„Unser Land ist nicht im Krieg“, sagt Alexander Dobrindt. „Aber wir sind Ziel einer hybriden Kriegsführung – und das fast täglich.“ Der Bundesinnenminister steht vor einem neuen Logo. Es zeigt eine Drohne im Fadenkreuz. Dahinter ein Wappen, ein Schwert und die deutschen Farben. Es ist das Logo des neuen Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums von Bund und Ländern, dem „GDAZ“, das Dobrindt an diesem Tag in Berlin eröffnet.
Die Vorfälle mit Drohnen hätten in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. „Es ist kein Zufall, dass wir Drohnensichtungen erleben, sondern dahinter stehen Strategien. Strategien von fremden Mächten für Spionage, für Sabotage, für Desinformationen, vielleicht auch für Terror.“
Für den CSU-Politiker ist das neue Abwehrzentrum ein „Meilenstein“ für die Sicherheit in Deutschland. Der Öffentlichkeit werde damit das Zeichen geben, „dass wir etwas entgegenzusetzen haben“ gegen die hybride Bedrohung durch Drohnen. Nur wie stark ist das GDAZ?
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Bund und Länder, aber auch Bundespolizei und Bundeswehr sollen sich hier in Berlin vernetzen. Ein „Lagebild in Echtzeit“ soll entstehen, Drohnenbewegungen aufzeichnen. Denn bisher überwachen Behörden den Flugraum über Deutschland, aber nicht den „unteren Luftraum“. Dort, wo Drohnen fliegen.
Deutschlands Sicherheitsbehörden kämpfen eine Abwehrschlacht gegen Drohnenangriffe. In kaum einem anderen Thema steckte 2025 so viel Dynamik. Vor Wochen lag der Münchner Flughafen lahm. Drohnen wurden über Kasernen und Unternehmen gesichtet, im Oktober überflogen vier Drohnen einen Bundeswehr-Standort in Mecklenburg-Vorpommern. Allein in Niedersachsen, ein Bundesland mit vielen Kasernen, aber auch Rüstungsunternehmen, registrierte die Polizei bis Anfang Dezember 384 Drohnenüberflüge und „Vorkommnisse mit auffälligen Positionslichtern“. In nur einem Jahr hat sich die Anzahl nahezu verdreifacht, wie das Innenministerium auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt.
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Das BKA zählt knapp 150 Fälle von Sabotage im ersten Halbjahr dieses Jahres
Eingebettet sind die Drohnenflüge nach Kenntnis der deutschen Nachrichtendienste in einen hybriden Krieg, den Russland gegen europäische Staaten führe. Das Bundeskriminalamt zählt nach Informationen unserer Redaktion knapp 150 Fälle von Sabotage im ersten Halbjahr dieses Jahres – darunter Brandanschläge, Spionagevorwürfe, sogar das Getriebe einer Korvette der Bundeswehr sei mit Metallspänen manipuliert worden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das Problem: Selten – oder eigentlich nie – erwischen Polizisten die Drohnenpiloten. Wo die Geräte herkommen, wer sie steuert, all das bleibt unklar. Anders formuliert: Dass der russische Staat hinter den Überflügen steckt, dafür gibt es einige Indizien, etwa die Ziele, die offenbar ausgespäht werden, auch die Größe mancher Drohnen, die kaum privat finanziert sein können. Es gibt aber wenig Beweise. Und genau das ist, so sagen es Nachrichtendienstler, auch Teil der Taktik im Kreml: Sie nutzen moderne Technik mit großen Reichweiten, um Spuren zu verwischen.
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Das ist ein Problem für die deutsche Drohnenoffensive: Die Technik entwickelt sich rasant – und auch während dieses Jahres sind wieder neue Drohnenmodelle auf den Markt gekommen, mit neuen automatisierten Funktionen, mit besseren Kameras. „Wenn wir uns auf Drohnentypen im Dienst einstellen, sind schon wieder neue produziert“, sagt ein Beamter einer Behörde. Eine Schlacht, die Deutschland nur verlieren kann?

Minister Dobrindt will ein anderes Signal setzen: Deutschland wehrt sich. Nicht nur das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum ist nun eröffnet. Vor wenigen Wochen nahm die Anti-Drohnen-Spezialeinheit der Bundespolizei ihre Arbeit auf, der bald 130 Beamte angehören sollen. Auf der Innenministerkonferenz Anfang Dezember sprach der CSU-Politiker von 30 Millionen Euro, die er in Technik investiere.
