In Berlin ist er die Nummer vier. Nicht die Nummer eins. Im Kanzleramt, bei den Koalitionsrunden von Union und SPD, muss CSU-Chef Markus Söder im Quartett mit Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Bärbel Bas spielen. Am Freitag in München ist er wieder ganz Schlagzeuger in eigener Sache: Beim Parteitag der CSU, drei Monate vor der wichtigen Kommunalwahl in Bayern, haut Söder gewaltig auf die Pauke.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Söder beginnt mit dem üblichen XXL-Selbstlob: „Wir haben alles durchgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“ In Berlin, in der Koalition. „Wir haben geliefert als CSU.“ Söders ökonomisches Fazit ist genauso krachledern: „Wir könnten ohne Deutschland, aber Deutschland könnte ohne Bayern nicht.“ Gleichzeitig gibt Söder den großen Mahner: Rezession, Krieg in Europa, Extreme auf dem Vormarsch. Keine Söder-Rede mehr ohne Verweis auf 1933, auf die „Zange von Weimar“, auf das Erstarken von Rechts und Links. Söder stellt zudem klar: „Wir sind die Schutzmacht jüdischen Lebens.“ Die CSU stehe zu Israel. Auch beim ESC.
Söder zum Stadtbild: „Friedrich Merz hat Recht“
Heftigen Applaus bekommt Söder, als er die Stadtbild-Debatte anspricht: „Ich finde, Friedrich Merz hat Recht.“ Die Kritik am Kanzler sei Wortklauberei. Es gebe wachsende Probleme durch Migration in den Städten. Wer diese Wahrheit leugne, fördere die Radikalen. Söder verspricht weitere Rückführungen und verschärfte Abschiebungen. Die Halle jubelt. Als sich Söder später für die erweiterte Mütterrente lobt, ist das Klatschen dagegen nur noch höflich. Die Delegierten wissen, dass die Milliarden für die Mütterrente an anderer Stelle fehlen werden.
Für Söder und CSU ist die Kommunalwahl am 8. Mai ein wichtiger Stimmungstest. Die CSU ist zwar nach wie vor die prägende Kraft in Bayern. Doch die Sorge ist groß, dass mit der AfD ein starker Konkurrent heranwächst: Vor fünf Jahren spielten die extrem Rechten noch kaum eine Rolle, jetzt könnte sie flächendeckend in die Gemeinde- und Stadträte einziehen. Die jüngste landesweite Umfrage sieht die CSU bei 40 Prozent, die AfD bei 19 Prozent.
Auch interessant
Söder sitzt die AfD im Nacken. „Ergeben tun wir uns nicht“, ruft er den Delegierten zu. Und er mahnt: Die AfD-Funktionäre radikalisierten sich „jede Woche weiter“. Seine harte Abgrenzung gegen die Partei ist immer auch eine Ansage an die eigenen Leute, von denen mancher versucht sein könnte, auf kommunaler Ebene mit Kooperationen zu liebäugeln. Söder warnt: „Wir dürfen kein Helferlein sein.“
Söder: Das Social-Media-Leben des Parteichefs ist umstritten
Söder kann sich klare Ansagen leisten – die CSU steht in weiten Teilen hinter ihm. Doch gerade das, was Robert Habeck mal das „fetischhafte Wurstgefresse“ nannte, die Dauerpräsenz des CSU-Chefs in den Sozialen Medien, seine One-Man-Show, schätzen nicht alle. Die echten Söder-Fans dagegen feiern ihren obersten Politik-Influencer: Die CSU erreiche auf diese Weise Leute, die mit herkömmlicher Parteiarbeit auf Marktplätzen und in Stadthallen eben nicht mehr erreichbar seien.

Mit Spannung erwartet wurde am Abend das Wahlergebnis des Parteichefs: Bei seinem Amtsantritt Anfang 2019 hatte Söder 87,4 Prozent der Stimmen erhalten - vor der Landtagswahl 2023 erzielte er mit 96,56 Prozent sein bisher bestes Ergebnis. Diesmal landete Söder bei 83,6 Prozent. Es ist sein bislang schlechtetes Ergebnis. Es zeigt: Das XXL-Lob teilen nicht alle.




![Markus SOEDER (Ministerpraesident Bayern und CSU Vorsitzender),Gestik, Einzelbild,angeschnittenes Einzelmotiv,Portraet,Portrait,Portr??t. Pressekonferenz der CSU zur Klausurtagung des Parteivorstands in der CSU Landesleitung in Muenchen am 21.11.2025 Pressekonferenz [press conference] der CSU zur Klausurtagung des Parteivorstands](https://img.sparknews.funkemedien.de/410681484/410681484_1765534499_v16_9_1200.jpeg)

