Sonntagabend, Markus Söder sitzt bei Caren Miosga, die Sendung läuft schon seit 14 Minuten. Da sagt Söder einen Satz, den mancher als Drohung verstehen könnte: „Ich arbeite, solange es geht, da kann sich jeder schon mal drauf einstellen.“ Nach weiteren vier Minuten fällt ein zweiter Satz, der es in sich hat: „So lange ich arbeiten und denken kann, bin ich nicht bereit, den Radikalen unser Land zu überlassen.“ Die beiden Sätze beschreiben ziemlich genau Söders politisches Programm im Winter 2025: Söder hat noch viel vor. Und: Söder nimmt den Kampf gegen die AfD persönlich. Der Mann, der mit viel Jux und Gaudi die Sozialen Medien bespielt, meint es in diesem Punkt sehr ernst.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Am Freitag kommt die CSU in München zu ihrem zweitägigen Parteitag zusammen. Söder stellt sich zur Wiederwahl. Es ist eine Formsache, der Parteichef und bayrische Ministerpräsident kann mit einem ordentlichen Ergebnis rechnen. Die echte Prüfung kommt erst im März. Dann sind in Bayern Kommunalwahlen und es muss sich zeigen, ob die Methode Söder aufgeht.

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Söder-Solidarität und Fehlerkultur
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Die CSU hat zuletzt in den landesweiten Umfragen verloren, sie landet nach einem Hoch im vergangenen Jahr inzwischen wieder klar unter 40 Prozent. Die AfD dagegen ist im Herbst 2025 auf einem bayrischen Allzeithoch angekommen: Nach jüngsten Umfragen liegen die extrem Rechten bei 19 Prozent.

In der CSU beobachten sie den Trend mit maximaler Sorge. Lange Zeit glaubten die Parteistrategen, dass es reichen würde, bei Wahlen möglichst viele Nichtwähler für die demokratische Mitte zu mobilisieren, um so die AfD klein zu halten. Doch die Rechnung ging nicht auf, die Nichtwähler wurden zum Teil zwar mobilisiert – doch die AfD wuchs weiter. Söder und die CSU gehen jetzt einen anderen Weg.

Söder: „Eine andere Lage erfordert eine andere Methodik“

Söder ist gut darin, seine Strategie immer wieder der Lage anzupassen. Die Grünen umarmen, die Grünen verteufeln, zum Beispiel. Fans finden das schlau. Kritiker werfen ihm geradezu steinzeitlichen Egoismus vor. Alles wird dem eigenen politischen Erfolg untergeordnet. Beim Kampf gegen die AfD, so scheint es, entdeckt Söder gerade eine neue Seite an sich: Es geht ihm um etwas, das größer ist als er selbst. „Ich spüre, dass unser Land in einer anderen Lage ist, und eine andere Lage erfordert eine andere Verantwortung und eine Methodik und einen anderen Umgang.“

Was er damit meint? „Die AfD ist ein No Go für die CSU und wird ein No Go bleiben“, stellt Generalsekretär Martin Huber auf Nachfrage dieser Redaktion klar. „Wir müssen uns aber auch sehr genau ansehen: Wer wählt die AfD und warum? Aus welchen Gruppen kommen die Wähler und welche Sorgen und Ängste haben sie, wenn es zum Beispiel um ihre eigene berufliche oder ökonomische Zukunft geht?“ Klare Abgrenzung zur Partei – aber fürsorgliche Hinwendung zu deren Wählern: das ist der Kern der Methode Söder.

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Söder-Solidarität und Fehlerkultur
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Union und AfD: War die Asylabstimmung mit AfD-Stimmen ein Fehler? „Ja“, sagt Söder

Aber ist das wirklich neu? Söder läuft seit Langem durchs Land und warnt vor einem zweiten Weimar, nennt die Merz-Regierung „die letzte Patrone der Demokratie“, schlägt die Alarmglocke, wo immer er kann. Selbstkritik aber war bislang nicht Teil seiner Strategie. Das ändert sich gerade. Auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, dass die Union am 29. Januar im Bundestag die Stimmen der AfD in Kauf nahm, um die Asylpolitik zu verschärfen, sagt Söder heute: „Ja.“ Es sei eine Entscheidung des Kanzlerkandidaten Friedrich Merz gewesen, aber alle hätten sie mitgetragen.

