Am 24. September 1945 erschien die erste Ausgabe der Thüringischen Landeszeitung. Sie begann mit dem Satz: „Zum ersten Mal seit 12 Jahren […] erscheint heute wieder eine demokratische Zeitung für Thüringen.“ Damit wurde die TLZ nicht nur Zeitung, sondern Symbol für Neubeginn, Freiheit und die Rückkehr zu demokratischen Debatten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wer in Thüringen aufwächst, kennt sie: die Heimatzeitung. Sie liegt beim Frühstück auf dem Küchentisch, kommt als E-Paper aufs Tablet oder läuft als Podcast auf dem Weg zur Arbeit. Sie ist Teil des Alltags – vertraut und nahbar. Für mich persönlich war sie immer mehr als nur eine Informationsquelle. Sie war der Ort, an dem sich das große Weltgeschehen mit dem Leben vor Ort traf. Genau darin liegt ihre Kraft: Sie übersetzt, ordnet ein, gibt Orientierung.
Eine Regionalzeitung wie die TLZ ist nicht nur Chronistin der Ereignisse. Sie ist Gesprächspartnerin. Sie bringt Menschen miteinander ins Gespräch – manchmal harmonisch, manchmal streitbar.
Mario Voigt (CDU), Thüringer Ministerpräsident
Eine Regionalzeitung wie die TLZ ist nicht nur Chronistin der Ereignisse. Sie ist Gesprächspartnerin. Sie bringt Menschen miteinander ins Gespräch – manchmal harmonisch, manchmal streitbar. Aber immer konstruktiv. Ihr Motto „Wir schreiben Klartext“ bringt das auf den Punkt: Die TLZ steht für klare Haltung, für gründliche Recherche und für den Mut, auch unbequeme Themen anzusprechen.
Die TLZ gibt Raum für Vielfalt. Sie fragt nach, sie widerspricht, sie fordert Begründungen. Das ist gelebte Meinungsvielfalt: nicht Schlagzeile gegen Schlagzeile, sondern Argument gegen Argument. In Debattenreihen wie „Zur Lage im Land“ kommen Künstlerinnen, Unternehmer, Pfarrer und Wissenschaftlerinnen zu Wort – Menschen, die sonst nicht in der ersten Reihe stehen, die aber zeigen, wo es hakt, wo Hoffnung wächst, wo wir besser werden müssen.
Das unterscheidet eine Regionalzeitung von vielen digitalen Schnellformaten. Hier zählt nicht der schnelle Klick, sondern die gründliche Einordnung. Hier darf ein Text länger sein als drei Absätze. Hier dürfen Leserinnen und Leser in Briefen und Gastbeiträgen Haltung zeigen. Genau diese Tiefe macht den Unterschied: Sie ermöglicht, dass eine Gesellschaft Debatten austrägt, ohne sich zu zerreißen.
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Und doch stehen Regionalzeitungen wie die TLZ heute vor großen Herausforderungen. Auflagen gehen zurück, der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist härter geworden, und digitale Formate verdrängen zunehmend klassische Printprodukte. Dennoch bleibt ihre Rolle unverzichtbar: Sie liefern Orientierung, Tiefe und Nähe – Werte, die in der Schnelllebigkeit digitaler Medien oft verloren gehen.
Und es gibt noch einen anderen Wert, den ich schätze: Nähe. Die TLZ ist nicht anonym. Sie ist da, wo die Menschen sind: bei Stadtfesten, bei Leserforen, bei spontanen Begegnungen, manchmal sogar über Gewinnspiele, die ganz neue Kontakte stiften. Diese Nähe sorgt dafür, dass Politik nicht abstrakt bleibt, sondern ansprechbar wird.
In einer Zeit, in der sich viele von den Medien entfremdet fühlen, ist das besonders wichtig. Die TLZ zeigt, dass Journalismus Brücken bauen kann – zwischen Meinungen, Generationen, Stadt und Land. Der Deutsche Presserat bringt es auf den Punkt: „Es ist die legitime Aufgabe der Presse, im wohlverstandenen Interesse der Demokratie Missstände aufzudecken und darüber zu berichten.“
Ich glaube fest daran: Eine Demokratie braucht solche Orte. Sie braucht Medien, die den Mut haben, auch unbequeme Fragen zu stellen. Sie braucht Redaktionen, die nicht auf Konsens zielen, sondern auf Erkenntnis. Und sie braucht Leserinnen und Leser, die sich auf diese Auseinandersetzung einlassen – auch dann, wenn es unbequem wird.
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Die TLZ leistet das seit acht Jahrzehnten. Sie ist Teil der Thüringer Identität – ein Stück Heimat im Grünen Herzen Deutschlands. Nicht nostalgisch, sondern lebendig, neugierig, kritisch. Ich wünsche mir, dass das so bleibt: dass sie weiterhin Menschen zusammenbringt, Debatten anstößt, Meinungsvielfalt sichert.
Denn nur wenn wir miteinander reden, können wir Lösungen finden, die unser Land voranbringen. Nur wenn wir bereit sind, Unterschiede auszuhalten, können wir den Zusammenhalt stärken. Und nur wenn es Orte gibt, an denen diese Gespräche stattfinden, bleibt unsere Demokratie lebendig.
Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum – und vielen Dank für Ihren Beitrag zu einem starken, vielfältigen, demokratischen Thüringen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass das Grüne Herz Deutschlands auch in Zukunft kraftvoll schlägt.






