Donald Trumps brachiale Wahl-Einmischung in die Spitzenpersonalie seiner Heimatstadt („Jeder Jude, der für Mamdani stimmt, ein bekannter und bekennender Judenhasser, ist ein dummer Mensch”) verfehlte ihr Ziel. Ein gutes Drittel der jüdischen Wähler in New York, der größten jüdischen Diaspora außerhalb Israels, ignorierte den Zwischenruf des US-Präsidenten. Sie gab dem erklärten Israel-Regierungs-Kritiker und Freund der palästinensischen Sache am Dienstag die Stimme – und trug so zum sensationellen Sieg des Polit-Neulings bei der Bürgermeisterwahl bei. 60 Prozent der Juden in New York zogen den ehemaligen Gouverneur Andrew Cuomo vor.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bis zur Amtseinführung Zohran Mamdanis am 1. Januar ist es noch etwas hin. Das hält prominente Politiker in Israel aber nicht davon, Alarm zu schlagen. So forderte der für Antisemitismus-Bekämpfung zuständige Minister im Kabinett von Benjamin Netanjahu, Amichai Chikli, jüdische New Yorker dazu auf, ernsthaft die Auswanderung nach Israel zu erwägen. Begründung: „Die Stadt, die einst das Symbol der weltweiten Freiheit war, hat ihre Schlüssel einem Hamas-Anhänger übergeben.“ Zohran Mamdani hatte während des gesamten Wahlkampfes den Terror der Hamas gegen Israel verurteilt. Doch seine Kritiker befürchten, dass seine israelkritische Rhetorik die Feindseligkeit gegenüber jüdischen New Yorkern anheizen könnte.

Israel minister of Diaspora Affairs and Social Equality Amichai Chikli attends Europa Viva , political event hosted by S
Der für Diaspora-Fragen und den Kampf gegen Antisemitismus zuständige israelische Minister, Amichai Chikli, hat die jüdischen New Yorker zur Auswanderung nach Israel aufgerufen.© imago/Alterphotos | IMAGO/David Cruz Sanz

Noch drastischer drückte sich der frühere Finanzminister Avigdor Lieberman aus. Er bezeichnete Mamdani als „Aushängeschild des stillen Dschihad“. Juden in New York, die „überleben wollen“, sollten dorthin gehen, „wo sie hingehören – ins Land Israel“.

USA: Mamdanis Wahl hat ein vielschichtiges Echo ausgelöst

Vor Ort, in der 8,5-Millionen-Metropole, in der die jüdische Gemeinde hoch fragmentiert ist und weder politisch noch religiös homogen agiert, verhallt die Panikmache bisher. Mamdanis Wahl hat ein vielschichtiges Echo ausgelöst. Praktische Konsequenzen oder gar Gefahren für jüdisches Leben sind nach Angaben der Behörden unmittelbar nicht zu erkennen.

Die orthodoxen Gemeinden in Borough Park, Midwood, Crown Heights und Teilen von Queens haben mehrheitlich gegen Mamdani gestimmt. Rabbi Eliezer Kramer sagt: „Wir müssen Trump nicht mögen, um zu sehen, dass Mamdani mit Positionen kommt, die in Israel als maximal angreifbar gelesen werden.“

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Gemeint ist unter anderem der Vorwurf Mamdanis an die israelische Regierung, in Gaza einen Genozid an der Zivilbevölkerung begangen zu haben; eine Behauptung, die auch von einer Kommission der Vereinten Nationen und vielen Menschenrechtsgruppen aufgestellt wurde. Der leitende Rabbiner eines großen Brooklyn-Shuls formuliert es so: „Wir kennen zu viele Fälle in der Geschichte, wo weiche Sprache über Israel in harten Realitätskosten für Juden endet.“

Anders agierten große progressive jüdische Stadtviertel in Manhattan, Park Slope, Astoria und der Upper West Side. Sie unterstützten Mamdani überdurchschnittlich hoch. Hannah Wexler, Aktivistin bei „Jews for Racial & Economic Justice“, sagt: „Jüdische Sicherheit entsteht nicht durch Härte-Reflexe, sondern durch Deeskalation, Gerechtigkeit, Sozialpolitik und eine nicht hysterische Sprache über Israel.“

Mayor-Elect Zohran Mamdani Holds News Conference Day After Being Elected Mayor Of New York City
Zohran Mamdani. © Getty Images via AFP | ALEXI J. ROSENFELD

Moshe India und Moshe Hartman, zwei orthodoxe Rabbis, die am Dienstagabend bei der Siegesrede des 34-Jährigen mitfeierten, erklärten, dass sich jüdische Sicherheit in der Stadt nicht über außenpolitische Projektionen entscheide, sondern über Mieten, soziale Stabilität, starke Schulen, psychische Gesundheit und funktionierende Nachbarschaften. Motto: „Wir leben hier. Nicht im Mittleren Osten.“

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Mamdani zentrales Wahlkampfversprechen, New York „erschwinglicher“ zu machen, sei darum relevanter als seine Haltung zur israelischen Regierung. Rabbi Sharon Brous, eine progressive Jüdin mit großer Hörerschaft, bezeichnete Mamdani als „große Chance für Gerechtigkeit ohne Antisemitismus“. Sie wies darauf hin, dass Mamdani in seiner Wahlsieger-Rede die gegen ihn kursierenden Bedenken deutlich aufgriff: „Wir werden ein Rathaus schaffen, das standhaft an der Seite der jüdischen New Yorker steht und im Kampf gegen die Geißel des Antisemitismus nicht wankt.“

Diese Haltung geht maßgeblich auf Brad Lander zurück, der ehemalige oberste Budget-Architekt der Stadt (comptroller) war über Monate als wichtigster jüdischer Berater eng an Mamdanis Seite, was bei vielen jüdischen Politik-Profis wie eine Art Rückversicherung wirkte, dass das Regieren unter Mamdani kein ideologisches Theater wird.

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Jüdische Organisation führt einen „Mamdani-Tracker“ ein – zur Kontrolle

Jonathan Greenblatt, der wortmächtige Kopf der stark pro-israelischen Anti-Defamation League (ADL), will aber auf Nummer sicher gehen. Er wirft Mamdani vor, im Wahlkampf Maßnahmen angekündigt zu haben, „die ein feindseliges Umfeld für die jüdische Gemeinde schaffen könnten”. Die Organisation wird darum ab sofort in einem „Mamdani-Tracker” jeden Politikvorschlag, jede Personalie des künftigen „mayor” darauf abklopfen, ob sie für jüdische Mitbürger abträglich sind. „Wir werden präzise festhalten, ob rhetorische Linien in antisemitische Normalisierung kippen.“

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Dabei hatte Mamdani im Wahlkampf unaufhörlich betont: „Ich bin kein Zionist, und ich möchte auch kein Rathaus oder eine Stadt nach meinem Bild schaffen. Ich möchte nicht, dass jüdische New Yorker glauben, ihre Sicherheit, ihre Zugehörigkeit und ihre Identität als New Yorker hänge davon ab, was sie über den Zionismus denken.“

Robert Tucker, der jüdische Feuerwehr- und Brandschutzkommissar der Stadt, will nicht darauf warten, wie sich Mamdanis Bekenntnis im Alltag auswirkt, konsequent gegen Antisemitismus vorzugehen. Er hat am Tag nach der Wahl seinen vorzeitigen Rücktritt eingereicht.