Im Ukraine-Krieg betreibt US-Präsident Donald Trump eine Achterbahn-Politik. Mal lobt er Kremlchef Wladimir Putin in den höchsten Tönen. Mal schmäht er Russland als „Papiertiger“ und droht mit der Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an die Ukraine. Dann fällt er nach einem Telefonat mit Putin erneut um. Mit dem nun präsentierten 28-Punkte-Plan scheint Trump endgültig das Narrativ Moskaus übernommen zu haben. Woran liegt es, dass er dem Russen immer wieder auf den Leim geht? Versuch einer Erklärung.
Trumps Traum vom XXL-Deal: Milliardenschwere Geschäfte mit Russland
Es wird aktuell eine heftige Debatte darüber geführt, ob zwei dem Kremlchef nahestehende Männer den 28-Punkte-Plan maßgeblich ausgetüftelt haben: Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und der Putin-Vertraute Kirill Dmitrijew können gut miteinander. US-Außenminister Marco Rubio dementiert das, es handele sich um einen amerikanischen Plan.
The peace proposal was authored by the U.S.
— Marco Rubio (@marcorubio) 23. November 2025
It is offered as a strong framework for ongoing negotiations
It is based on input from the Russian side. But it is also based on previous and ongoing input from Ukraine. https://t.co/JWbAQ04kcw
Doch zeichneten Dmitrijew und Witkoff tatsächlich für den Plan verantwortlich, wäre das alles andere als überraschend. Der Amerikaner gilt vielen in Europa als naiver Putin-Versteher. Der Russe ist die diplomatische Geheimwaffe seines Herrn. Er hat an den US-Elite-Universitäten Stanford und Harvard Volkswirtschaft studiert und danach bei den kapitalistischen Nobel-Adressen Goldman Sachs und McKinsey angeheuert. Putin hat den eloquenten 50-Jährigen gezielt auf Trumps Leute angesetzt. Egal ob der gemeinsame Abbau von Seltenen Erden in Russland oder die Ausbeutung von Rohstoffen in der Arktis: Dmitrijew sollte Trump den Traum von der lukrativen wirtschaftlichen Zusammenarbeit der beiden geopolitischen Schwergewichte verkaufen.
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Wenn man das 28-Punkte-Papier durchliest, scheint Putins Plan aufgegangen zu sein. Die Sanktionen gegen Russland sollen aufgehoben, das Land wieder in die Weltwirtschaft integriert und in den G8-Club aufgenommen werden. US-Unternehmen machen beim Wiederaufbau der Ukraine Kasse, die Europäer dürfen zahlen.

Die Instrumente des Ex-Geheimdienstlers: Putins Manipulationstechniken
Putin verfügt über ein reichhaltiges Sortiment an Manipulationstechniken, die er sich in seiner Zeit als KGB-Offizier in Dresden und als Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB angeeignet hat. Tarnen, Täuschen und Nebelkerzen werfen gehören zu seinen Lieblings-Instrumenten. Gelegentlich variiert er dies auch mit chamäleonhaftem Verhalten: Er spiegelt die Position seines Gegenübers, um diesem das Gefühl zu geben, dass beide auf einer Wellenlänge sind. Putin wendet die KGB-Taktik der „reflexiven Kontrolle“ an. Dabei geht es darum, dem Gegner gezielt Informationen zu geben, um ihn dazu zu bringen, eine bestimmte Entscheidung zu treffen – genau die, die man selbst will. Auf diese Weise schaffte es Putin in der Vergangenheit immer wieder, dass Trump sein Narrativ teilt.
Kreml-Sprech: Waffenruhe sagen und Kapitulation der Ukraine meinen
Der russische Präsident übernahm mehrmals Trumps Idee einer Waffenruhe in der Ukraine – nur um diese später mit Maximalbedingungen zu überfrachten. Im Februar und März machte Trump seinen ersten Vorstoß für eine Feuerpause. Der Kremlchef begrüßte die Initiative zunächst, um sie danach an Forderungen zu knüpfen, die eine Kapitulation der Ukraine bedeutet hätten. Über allem steht jedoch ein großes strategisches Ziel, das die Russen Mitte Dezember 2021 in Memoranden an die Nato und die USA formuliert hatten: Die 1999 begonnene Nato-Osterweiterung soll rückgängig gemacht werden, amerikanische Truppen sollen Europa verlassen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der 28-Punkte-Plan erfüllt zwar nicht alle Wünsche Putins, ist aber ein wichtiger Zwischenschritt. Der Verzicht der Ukraine auf die Nato-Mitgliedschaft, die Dezimierung ihrer Armee, das Verbot von Langstreckenwaffen und die Abgabe der Gebiete Luhansk, Donezk und der Krim kommen einer De-facto-Kapitulation gleich. Das Kalkül des Kremlchefs reicht aber noch weiter: Er baut darauf, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Diktatfrieden politisch nicht überleben würde. Innenpolitische Turbulenzen vergrößern die Chancen, dass russlandfreundliche Akteure in Kiew das Sagen haben.

Schmeicheleinheiten für den Egomanen in Washington
Auch die Kunst des Schmeichelns hat der Russe zur Meisterschaft entwickelt. So gratulierte er Trump überschwänglich zu dessen Friedensplan für Gaza. Man mag dies für banal halten. Doch wenn die Mächtigen dieser Welt einen persönlichen Draht zu Trump suchen, erzielt dies Wirkung, selbst wenn dies nur taktische Gründe hat. Putin hat es immer vermieden, Trump zu kritisieren, ihn vielmehr als „klug“, „talentiert“ und „angenehmen Gesprächspartner“ gepriesen.
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Die Allianz der Autokraten
Der russische Präsident spielt bewusst mit der Illusion, dass weltpolitische Konflikte durch eine Allianz der starken Männer gelöst werden könnten. Das imponiert dem ehemaligen New Yorker Immobilien-Tycoon Trump, der Sympathien für die Idee von Hinterzimmer-Deals hat. Das Völkerrecht und internationale Verträge sind für ihn nur störende Kulisse.
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Der US-Präsident hat Selenskyj eine Frist gesetzt, bis Donnerstag dem 28-Punkte-Plan zuzustimmen. Die große Frage ist: Gibt es noch Spielraum für die Europäer und die Ukrainer, schmerzhafte Punkte in dem Papier zumindest zu entschärfen? Immerhin verneinte Trump die Frage, ob dies sein „endgültiges Angebot an die Ukraine“ sei. Warnungen vor einem schnellen Deal mit Moskau gab es genug. „Die Frage ist, ob und wann Trump verstehen wird, dass er auf Putin Druck ausüben muss, um die gewünschten Ergebnisse zu bekommen. Putin spielt immer wieder mit ihm“, sagte Daniel Fried, ehemaliger US-Botschafter in Polen und unter Präsident George W. Bush Europa-Chef im Weißen Haus. Nichts deutet darauf hin, dass Trump die Strategie des Russen durchschaut.












