Wissenschaftler konnten über mehrere Jahrzehnte hinweg dokumentieren, wie sich aus einer ursprünglich stabilen und weitgehend friedlichen Gemeinschaft freilebender Schimpansen im Regenwald von Uganda ein gewaltsamer Konflikt entwickelte. Auslöser dieses Prozesses war zunächst die Aufspaltung der Gruppe, auf die in der Folge wiederholte aggressive Auseinandersetzungen zwischen den entstandenen Teilgemeinschaften folgten. Die Ergebnisse ihrer Beobachtungen haben die Forscher bei „Science“ veröffentlicht.
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Tödliche Auseinandersetzungen durch Bruch in der Gemeinschaft
Bereits in den 1970er Jahren dokumentierte die Primatologin Jane Goodall tödliche Auseinandersetzungen innerhalb einer Schimpansengruppe in Tansania. Diese Beobachtungen wurden jedoch von Kritik begleitet, da angenommen wurde, dass die von Goodall im Rahmen ihrer Forschung bereitgestellten Nahrungsressourcen zur Entstehung der Konflikte beigetragen haben könnten.

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Im Rahmen einer aktuellen Studie konnte ein Forschungsteam unter der Leitung des Evolutionsanthropologen Aaron Sandel von der University of Texas in Austin eine vergleichbare Entwicklung bei einer Schimpansengemeinschaft in Uganda nachweisen. Die sogenannten Ngogo-Schimpansen im Kibale-Nationalpark lebten über lange Zeit in einer stabilen sozialen Struktur, bis es im Jahr 2015 im Zuge der Etablierung eines neuen Alpha-Männchens zu tiefgreifenden Veränderungen kam. In der Folge bildeten sich aus bislang nicht abschließend geklärten Gründen zwei getrennte Gruppen heraus, wobei Fortpflanzung fortan ausschließlich innerhalb der jeweiligen Teilgemeinschaft stattfand.
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Die Wissenschaftler berichten, dass sich das Verhalten der Tiere von der für Schimpansen typischen flexiblen Gruppenstruktur unterschied. Statt eines dynamischen Zusammenschlusses und Auseinandergehens von Untergruppen kam es zu einer räumlichen Trennung, bei der Affen der westlichen Gruppe wiederholt vor der zentralen Gruppe flohen und von dieser verfolgt wurden. Nach einer Phase relativer Vermeidung entwickelten sich ab dem Jahr 2018 zunehmende soziale Spannungen, die sich kontinuierlich steigerten.
Im Jahr 2021 richtete sich die Aggression gezielt gegen Jungtiere. Beobachtungen zufolge entführten und töteten Schimpansen der westlichen Gruppe insgesamt vierzehn Säuglinge der zentralen Gemeinschaft. Im Zeitraum zwischen 2018 und 2024 kam es durchschnittlich zu Angriffen auf ein erwachsenes Männchen sowie zwei Jungtiere pro Jahr, die jeweils tödlich endeten.
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Wurde die Gruppe zu groß für die Gemeinschaft?
Die Wissenschaftler bemühen sich in diesem Zusammenhang um eine Erklärung der zugrunde liegenden Ursachen. Der Wechsel des dominanten Männchens allein erscheint nicht ausreichend, um die Entstehung des Konflikts schlüssig zu erklären. Stattdessen vermutet das Forschungsteam, dass die Gemeinschaft mit rund 200 Individuen, darunter etwa 30 erwachsene Männchen, im Vergleich zu anderen bekannten Schimpansengruppen eine ungewöhnliche Größe erreicht hatte.

Nach Einschätzung von James Brooks vom Deutschen Primatenzentrum, der nicht an der Studie beteiligt war, ist es jedoch noch zu früh, eine endgültige Erklärung festzulegen. Gegenüber ScienceAlert betonte er, dass weitere Untersuchungen erforderlich seien. Gleichwohl liefert die Studie wichtige Hinweise auf die sozioökologischen Prozesse, die solchen innerartlichen Konflikten zugrunde liegen könnten.
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Die Beobachtungen werden von der Forschung als ein bedeutender Ansatzpunkt interpretiert, um die Ursachen von Gewaltkonflikten neu zu bewerten. Insbesondere legen sie nahe, dass kriegerische Auseinandersetzungen beim Menschen nicht ausschließlich auf ethnische, religiöse oder politische Differenzen zurückgeführt werden können, sondern möglicherweise tiefere evolutionäre und soziale Dynamiken eine Rolle spielen.








