„Ich weiß nicht, ob ich einer Frau, die mich um Rat bittet, nach meinen Erfahrungen sagen würde: ‚Zeig ihn an!‘“ Diese Worte sagt die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes in einem aktuellen Interview mit dem „stern“. Im März dieses Jahres hatte sie ihrem Ex-Mann Christian Ulmen in einem „Spiegel“-Beitrag „virtuelle Vergewaltigung“ vorgeworfen. Er soll in ihrem Namen Fake-Profile im Internet erstellt und damit Männer in ihrem Namen angeschrieben haben. Ulmen soll dabei sexualisierte Nachrichten und Pornos verschickt haben, die den Anschein erwecken sollen, als sei Fernandes selbst zu sehen. Auch zu Telefonsex soll es gekommen sein. Ulmen bestreitet die Vorwürfe. Für ihn gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

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Gegenüber dem Stern berichtet die 44-Jährige nun von zahlreichen Hasskommentaren und Aufforderungen zum Suizid, nachdem sie die Anschuldigungen öffentlich gemacht hat. Sie solle „den Küblböck“ machen, wenn sie für die ZDF-Serie „Das Traumschiff“ als Schiffsärztin vor der Kamera steht. „Ich hoffe, dass die da runterfällt“, zitiert Fernandes einen weiteren Kommentar. Der Sänger Daniel Küblböck soll sich mutmaßlich im September 2018 durch einen Sprung von der Reling eines Kreuzfahrtschiffes in den Atlantik das Leben genommen haben.
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Laut Fernandes gehe der Terror immer weiter. Das würden auch Nachrichten widerspiegeln, die Fernandes von anderen Frauen bekommt. Im Interview macht sie außerdem deutlich, weshalb sie die Vorwürfe gegenüber Ulmen öffentlich gemacht hat. „Ich hätte es gern auf anderem Wege geklärt“, sagt sie. Aber sie hätte den Männern – denen Ulmen mutmaßlich sexualisierte Nachrichten geschickt hat – sagen wollen, dass sie nicht dahintersteckt. „Aber der Täter hat mir diese Chance bis zuletzt nicht gegeben, wollte mir die Namen nicht nennen“, sagt Fernandes jetzt.
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Ihre Therapeutin habe sie schließlich darin bestärkt, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es ließ mir keine Ruhe, um meinen Frieden zu finden, musste ich das klarstellen“, sagt Fernandes. In dieser Zeit, als sie nichts von der Identität der Männer wusste, habe sie sich „wahnsinnig einsam und alleine“ gefühlt. Ulmen habe ihr verboten, mit ihren Freundinnen darüber zu reden, woran sie sich auch gehalten habe. Christian Ulmens Anwälte bestreiten diese Vorwürfe gegenüber dem „stern“.

Fernandes erstattete Anzeige gegen Ulmen – schwierige Entscheidung für Tochter
Den Fall dann schließlich zur Anzeige zu bringen, sei Fernandes nicht leicht gefallen. „Natürlich ist es wahnsinnig schwierig, den Vater des eigenen Kindes anzuzeigen“, sagt sie. Sie habe lange darüber nachgedacht, sich aber schließlich die Frage gestellt, was es für ein Signal an ihre Tochter gewesen wäre, wenn sie es nicht getan hätte. Nachdem Fernandes ihr Schweigen gebrochen hatte, habe ihr eine Freundin gesagt, dass es das Beste sei, was sie für ihre Tochter hätte machen können. So könne sie lernen, dass sie den Täter nicht schützen muss, wenn ihr selbst so etwas widerfahren sollte.
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Auf die Frage des „stern“, wie das Verhältnis zwischen Ulmen und seiner Tochter aktuell ist, möchte sich Fernandes nicht äußern. Es sei „gerade ein ganz schwieriges Thema“. Ohnehin sehe sie gerade gar keinen Lichtblick. „Ich wünsche mir nur, dass schnell verhandelt wird. Und dass dieser ganze Horror endlich vorbei ist“, sagt Fernandes.
Zur Berichterstattung im Fall Fernandes
Gegen Christian Ulmen stehen schwere Vorwürfe im Raum. Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat Ulmen in Spanien angezeigt, wegen mutmaßlicher Vortäuschung einer Identität, Verletzung von Geheimnissen, Beleidigung mit öffentlicher Verbreitung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Bedrohung. Um die Erstellung von Deepfake-Pornos ging es dabei ausdrücklich nicht. Die spanische Justiz hat die Strafanzeige von Collien Fernandes an Deutschland abgegeben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt derweil wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt gegen Christian Ulmen.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Schauspieler weist die Vorwürfe zurück. Das Landgericht Hamburg hat Anfang Mai einen Großteil der im März erschienenen „Spiegel“-Berichterstattung für zulässig erklärt. Fernandes hatte darin die Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann öffentlich gemacht. Im Juni urteilte auch das Hanseatische Oberlandesgericht, der „Spiegel“ dürfe weiter über die Gewaltvorwürfe berichten.







