• Gavin Newsom regiert Kalifornien seit 2019, vorher war er stellvertretender Gouverneur
  • Newsom gehört zu den ganz wenigen Demokraten, die Trump regelmäßig die Stirn bieten
  • Warum er Trump gefährlich werden könnte

Es hat damals nicht viel gefehlt, und die ungleichen Männer hätten sich Ende Januar 2025 auf dem Rollfeld des Flughafens von Los Angeles im Politbüro-Stil geküsst. Gavin Newsom, der demokratische Gouveneur Kaliforniens, bedankte sich so ausgiebig und herzlich bei Donald Trump für dessen Visite kurz nach der verheerenden Feuersbrunst in Los Angeles, dass man sich die Augen rieb. Zur Erinnerung: Damals brannten ganze Wohnviertel ab, 30 Menschen kamen ums Leben. Präsident Trump beleidigte den demokratischen Gouverneur Kaliforniens über Tage übelst und überzog ihn mit Fake-Vorwürfen. So hieß es, Newsom sei verantwortlich dafür, dass die Feuerwehr – angeblich – nicht genügend Wasser gehabt habe, um die Brände in Pacific Palisades zu löschen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch Newsom war auf finanzielle Katastrophen-Hilfe aus Washington bitter angewiesen, also schluckte er seine Ressentiments gegen den 78-Jährigen US-Präsidenten herunter und spielte eine Männer-Zweckfreundschaft vor. Es tat beim Zusehen fast weh. Auch das ist Geschichte.

Ende Januar 2025 war ihr Draht noch intakt:  Donald Trump wird in Los Angeles von Gouverneur Gavin Newsom empfangen.
Ende Januar 2025 war ihr Draht noch intakt: Donald Trump wird in Los Angeles von Gouverneur Gavin Newsom empfangen.© AFP | MANDEL NGAN

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Newsom als Trumps neuer Gegenspieler? Laut, trotzig und furchtlos

Bereits im Juni vergangenen Jahres demonstrierten Menschen in Los Angeles gegen Trumps harten Migrationskurs. Die Proteste weiteten sich auf San Francisco, die Ostküstenmetropole New York sowie Georgia, Texas und Kentucky aus. In den Tagen zuvor war die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die teils gewalttätigen Protestler in LA vorgegangen. Die Wut der Menschen, die sich gegen seine radikalen Abschiebungen wendet, ließ er mit Nationalgardisten und Elite-Soldaten der Marines eindämmen.

Und das ist es, was sich Gouverneur Newsom nicht gefallen lassen will. Der 58-jährige Berufspolitiker aus San Francisco füllt damit eine Rolle aus, die bei den Demokraten völlig verwaist ist: die des lauten, trotzigen, furchtlosen Gegenspielers, der die autokratischen Allmachts-Allüren Trumps nicht hinnimmt.

So verklagte Newsom den Präsidenten wegen des Militär-Einsatzes in Los Angeles und schwang sich zum Wächter über die Balance zwischen Zentralregierung und Bundesstaaten auf; dabei hatte er sämtliche demokratischen Gouverneurs-Kolleginnen und -Kollegen auf seiner Seite.

News aus den USA

Newsom als Kandidat der Demokraten für die Wahl 2028?

Wie Newsom Trump die Stirn bietet, mutet zwar seltsam an. So bettelte er geradezu um seine Verhaftung bei einem der Proteste gegen die Inhaftierung undokumentierter Einwanderer. Newsom tat dies alles mit einem Dauerton der authentisch wirkenden Rauflust, wie man ihn von den seit Kamala Harris` Niederlage dauer-paralysierten Demokraten selten gehört hat. 

