- In Stade (Niedersachsen) fallen am Montag in einer Jugendhilfeeinrichtung Schüsse
- Sechs Menschen sterben, viele sind zum Teil schwer verletzt
- Jetzt wurde Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen
- Der 45-Jährige äußerte sich erstmals gegenüber der Polizei
Bei der 65 Jahre alten Fahrerin des Fluchtwagens nach der Gewalttat mit sechs Todesopfern in Stade (Niedersachsen) handelt es sich um die Schwiegermutter des niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe Deniz Kurku. Das ließ der SPD-Politiker in einer Stellungnahme über einen Rechtsanwalt mitteilen. „Unmittelbar nachdem ich aufgrund von Medienberichten von der Betroffenheit meiner Schwiegermutter Kenntnis erhalten hatte, habe ich dieses den Ermittlungsbehörden und weiteren Stellen in meinem beruflichen Umfeld mitgeteilt“, heißt es in der persönlichen Stellungnahme. Zunächst hatten mehrere Medien darüber berichtet, darunter der NDR und der „Spiegel“.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Kurku drückte in seiner Stellungnahme seine Anteilnahme aus. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen, den ihnen nahestehenden Personen und all jenen, die diese schreckliche Tat miterleben mussten.“
Auch interessant
Neue Details zum Tatverdächtigen – er besorgte Tatwaffe wohl in Berlin
Am Donnerstag äußerte sich der mutmaßliche Täter erstmals gegenüber der Polizei. Nach Informationen des „Spiegel“ gab der 45-Jährige an, er habe sich nach der Tat selbst töten wollen. Dazu sei es jedoch nicht gekommen, weil ihm die Munition ausgegangen sei. Welche Schusswaffe der Verdächtige benutzte, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Die Ermittlungen führt inzwischen eine Mordkommission. Die Polizei wertet weiterhin Hinweise aus der Bevölkerung aus und bittet Zeugen, Fotos und Videos zur Verfügung zu stellen, die zur Aufklärung der Tat beitragen könnten. Der Tatverdächtige befindet sich in Untersuchungshaft.
Nach Recherchen des NDR soll der Verdächtige, ein 45-Jähriger, die Waffe zusammen mit 21 Patronen bereits eine Woche vor der Tat am Berliner Kurfürstendamm besorgt haben. Er habe dafür 4000 Euro gezahlt, hieß es. Dies würde bedeuten, dass der Mann seine Tat sorgfältig geplant haben könnte.
Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord. Unter den sechs Toten sind drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei der Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt.
Stade: Auslöser soll ein Sorgerechtsstreit gewesen sein
Hintergrund ist nach Angaben der Polizei möglicherweise ein Sorgerechtsstreit. Der Tatverdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit hatte demnach einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter.
In Bezug auf zwei weitere tatverdächtige Frauen hat die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Sowohl die 34 Jahre alte Mutter der gemeinsamen Tochter als auch die Begleiterin des 45-jährigen mutmaßlichen Täters wurden aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen.
Lesen Sie auch
Stade: Großer Andrang bei Gedenken an die Opfer
Für die Opfer fand am Dienstagabend eine Andacht in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade statt; der Andrang von Angehörigen, Kollegen und Feuerwehrleuten war riesig. Am heutigen Mittwoch (14 Uhr) soll es zudem in der Marktkirche Hannover ein Gedenken für die drei Mitarbeiter der Jugendhilfe der Region Hannover geben. Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Mitarbeitenden der Jugendämter.

Stade: Mutmaßlicher Täter soll eigenes Baby geschüttelt haben
Der „Spiegel“ berichtet, bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um den 45-jährigen türkischen Staatsbürger Fatih Khan G. aus Garbsen bei Hannover. Er soll sein Baby geschüttelt haben. Das Kind sei daraufhin ärztlich untersucht worden, wobei entsprechende Verletzungen festgestellt werden konnten. Die Mutter soll von dem Tatverdächtigen bereits getrennt gewesen sein. In dem Sorgerechtsstreit sollen bereits zwei Entscheidungen des Amtsgerichts Neustadt am Rübenberge vorliegen.
Lesen Sie auch
Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei unklar, woher der mutmaßliche Täter die Waffe hatte und ob es mehrere Waffen gab. Sicher sei, dass der Tatverdächtige keine Erlaubnis zum Führen der gefundenen Waffe gehabt habe. Aus ermittlungstaktischen Gründen sagte die Polizei bisher nicht, um welche Art von Waffe es sich handelt. Auch der genaue Ablauf der Tat in der Jugendhilfeeinrichtung war bisher nicht öffentlich bekannt. Die Ermittler verwiesen auf die aufwendige und detaillierte Arbeit der Spurensicherung.
Dobrindt sieht noch „Aufklärungsbedarf“
Am Dienstag äußerte sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zu der Tat und drückte sein Bedauern und Mitgefühl aus. Das könne einen Menschen „nur sprachlos“ zurücklassen, hob Dobrindt hervor. Die Tat habe ihn „stark betroffen gemacht“, seine Gebete seien mit den Opfern der Gewalttat.

Zu den Hintergründen der Tat sowie zum Motiv des Täters nannte Dobrindt keine Details. Er hob lediglich hervor, dass die Behörden vor Ort aufgrund der Polizeiakte des mutmaßlichen Täters nicht davon ausgehen konnten, dass die Person „stark polizeilich auffällig“ gewesen sei – und eine solche Tat vollstrecken könne.
Dobrindt sei im Austausch mit Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD). „Es gibt noch Aufklärungsbedarf“, sagte Dobrindt. Die Ermittlungen würden weiterlaufen. Er gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft vor Ort den Fall übernehme und im Laufe des Tages weitere Details bekannt gebe.
Stade gehört zur Metropolregion Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Hansestadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt.
Anmerkung der Redaktion
Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.
Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.
mit afp/dpa












