US-Präsident Donald Trump geht rabiater gegen politische Gegner und Kritiker vor als während seiner ersten Amtszeit. Auch sind seine Bemühungen, den Rechtsstaat zu unterlaufen, konsequenter und besser organisiert. Ein Trend ist gegenüber Trumps ersten vier Jahren im Weißen Haus aber unverändert geblieben: Der Präsident schlägt seine Landsleute in die Flucht. Viele sagen, dass sie schlichtweg die Erosion der größten westlichen Demokratie nicht verschmerzen können. Andere geben handfeste ökonomische Gründe an. Genauer gesagt: Die explodierenden Kosten der Krankenversorgung, die übrigens auch Unternehmen wachsende Sorgen bereiten. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Wie eine Studie des Harris Instituts ergab, haben seit dem Beginn von „Trump II“ 42 Prozent aller erwachsenen US-Bürger mit dem Gedanken gespielt, in ein anderes Land überzusiedeln. Der Befragung zufolge waren sogar 52 Prozent der Millennials, die zwischen 1981 und 1996 geboren wurden, bereit, den USA den Rücken zu kehren. Fast zwei Drittel der „Gen Z“, die nach 1996 zur Welt kamen, könnten sich ernsthaft vorstellen, woanders zu leben.  

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Die große Angst vor einer amerikanischen Autokratie

Genannt werden die Auswanderer „Trumpugees“ – eine Anspielung auf „refugee“, englisch für Flüchtling. Viele fürchten ein Abgleiten ihres Heimatlandes in eine Autokratie. Andere bangen um den Erhalt von Bürgerrechten. Einige nennen wiederum die tiefe politische Spaltung und den brutalen, oft unmenschlichen Umgang mit Migranten, der einer großen amerikanischen Tradition widerspricht: nämlich der weltgrößte Schmelztiegel zu sein.

Ken P. (59) aus Washington ist ein typischer „Trumpugee“. Ken, der ursprünglich aus Minnesota kommt und nach dem Studium in die Hauptstadt übersiedelte, arbeitet seit fast 30 Jahren in der Immobilienbranche. Seine Partnerin Claire ist Lobbyistin für einen prominenten Industrieverband. Das Paar versteht sich als „politisch unabhängig, aber mit einer liberalen Neigung“. Seit 2008 haben die beiden durchwegs demokratisch gewählt. Sie haben erst Barack Obama, dann Hillary Clinton, Joe Biden und im vergangenen November Kamala Harris ihre Stimme geschenkt. Als junger Mann galten Kens Sympathien aber auch schon mal Republikanern, so zum Beispiel Ronald Reagan im Jahr 1984 und danach dessen Vizepräsident George H.W. Bush. 

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#25 Christian Dürr über Alzheimer, Delmenhorst und den anderen Christian der FDP
Meine schwerste Entscheidung
 

„Wir waren schon immer offen für beide Parteien, es liegt wirklich nur an der Person und deren politischen Programm“, sagt der Immobilienmakler. Als Donald Trump 2017 das erste Mal ins Weiße Haus einzog, seien er und Claire schon skeptisch gewesen. „Aber nun, beim zweiten Mal, hat das eine ganz andere Qualität“, fügt Claire hinzu. „Der hat sich mit rechtsgerichteten ‚Project 2025‘ Leuten umgeben und betreibt eine konsequente Demontage unserer Demokratie.“ Anstoß nimmt das Paar vor allem an der Dreistigkeit und Unverfrorenheit, mit der Trump Gesetze und demokratische Institutionen ignoriert. „Ich sehe keine Möglichkeit, diesen direkten Weg in die Autokratie noch aufzuhalten“. 

Die Konsequenz, die Ken und Claire wenige Jahre vor der Frührente ziehen: Sie haben ihr Haus in Arlington, Virginia auf den Markt geworfen und werden nach Sardinien übersiedeln. Beide wollten schon immer ihren Lebensabend in einer sogenannten „Blauen Zone“ verbringen, einer Region, wo die Menschen einen gesunden Lebensstil pflegen und eine längere Lebenserwartung haben. „Wir haben schon eine günstige Immobilie gefunden und werden sie bis zum Frühjahr komplett renoviert haben, die Einreisepapiere sind schon in Vorbereitung“, stellt Ken stolz fest.     

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Europas staatliche Pflichtversicherung lockt

Während Ken und Claire das Glück haben, bald ausgesorgt zu haben, fällt bei Personen, die weniger gut situiert sind, neuerdings ein anderes Argument ins Gewicht: Gerade Personen, die häufig krank sind, klagen darüber, dass Trump sein Versprechen, die Gesundheitskosten zu senken, nicht nur nicht eingelöst hat. Eingetreten sei sogar das Gegenteil. Ein Beispiel ist Amy Williard aus Colorado Springs. Amy war seit 2009 dreimal krebskrank. Während der Corona-Pandemie ging ihre Hausreinigungsfirma pleite. Medicaid, die staatliche Krankenversicherung für ärmere Haushalte, deckte nicht annähernd die Kosten der Behandlung, die sich auf fast eine halbe Million Dollar belaufen hatten. 

Amy stieß auf eine Studie des Staates New York, wonach weltweit 30 Länder „universal healthcare“ haben. Also eine umfassende, staatliche Pflichtversicherung. Damit war die Entscheidung gefallen. Die Unternehmerin brach ihre Zelte in Colorado ab und zog nach St. Gaultier, vier Stunden südlich von Paris. Ihr Visum, das jedes Jahr erneuert werden muss, berechtigt sie, die staatliche Krankenversicherung in Anspruch zu nehmen. „Unfassbar, wie erschwinglich das im Gegensatz zu den USA ist“, staunt Amy. „Ich zahle eine Prämie von umgerechnet 350 Dollar pro Jahr und bei jedem Klinikbesuch 25 Euro“.  

News aus den USA

Die Zahl der US-Bürger, die wegen der Kosten des Arztbesuchs das Land verlassen, geht Expertenschätzungen zufolge in die Zehntausende und könnte sogar über hunderttausend liegen. Einschlägige Sorgen machen sich aber nicht nur Privatbürger. So führte der Verband „Business Group on Health“ Ende August eine Befragung von 121 Unternehmen durch, die insgesamt 11,6 Millionen Mitarbeitern eine Krankenversicherung finanzieren. Das Ergebnis: Die Arbeitgeber erwarten, dass 2026 die Versicherungskosten um weitere neun Prozent und die Arzneimittelpreise um zwölf Prozent steigen werden. „Das können sich nur die wenigsten leisten, und ich mir schon gar nicht“, sagt Amy. „Und in Frankreich lebt es sich verdammt gut, auch mit weniger Geld.“