Gavin Newsom
Kampflustig und charismatisch: Gavin Newsom gehört zu den ganz wenigen Demokraten, die Trump regelmäßig die Stirn bieten© Noah Berger/AP/dpa | Noah Berger

So viel Newsom wie zu diesem Zeitpunkt war bis dato nie auf Amerikas TV-Kanälen. Und manche fragen sich, warum die tief verunsicherte Partei nicht aufhört, nach einem geeigneten Widersacher für die Wahl 2028 zu suchen. Hat Gavin Newsom nicht alles, was es dazu braucht?

Newsom ist fernsehtauglich, redegewandt und US-weit bekannt

Tatsächlich ist der frühere Baseball-Spieler fernsehtauglich, charismatisch, redegewandt und weit über die Grenzen Kaliforniens hinaus bekannt. Newsom regiert Kalifornien seit 2019. Vorher war er stellvertretender Gouverneur. Davor Bürgermeister von San Francisco. Einst war der 1,92 Meter große Mann, den Trump penetrant „Newscum” nennt (wie  „scum”/Abschaum), mit Kimberly Guilfoyle verheiratet, die vor einem Jahr noch an der Seite von Trumps ältestem Sohn Donald junior zu finden war.

Newson steht für verhasste, linksliberale Westküsten-Elite

Schon lange nach dem Rückzug Joe Bidens im Sommer 2024 fiel regelmäßig der Name Newsom, wenn Demokraten leise über eine künftige Führungsfigur nachdachten. Und das trotz diverser Kontra-Punkte. Kalifornien hat unter Newsoms Regentschaft, die in diesem Jahr wegen Amtszeitbegrenzung definitiv endet, Hunderttausende Einwohner verloren, die den „Golden State” für zu teuer, kriminell, überreguliert und „woke” halten. Newsom verkörpert die in weiten Teilen des Landes verhasste progressive, linksliberale Westküsten-Elite wie kein Zweiter. Von Trumps Maga-Milieu ist er so weit entfernt wie die Sonne von der Erde. 

Protests Erupt In L.A. County, Sparked By Federal Immigration Raids
Gouverneur Newsom nutzt die Militarisierung der Proteste in Los Angeles, um sein Profil als Trump-Gegner zu schärfen. © Getty Images via AFP | Jim Vondruska

Zuletzt hatte Gavin Newsom allerdings versucht, den Abstand zu verringern. Er bezeichnete die Marke der Demokraten als „toxisch”, warf seiner Partei vor, sich häuslich in einer Echokammer eingerichtet zu haben, in der Leute geächtet würden, deren Ansichten man für hinterwäldlerisch hält. 

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Um seine eigenen Lernkurve zu bezeugen, ging Newsom zu Trump-hörigen Rechtsnationalisten wie Steve Bannon und Charlie Kirk in Talkshows und sang zum Leidwesen der in Kalifornien besonders starken LGBTQ-Bewegung plötzlich ein Lied mit Trump-Sound: Transgender-Personen im Frauensport – das sei nicht in Ordnung, sondern „zutiefst ungerecht”.

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2005 war Gavin Newsom noch Bürgermeister von San Francisco. Damals an seiner Seite: Ex-Ehefrau Kimberly Guilfoyle, die später dem Trump-Clan beitrat.© picture alliance / AP Photo | Ben Margot

Newsom als Ein-Mann-David gegen den Goliath in Washington

Doch seit den Krawallen von Los Angeles ist Newsom in das politische Habitat zurückgekehrt, in dem er am trittsichersten ist – als Ein-Mann-David gegen den Goliath in Washington. 

Doch auch Trump legte nach: „Wenn ich die Soldaten in den vergangenen drei Nächten nicht nach Los Angeles geschickt hätte, würde diese einst schöne und großartige Stadt jetzt bis auf den Grund niederbrennen“, schrieb er auf der Online-Plattform Truth Social und spielte damit auf die Feuerkatastrophe vom Januar 2025 an. Wie damals ließ er bei jedem Satz anklingen, dass er Newsom für einen politischen Totalversager hält. Genau das ist es, was den Demokraten in Sacramento neues Leben eingehaucht.