Der Grund für seinen Sinneswandel: Es habe die linke Seite sehr mobilisiert, „und unsere eigene Seite sehr gespalten“. Viele Bürgerliche seien nicht sicher gewesen, ob die Aktion im Bundestag richtig sei. Spätestens, als der parlamentarische Geschäftsführer der AfD „zähnefletschend, geifernd noch mal hingegangen ist und von einer neuen Zeit gesprochen hat, spätestens da war jedem klar, dass man möglicherweise der AfD eine Chance gegeben hat, die man so nicht geben wollte“. Auch Merz sehe das heute „ein bisschen differenzierter“.

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Söder: Eine Minderheitsregierung ist eine „Quatschidee“

Auf die Frage nach der Brandmauer ist Söder ebenfalls deutlich klarer als viele in der Schwesterpartei: keine Zusammenarbeit, nirgends. Wenn die AfD bei einem CDU-Antrag mitstimmt, soll sie das tun, findet der CSU-Mann. Aber es dürfe keine Abstimmung geben, die nur mit Stimmen der AfD ins Ziel geht. „Immer mit der eigenen Mehrheit“ ist sein Credo. Es ist eine Ansage an alle in der Union, die mit der Idee liebäugeln, die Rechten als Mehrheitsbeschaffer in Kommunen, Ländern und eines Tages auch im Bund zu nutzen. Und auch an alle, die das bereits in Einzelfällen praktizieren.

Söders Warnung ist deutlich: Eine Minderheitsregierung der Union sei „eine Quatschidee“. Viele glaubten, dass es dann mehr Posten gebe und „die Schmuddelkinder von der AfD“ die Mehrheit besorgten. Aber: Jede Kooperation führe am Ende nur dazu, dass die Union sich zerreiße und zum Steigbügelhalter der Rechten werde.

Söders Strategie: Pendlerpauschale erhöhen, Verbrenner-Aus aufweichen

Die harte Abgrenzung gegen die AfD als politischer Gegenspieler – das ist das eine. Das andere sind deren Wählerinnen und Wähler. „Ich muss schauen, dass ich die Menschen mitnehme“, sagt Söder. Beispiel Klimapolitik. Man könne ja versuchen, die Welt im Alleingang zu retten. „Das Ergebnis ist dann aber 2035, dass wir das Weltklima zwar nicht gerettet haben, aber unsere Wirtschaft und unsere Demokratie ruiniert haben.“ Mit anderen Worten: Wer dem Land zu viel Klimaschutz zumutet, treibt die Leute zur AfD.

Das kann man auch anders sehen – doch Söder sucht sein Heil mal wieder in der politischen Umarmung: Die Leute wollen gerade von Klimaschutz nichts hören, weil sie damit nur Kosten und Einschränkungen verbinden? Dann muss man das ernst nehmen, glaubt Söder. Seine Antwort: die Pendlerpauschale erhöhen, das Verbrenner-Aus aufweichen, den Agrardiesel wieder billiger machen. Zumal auf dem Land, zumal im Autoland Bayern, zumal vor der Kommunalwahl.

Sein Generalsekretär hat das Argument inzwischen zur Leitlinie erklärt: „Unsere Strategie im Kampf gegen Extremisten heißt gutes Regieren und das Lösen von Problemen“, sagt Huber. Der Richtungswechsel in der Migrationspolitik gehört für die CSU dazu – doch die Umfragen zeigen, dass mit härteren Asylregeln allein nicht viel gewonnen ist. Huber stellt den Fokus weiter: „Wir orientieren uns an der Lebenswirklichkeit der Menschen.“

Zur Lebenswirklichkeit gehören aus Söders Sicht aber nicht nur Politiker, die sich spürbar um Alltagsprobleme kümmern, sondern auch Politiker, mit denen sich die Leute wohlfühlen. Ex-Grünenchefin Ricarda Lang, die nicht im Verdacht steht, ein Söder-Fan zu sein, zieht den Hut: „Ich spare ja nicht mit Kritik an dem Mann“, sagt Lang, aber Söder habe als einer von wenigen deutschen Politikern verstanden, dass Leute auch unterhalten werden wollten. „Und das macht er auf eine faszinierende Art und Weise und mit einem Humor, den ich teilweise eigenartig finde und manchmal auch ein bisschen verstörend, aber erfolgreich.“

Die Methode Söder im Kampf gegen die AfD ist ein Dreiklang. Die Partei hart ausgrenzen, ihre Wähler umarmen und die Leute bei Laune halten. In drei Worten: Brandmauer, Brot und Spiele.