Zusammenfassung
- Die TLZ feiert ihren 80. Geburtstag und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit der politischen Entwicklung in Deutschland verknüpft ist.
- Erinnerungen an die Zeit nach dem Kriegsende 1945, geprägt durch den Wechsel von amerikanischer zu sowjetischer Besatzung, zeigen die unterschiedlichen Erfahrungen der Bevölkerung.
- Die TLZ, erstmals erschienen am 24. September 1945, wurde durch die russische Militäradministration ermöglicht und ist ein Zeugnis der historischen Veränderungen in Thüringen.
Die TLZ wird in diesem Jahr 80 – und wir wollen vor allem von Lesern wissen, wie sie die Zeiten, darunter besonders prägende Abschnitte, in Erinnerung haben. Johannes Bock aus Weimar schreibt:

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Unsereins hatte 44 Jahre, vier Monate und sechs Tage lang in einem sich bis zur Unerträglichkeit steigerndem, Drangsalierungen hervorbringendem riesigem Gefängnis verbracht. Als die Mauer endlich geöffnet worden war, verfiel man, geschichtsvergessen, auf diese irreführende Bezeichnung „Mauerfall“. Nein, das war es noch lange nicht! Bis in den Juni hinein wurden vom alten „persönlich so zuverlässigem Personal“ die Grenzkontrollen durchgeführt und brauchte man die im Reisepass festgehaltene Reiseerlaubnis.
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Besuchergeld und Zwangsumtausch bis Weihnachten 1989
War das für Bundesbürger nicht ganz anders? Ach ja, zumindest das Besuchergeld, diesen 1:1-Zwangsumtausch, gab es bis zu Weihnachten 1989, wie ich mich hoffentlich richtig erinnere. Da waren wir mit der Auflösung der Nasi/Stasi beschäftigt und die Erstürmung der diversen heimlich betriebenen Projekte dauerte bis Januar 1990.
Dies als Vorwort – und nun der Blick zurück in die Zeiten nach dem Kriegsende. Hierzulande hatten wir 1945 das Ende der fürchterlichen Nazizeit zwar genauso wie in ganz Deutschland erlebt, sind aber genau genommen zweimal befreit worden.
Zu Nummer 1: Ich war fünf Jahre alt und wir harrten wegen „Feindalarm“ im Luftschutzbunker aus. Es blieb still, was wir nicht wussten: Erfurt war mittels weißer Fahne kampflos übergeben worden. Nach geraumer Zeit ging jemand nach oben. Zurückkehrend erklärte er: „Der Krieg ist vorbei, die Amerikaner sind da.“ Erleichterung, sogar eine gewisse Freude war zu spüren. Bereits auf dem Heimweg bekamen wir Kinder Schokolade und an die Marke „Cadbury“ erinnere ich mich auch. Wie wir viel später erfuhren, hatten die Amerikaner Nazis aus ihren Ämtern entfernt, die Verwaltung neu aufgebaut. Davon also bekamen wir Kinder nichts mit, erlebten diese erste Besatzung samt gepflegter, freundlicher Soldaten als problemlos.
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Angst vor Russen: Amerikaner ziehen ab
Nummer 2: Bereits Anfang Juli 1945 kam es zum Truppenaustausch. Es herrschte eine riesengroße Angst vor den Russen. Die Amerikaner zogen ab und die Besatzungsmacht wurde die Sowjetunion mit – wie wir es empfanden – überaus ärmlich gekleideten Soldaten. In der äußerst hierarchisch gegliederten Truppe standen die den Krieg entscheidenden Muschkoten auf unterster Stufe und das blieb bis zuletzt so.
In dieser unserer sowjetisch besetzten Zone war fortan Jahr für Jahr am 8. Mai die Rote Armee allein als Befreier zu feiern. Wie wir uns alle erinnern, folgten 44 Jahre des zunehmenden Befreiens von der Freiheit unter emsigem Mittuns der eigenen Landsleute.
- Die TLZ konnte dank „der russischen Militäradministration“ erstmals am 24. September 1945 erscheinen – und feiert daher an diesem Tag ihren 80 Geburtstag. Schreiben Sie gerne Ihre Erinnerung an g.sommer@tlz.de
- Am 3. Juni 2025 können Leserinnen und Leser mit uns ins mini-a-thür in Ruhla. Teilnahme am Gewinnspiel unter: www.tlz.de/service/gewinnspiele






