Polen, Rumänien und zuletzt Estland: immer wieder drangen in den vergangenen Wochen russische Drohnen und auch Flugzeuge in den Luftraum der Nato ein. Beim letzten Vorfall in Estland drängten schließlich Kampfjets aus Italien, Schweden und Frankreich die russischen Flieger ab – Estland beantragte zudem Konsultationen nach Artikel 4 des Nato-Vertrages.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch wie könnte die Nato auf künftige russische Provokationen reagieren und könnten im Ernstfall sogar russische Flugzeuge abgeschossen werden? Klar ist: Die Nato folgt bei Luftraumverletzungen einem festgelegten und koordinierten Vorgehen, das auf mehreren Stufen basiert.

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Dieses Vorgehen gilt bei Verletzungen des Nato-Luftraums

Am Anfang steht ein Punkt auf dem Radarbildschirm: Der Luftraum der Nato-Staaten wird rund um die Uhr überwacht. Die Früherkennung kann feindliche Jets sogar schon hunderte Kilometer vor der Nato-Grenze erkennen. Dringt ein Flieger tatsächlich in den Luftraum eines Nato-Staats ein, steigt zunächst eine Alarmrotte von Jets er Allianz auf. Ihr Ziel: mit dem Eindringling die Kommunikation aufnehmen.

So kann der Flieger etwa angefunkt und benachrichtigt werden, dass er in den Nato-Luftraum eingedrungen ist und umkehren soll, sagte der Luftwaffenexperten Justin Bronk vom Londoner Royal United Services Institute dem „Spiegel“. Um dies zu unterstreichen, kann der Nato-Pilot mit den Flügeln wackeln. Sollte nicht reagiert werden, kann der Pilot an der Seite des Eindringlings fliegen, um zu zeigen, dass der Jet bewaffnet ist. Auch möglich: Täuschkörper einsetzen oder einen Warnschuss mit der Bordkanone abgeben.

Wann ein Flugzeug abgeschossen werden kann

Sollten alle diese Maßnahmen nicht dazu führen, dass der Eindringling das Nato-Gebiet verlässt, kann die Kommandozentrale den Befehl zum Abschuss des Flugzeugs geben. Sollte der Nato-Jet selbst bedroht oder gar angegriffen werden, darf der Pilot zur Abwehr ohne Befehl das Feuer erwidern.

Im Falle des Vorfalls über Estland hätten die alten russischen MiG-31-Flieger wohl nur wenige Chancen gegen die italienischen F-35 gehabt, die etwa über moderne Sidewinder-Raketen verfügen. Die russischen Piloten hätten sich dann nur über den Schleudersitz retten können. In jedem Fall muss in Friedenszeiten bei jeglichen Maßnahmen gegen Eindringlinge geprüft werden, ob sie verhältnismäßig sind. Ein Flugzeug muss also eine ernsthafte Bedrohung darstellen, damit ein Abschuss legitim ist.

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Bereits einmal schoss ein Nato-Staat ein russisches Flugzeug ab

Einen Präsidenzfall für ein derartiges Vorgehen gibt es jedenfalls schon: Im Jahr 2015 schoss die Türkei einen russischen Su-24-Jet ab, der in den türkischen Luftraum eingedrungen war. Damals unterstützte Russland den früheren syrischen Machthaber Baschar al-Assad mit Luftschlägen, wobei auch mehrmals der türkische Luftraum verletzt wurde. Der Fall führte zu einer kurzzeitigen Verstimmung in den russisch-türkischen Beziehungen – allerdings drang auch Russland daraufhin nicht mehr in den türkischen Luftraum ein.

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Unklar ist allerdings ob Russland beim Abschuss eines Kampfjets in der Nähe seiner eigenen Grenze – etwa im Baltikum oder in Polen – ähnlich reagieren und von weiteren Angriffen ablassen würde.

jst/FMG