Es war im Sommer 2016 ein Schock: Ein Mitgliedschaftsreferendum entschied darüber, dass das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlässt. 51,89 Prozent der Teilnehmer stimmten für den Brexit. Ein Mann, der damals eine Schlüsselrolle spielte, ist der rechtspopulistische Politiker Nigel Farage (61), der heute der Anführer der Partei Reform UK ist. Sie wendet sich gegen Einwanderung, lehnt Maßnahmen gegen den Klimawandel ab und vertritt in Teilen anti-westliche und pro-russische Positionen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im „Guardian“ erhebt jetzt Peter Ettedgui schwere Vorwürfe gegenüber Farage. Der Filmproduzent und -regisseur („McQueen“, „Super/Man: The Christopher Reeve Story“) war am Dulwich College im Süden Londons mit dem Politiker in einer Klasse. Dabei soll sich Farage an ihn herangeschlichen und gesagt haben: „Hitler hatte recht“ oder „Vergasen Sie sie“. Ettedgui, damals 13 Jahre alt beschreibt die Episode als plötzliches und unerklärliches Eindringen von Antisemitismus in sein Leben.

Nigel Farage bestreitet sämtliche Anschuldigungen

Der „Guardian“ hatte in den vergangenen Wochen nicht nur den Bericht von Ettedgui erhalten, sondern auch Vorwürfe von mehr als einem Dutzend weiterer Schulkameraden Farages. Auch diese berichten der Zeitung von beleidigendem Verhalten während der Teenagerjahre des Politikers.

Laut dem Blatt ist das aber nicht das ganze Bild. Andere, die Farage damals kannten, erinnern sich, dass er aufdringlich, unhöflich und provokativ war. Er soll es genossen haben, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, aber sie erinnern sich nicht an das von Ettedgui beschriebene Verhalten.

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Wie reagiert Farage auf die Anschuldigungen? In Schreiben seiner Anwälte an den „Guardian“ bestritt er ausdrücklich, als Teenager jemals rassistische oder antisemitische Äußerungen getätigt zu haben. Zudem soll der Politiker auch infrage gestellt haben, ob es im öffentlichen Interesse liege, Vorwürfe zu verbreiten, die mehr als 40 Jahre zurückliegen.

Nigel Farage hat Chancen, nächster Premierminister zu werden

Peter Ettedgui beschäftigen die Worte von damals bis heute. Dem „Guardian“ erzählt er, dass er nicht das Gefühl gehabt habe, mit seiner Familie oder seinen Lehrern darüber sprechen zu können. „Also habe ich diese ganze Erfahrung einfach verdrängt und mein Leben weitergelebt. Viele Jahre später schickte mir ein Freund einen Link zu einem Video, in dem Farage EU-Kommissare beschimpfte. Als ich diesen aggressiven, tyrannischen Tonfall wieder hörte, lief mir ein Schauer über den Rücken.“

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Nigel Farage setzt in Großbritannien seit Monaten die Regierung von Premierminister Keir Starmer (63/Labour Party) unter Druck. Die Farage-Partei führt in Umfragen teils deutlich und hätte gute Chancen, die Regierung zu stellen, wenn heute gewählt werden würde. Die nächste Parlamentswahl ist planmäßig 2029. 

Farages Lieblingsthema ist die irreguläre Migration. Bei der Vorstellung eines eigenen Plans zur Verschärfung der Gesetze hatte er Mitte November Abschiebungen im großen Stil angekündigt. Reizthema in der Debatte ist die Einwanderung auf kleinen Booten über den Ärmelkanal. Farage spielt dabei mit der Angst in Teilen der Bevölkerung vor männlichen, irregulär eingereisten Ausländern, die angeblich eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen würden. Die Labour-Regierung hat es trotz Abkommen mit Frankreich und der Europäischen Union bisher nicht geschafft, den Zustrom über den Kanal zu verringern.

dw/dpa