenden in Ländern wie Brasilien, Laos, Nigeria oder dem Südsudan. „Vereinfacht gesagt werden die am stärksten benachteiligten Menschen die Hauptlast tragen müssen“, sagt Mitautorin Radhika Khosla. Hitze verschärft bestehende Ungleichheiten: Wer wenig hat, kann sich schlechter schützen.

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Doch die Studie richtet sich nicht nur an den globalen Süden. Auch Länder wie Kanada, Russland oder Finnland könnten laut den Forschenden „schwerwiegende Auswirkungen“ spüren. Nicht, weil es dort so heiß wird wie in den Tropen, sondern weil diese Länder an Hitze nicht gewöhnt sind. Die Forscher weisen etwa darauf hin, dass Häuser dort bisher „kaum gegen Überwärmung geschützt“ seien und öffentliche Verkehrsmittel „oft keine Klimaanlagen“ hätten.

Zwar könnten mit milderen Wintern die Heizkosten sinken. Doch dieser Vorteil, so Lizana, werde oft durch steigende Kosten für Kühlung wieder aufgezehrt. Im Endeffekt bedeutet das: Die Energiefrage verschiebt sich, sie verschwindet nicht.

Die zentrale Botschaft der Studie ist einfach und doch unbequem. Extreme Hitze wird viele treffen, aber nicht alle sind gleich gut darauf vorbereitet. „Auch wohlhabende Länder stehen vor einem großen Problem“, warnt Khosla, „auch wenn viele das noch nicht begriffen haben“. Lizana spricht sogar von einer „gefährlich schlechten Vorbereitung“.

mit afp