Geboren im Jahr 1941, war Lutz Becker gerade einmal vier Jahre alt, als sein Vater, der Politiker Hermann Becker (1905-1981), im September 1945 die Thüringische Landeszeitung gründete. Zum 70. Jubiläum 2015 spricht der Sohn des TLZ-Gründers über seine Erinnerung an die Nachkriegszeit, seinen Vater und die Anfänge der Zeitung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Geboren in Zeiten von Krieg, erinnert er sich nur noch an die Nächte im Luftschutzkeller. Durch seine vier Jahre ältere Schwester ist ihm die Zeit dennoch nach 70 Jahren noch präsent. Er berichtet von der Befreiung durch die Amerikaner. Später seien Gerüchte aufgekommen, dass die Russen auf dem Weg seien: „Das hat meiner Erinnerung nach bei vielen Leuten Besorgnis ausgelöst.“
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Erinnerungen an den Vater, den Verleger und Politiker
Lutz Becker lebt seit Mitte der 1960er Jahre in London und ist als Maler, Filmmacher und Kurator tätig – er hat einen anderen Weg eingeschlagen als sein Vater. Lutz Becker erinnert sich, dass sein Vater Beisitzer in mehreren Entnazifizierungsverfahren war. Privilegiert sei Lutz Becker jedoch nicht aufgewachsen: „Es waren Hungerjahre. Als mein Vater im Thüringer Landtag war, nahm er ein Marmeladenbrot mit“, erklärt er gegenüber Gerlinde Sommer 2015. Seinen Vater beschreibt er als „schrecklich abgemagert“.
Drei Jahre hatte Hermann Becker den Wiederaufbau von Thüringen mitgestalten können – bis er 1948 von Sowjets verhaftet und verschleppt wurde. In den drei Jahren vor seiner Haft, sagt sein Sohn, hat Hermann Becker „unglaublich viel bewegt – bei der LDP, in Thüringen und bei der TLZ.“ Bei einer Rede auf dem Erfurter Domplatz im Jahr 1946 wurde Lutz Becker die Popularität seines Vaters bewusst.

Die Anfänge der TLZ
Lutz Becker beschreibt, dass die Lizenz für die Zeitung zu bekommen in der frühen Nachkriegszeit 1945 „kein Geschenk“ war: „Alles musste erkämpft werden.“ Sein Onkel Walter Wenger, der Gebrauchsgrafiker war, hatte damals den ersten Zeitungskopf der TLZ gestaltet. Nach der Verhaftung seines Vaters wurde Mutter Charlotte Becker in der Erfurter Geschäftsstelle der TLZ angestellt. Werner Grassau in Erfurt und der Weimarer TLZ-Geschäftsführer Blank spielten eine zentrale Rolle in den Anfangsjahren der Zeitung.
Für Jahre wusste Familie Becker nicht, wohin Hermann verschleppt wurde. Erst viel später erfuhr die Familie, dass Hermann Becker die ersten beiden Jahre in Haft in Hohenschönhausen verbringen musste und dort schwer gequält wurde. Lutz Becker hatte sich erst lange nach dem Tod seines Vaters darüber informiert, was seinem Vater angetan wurde.
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„Es war überraschend, als im September 1955 eine Nachricht kam, die uns über seine bevorstehende Entlassung kam“, erklärt Lutz Becker. Der Neuanfang war für die Familie aber sehr schwierig. Die Familie zog von Erfurt nach Berlin, wo sie dann versuchten, ein gemeinsames Leben zu führen.
Seit 1965 lebt und arbeitet Lutz Becker in London: „Das war eine wichtige Entscheidung für mich. 1961 war die Mauer gebaut worden. Die Stimmung im Ostteil Berlins war ziemlich auf null. Und im Westteil war es ähnlich.“ Für ihn, der Kunst und Film studieren wollte, gab es in Berlin nichts, so Becker. Durch ein Stipendium kam er dann nach London und blieb dort. „Ich hatte Glück und konnte hier vieles machen, was ich in Deutschland nicht hätte machen können“, erklärt Lutz Becker.






