„Sag mal, brennt ihr?“, fragt Tierschützer und Influencer Malte Zierden bei Instagram und teilt ein Video, das am Zürcher Bahnhof Stadelhofen aufgenommen wurde. Zu sehen sind Wildhüter der Stadt, wie sie eine Tauben-Großfalle mit einer grünen Decke abschirmen und anschließend bis zu 20 Tauben an Ort und Stelle töten. Zierden demonstriert in seinem Video die brutale Vorgehensweise der Taubenkeulung: Ein Schlag auf den Kopf, Genickbruch, und dann wandern die Tiere – wie auch im Video zu sehen ist – wie Straßenmüll in schwarze Abfallsäcke. Die Szenen lassen jeden Tierschützer erschaudern – und sorgen bei Zierden sowie Millionen Menschen im Netz für Entsetzen.

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Eine Passantin hatte das Tauben-Gemetzel vom 9. April mitgefilmt und das Video ins Netz gestellt. Nachdem mehrere Schweizer Medien darüber berichtet hatten, bestätigte die Stadt Zürich das brutale Vorgehen gegen die steigende Tauben-Population in der Stadt und sprach von „gezielter Bestandsregulierung“. Was folgte, war ein Shitstorm, befeuert durch Influencer wie Zierden, dessen Video mittlerweile mehr als 2,6 Millionen Menschen gesehen haben. Zahlreiche Instagram-Nutzer kommentierten unter den Beiträgen der Stadt entzürnt angesichts der Szenen. Schließlich deaktivierten die Verantwortlichen die Kommentarfunktion.

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Tierschützer in Zürich demonstrieren gegen Tauben-Tötung

Tierschützer organisierten am vergangenen Samstag eine Demonstration am Zürcher Europlatz. Hunderte Menschen schlossen sich der Kundgebung an. Unter anderem legten die Aktivisten eine zehnminütige Schweigepause für die getöteten Tiere ein. Am kommenden Samstag soll es erneut eine Kundgebung geben, diesmal am Stadelhofer Platz – und damit unmittelbar am „Tatort“. Die Tierschützer wollen, dass die Stadt das Augsburger Modell anwendet, also kontrollierte Taubenschläge durchführt.

Jenes Modell ist in vielen deutschen Städten seit Jahren gelebte Praxis. Erstmals 1995 in Augsburg angewendet, werden den Stadttauben dabei künstliche Eier untergejubelt. Die Vögel können dann brüten, ohne dass neue Vögel nachkommen. Immer mehr Groß- und Kleinstädte setzen dabei auf betreute Taubenhäuser. In den speziell eingerichteten Containern oder Gartenhäusern, die meist auf Dächern platziert werden, bekommen die Vögel artgerechtes Futter, Wasser und Brutplätze. Sobald die Tauben Eier legen, werden diese durch Gipseier ersetzt.

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Fall aus Limburg zeigt: Taubenkeulung ist auch in Deutschland ein Thema

Selbst wenn nur ein Prozent der Gesamtzahl der Tauben einer Stadt an einen solchen betreuten Schlag gebunden sei, zeige sich eine positive Wirkung, erläuterte eine Ministeriumssprecherin aus Niedersachsen, wo viele Städte solche Taubenhäuser eingerichtet haben. Je nach Größe der Stadttaubenpopulation werden mancherorts inzwischen Tausende Eier pro Jahr ausgewechselt. 

Szenen wie am Zürcher Bahnhof sind in Deutschland jedoch nicht undenkbar. Das zeigt ein Beispiel aus Limburg (Hessen), wo sich vor zwei Jahren 53 Prozent der Menschen in einem Bürgerentscheid für die Tötung der Stadttauben aussprachen. Am Ende scheiterte das Vorhaben nur, weil der Stadt die behördlichen Genehmigungen des Kreises fehlten.

Nach deutschem Tierschutzgesetz müssen geplante Tötungen im Einzelfall erst von Behörden genehmigt werden. Sie sind zudem nur dann zulässig, wenn nachweislich keine Alternativen gegeben sind. Der Deutsche Tierschutzbund hält systematische Keulungen grundsätzlich für rechtswidrig.

mit dpa