Donald Trump wollte unbedingt den Friedensnobelpreis, aber der 79-Jährige hatte es schon selbst geahnt: „Ich verdiene ihn, aber sie werden ihn mir nicht geben.“ Der Friedensnobelpreis werde stattdessen an „irgendeinen Typen“ vergeben, „der verdammt nochmal nichts gemacht hat“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Was ihn selbst anbelangt, sollte der US-Präsident für diese Runde recht behalten. Was den Preisträger betrifft, irrte der Präsident: Das Nobelpreiskomitee in Oslo vergab den weltweit renommiertesten Politik-Preis für dieses Jahr an die mutige Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado aus Venezuela. Sie wird damit, so die offizielle Begründung, „für ihren unermüdlichen Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes und für ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von Diktatur zur Demokratie“ ausgezeichnet.

Friedensnobelpreis: Venezuelanische Oppositionspolitikerin wird ausgezeichnet
Die US-Regierung reagierte verärgert: „Das Nobelkomitee hat bewiesen, dass es Politik über den Frieden stellt“, schrieb der Sprecher des Weißen Hauses, Steven Cheung, auf der Onlineplattform X. Trump mit dem „Herz eines Menschenfreundes“ werde weiterhin Friedensabkommen schließen, Kriege beenden und Leben retten.
President Trump will continue making peace deals, ending wars, and saving lives.
— Steven Cheung (@StevenCheung47) 10. Oktober 2025
He has the heart of a humanitarian, and there will never be anyone like him who can move mountains with the sheer force of his will.
The Nobel Committee proved they place politics over peace. https://t.co/dwCEWjE0GE
Die 58-jährige Machado ist eine der bekanntesten Oppositionspolitikerinnen und ein Symbol für den Widerstand gegen das autoritäre Regime von Präsident Nicolas Maduro, das sie als „mafiöse Militärdiktatur“ bezeichnet. Maduro verhinderte ihre Kandidatur für das Präsidentschaftsamt vor einem Jahr, indem er sie für 15 Jahre für jedes politische Amt sperren ließ, immer wieder ist sie auch Repressalien und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt.
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Wegen anhaltender Drohungen lebt sie inzwischen versteckt, von dort kommentierte sie die Entscheidung des Nobelpreiskomitees so: „Ich stehe unter Schock. Was ist das? Ich kann es nicht glauben.“ Das Komitee selbst erklärte: „Sie erinnert uns daran, dass man Freiheit niemals als garantiert ansehen darf. Man muss sie verteidigen: Mit Worten, mit Courage und mit Entschlossenheit“. Venezuela sei kein Einzelfall: Weltweit gebe es den Trend, Rechtsstaatlichkeit abzuschaffen, freie Medien zum Schweigen zu bringen, Kritiker einzusperren und Gesellschaften autoritärer und militärischer auszurichten.
Friedensnobelpreis: Trump sprach schon im Vorfeld von einer „großen Beleidigung“
Ein Wink auch an den US-Präsidenten? Trump, der sich selbst einen „Präsidenten des Friedens“ nennt, hatte schon im Vorfeld erklärt, wenn er leer ausgehe, sei dies eine „große Beleidigung“ für die USA. Seine Hoffnung, er werde für seine einstweilen erfolgreichen Bemühungen um eine Friedenslösung im Gazakonflikt geehrt, konnte sich gar nicht erfüllen: Das fünfköpfige Nobelkomitee hatte seine Beratungen bereits am Montag abgeschlossen, drei Tage vor der Einigung auf Phase eins des Gaza-Friedensplans. Doch glaubt der US-Präsident, er hätte den mit einer Million Euro dotierten Preis auch ohne seine Nahost-Bemühungen verdient.

Innerhalb von sieben Monaten habe er sieben Kriege beendet, hatte Trump zuletzt vor der UN-Vollversammlung vor gut zwei Wochen erklärt. „Jeder sagt, dass ich den Friedensnobelpreis für jede einzelne dieser Errungenschaften bekommen sollte.“ Trumps Bilanz – er bezieht sich unter anderem auf die ruhenden Konflikte zwischen Pakistan und Indien, Israel und dem Iran oder zwischen Armenien und Aserbeidschan – ist umstritten. Teils ist die Beteiligung des Präsidenten fraglich, teils kann von echter Konfliktlösung nicht die Rede sein.
Trumps Eigenbewerbung setzte Nobelpreiskomitee unter Druck
Allerdings verweist er wohl nicht zu Unrecht darauf, dass der damalige US-Präsident Barack Obama 2009 noch viel weniger vorweisen konnte, als er schon in seinem ersten Amtsjahr den Friedensnobelpreis erhielt – „für seine außergewöhnliche Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“, was schon damals umstritten war und sich als voreilig herausstellen sollte.

Trump war im Dezember noch vor Rückkehr ins Präsidentenamt von einem US-Kongressabgeordneten für den Nobelpreis nominiert worden wegen des Abraham-Abkommens aus seiner ersten Amtszeit, das die Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Staaten normalisieren soll.
Gegen Trump sprach indes, wie er jetzt in neuer Härte die internationale Ordnung, die Zusammenarbeit in Organisationen und auf Basis von Verträgen, in Frage stellt. Seine Androhung, Grönland oder Kanada müssten notfalls mit militärischer Gewalt Teil der USA werden, dürfte das Preiskomitee ebenso berücksichtigt haben wie die Umwidmung des US-Verteidigungsministeriums in ein „Kriegsministerium“ und den Einsatz des US-Militärs in amerikanischen Städten.
Aber Trump hat durchaus Chancen, den Friedensnobelpreis nächstes Jahr zu erhalten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ermunterte den US-Präsidenten in diesem Sinne, sich nach seinen Bemühungen in Nahost nun gemeinsam mit den Europäern auch für ein Ende des Ukraine-Kriegs zu engagieren. Wenn er das hinbekomme, sagte Merz, „dann hat er wirklich große Verdienste“.