Soldaten arbeiten mit tragbaren Detektionsgeräten und Systemen, um Drohnen zu erkennen
Auch die Bundeswehr baut das „Cyber-Kommando“ und die Luftwaffe aus. Die Truppe hat seit Sommer eine Einheit, die sich „Schnelle Reaktionselemente“ nennt, die Soldaten arbeiten mit tragbaren Detektionsgeräten und Systemen, um Drohnen zu erkennen und ihre Signale zu stören, das sogenannte „Jamming“. Die Einheit will mit dieser Technik Drohnen zur Landung zwingen oder die Steuerung übernehmen.
Die Bundesregierung erneuert gerade das Luftsicherheitsgesetz. Unter engen Grenzen darf die Bundeswehr Drohnen im Inland abschießen, wenn die Polizei überfordert ist. Das gilt gerade bei Drohnenschwärmen – oder militärischen Drohnen mit einer Spannweite von mehreren Metern.

Die einen sagen nun: Endlich bewegt sich was. Dobrindt nehme Geld in die Hand, setze auch – aber nicht nur – Symbole zur Stärkung der Drohnenabwehr. „Die Bundesregierung signalisiert mit dem Abwehrzentrum feindlichen Akteuren, dass sie das Thema ernst nimmt – und dass wir uns wehren“, sagt Bundeswehr-Oberst Sönke Marahrens, Senior Fellow am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK), im Gespräch mit unserer Redaktion.
Ein Abwehrzentrum und ein Lagebild, eine Polizei-Spezialeinheit und ein Bundeswehr-Kommando – all das sei richtig, sagt Marahrens. „Es sind aber weite Kräfte erforderlich. Aber auch zivile Akteure wie große Chemiefirmen müssen sich für die Bedrohung durch Drohnen aufstellen.“ Es ist eine Botschaft, die auch Polizei und Bundeswehr senden: Unternehmen müssen selbst Verantwortung übernehmen, in Technik investieren, um ihre Liegenschaften zu schützen. Man solle sich nicht auf den Staat verlassen, macht Generalinspekteur Carsten Breuer deutlich.
Und so gibt es nicht nur Lob. Sondern auch Kritik und Sorge. Nicht hoch genug seien die Investitionen des Staates in die Drohnenabwehr. Die Verantwortlichkeit zwischen Bundespolizei, Bundeswehr und Polizeidienststellen vor Ort noch immer zu vage.
Bis die Spezialeinheit angereist ist, sind die Flugobjekte längst weg
Provokant gesprochen: Was sollen ein paar Dutzend Bundespolizisten am Standort Berlin ausrichten, wenn in Kiel oder München plötzlich Drohnen über Kasernen oder dem Flughafen in die Luft steigen? Bis die Spezialeinheit angereist ist, sind die Flugobjekte längst weg. Oder haben alle Bilder, die sie brauchen.
Beim neuen Lagezentrum in Berlin beginnt die Arbeit erst so richtig im neuen Jahr. Die Bundeswehr will einen Verbindungsoffizier entsenden. Ob und wann alle Bundesländer eigene Beamte vor Ort im GDAZ einbringen, ist unklar. Langfristig soll im Zentrum ein 24-Stunden-Betrieb gesichert sein, anfangs scheint das unrealistisch.
Deutlich wird: Einzelne Bundesländer wollen sich nicht nur auf die Regierung in Berlin verlassen. In Norddeutschland haben sich die Länder zu einem „Kompetenzcluster Drohnenabwehr“ zusammengeschlossen, in dem sich Bundespolizei und Bundeswehr anschließen sollen. Bayern baut Ähnliches am Standort Erding auf.
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Manche Innenbehörden der Länder fordern im Gespräch unter vier Augen mehr Führung durch den Bund: bei der Entwicklung neuer Technik, bei der Beschaffung von Drohnen, aber auch bei der Schulung von Personal wie etwa Piloten. Gleichzeitig aber sind die Länder gefragt, müssen ihre Polizeigesetze ändern, um Beamten den Abschluss von Drohnen möglich zu machen. Denn: Polizei ist Ländersache.
Und auch bei der Technik stößt die Politik an Grenzen: Denn derzeit könnten Firmen in Deutschland nicht alle wichtigen Bauteile von Drohnen liefern, erklärt Dobrindt auf der Konferenz mit seinen Amtskollegen in Bremen. Deshalb importiere Deutschland Komponenten aus Israel oder den USA.
So ist es wie so oft in der deutschen Sicherheitspolitik: Es passiert etwas – nach langem Zögern und Debatten. Geld ist da, aber eben doch nicht massenhaft. Personal kommt, aber bisher nicht ausreichend. Bund und Länder arbeiten zusammen, ringen aber doch weiter um Finanzierung und Kompetenzen. Gesetze sind reformiert, und doch bleiben nicht nur verfassungsrechtliche Fragen, sondern auch praktische Lücken: Wer darf wann welche Drohne abschießen?







