„Wie ein Brett“ sei der deutsche Arbeitsmarkt, beklagt Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles. Es komme kein Schwung rein. Vor allem junge Menschen und Arbeitslose finden keine Jobs. Wir treten auf der Stelle, und dafür gibt es mehrere Gründe.

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Erstens: Deutschland ist ein Hochlohnland. Die internationale Konkurrenz ist groß. Unternehmen, die es können, beschäftigen etwa IT-Entwickler in Indien, die für ihre Tätigkeit nicht umziehen müssen. Callcenter-Mitarbeiter telefonieren aus dem Niedriglohnausland. Gerade einfache Aufgaben am Computer, mit denen früher Auszubildende und Berufsanfänger betraut wurden, übernimmt heute zunehmend die KI.

Deutschland kommt an der unbequemen Frage nicht vorbei, ob es sich einen immer weiter steigenden Mindestlohn noch leisten kann. Unbequem ist allerdings auch die Tatsache, dass es den steigenden Mindestlohn – und oftmals deutlich mehr – in vielen Städten und Regionen braucht, damit sich die Menschen überhaupt eine Wohnung leisten können. Dieses Dilemma zu entschärfen, ist dringend Aufgabe der Politik.

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Madeleine Janssen ist Auslandschefin in der FUNKE Zentralredaktion.© privat | Privat

Deutschland leistet sich Projekte, die nicht in die Zukunft gerichtet sind

Zweitens, und vielleicht noch wichtiger, weil tiefgreifender: Wir stehen vor strukturellen Herausforderungen. Ein Land, das Forschung und Entwicklung fördert (und dafür verstärkt private Kooperationen zulässt), unterstützt damit auch Arbeitsplätze. Das ist nötig, um Deutschland als attraktiven Standort für das produzierende Gewerbe zu erhalten. Denn das bleiben wir nur, wenn wir Dinge erschaffen, die andere noch nicht (in derselben Qualität) können – unser Vorsprung durch Technik ist endlich, siehe das E-Auto-Angebot aus China.

Aber schon die Grundschulen sind gefragt: Viertklässler müssen mit Computern und Software umgehen lernen. Wer das als Schulleiterin als „nice to have“ abtut, hat die Voraussetzungen für die Zukunft nicht verstanden. Gleichzeitig muss die Politik endlich die richtigen Akzente setzen: Deutschland bleibt bei den Ausgaben für Bildung regelmäßig hinter anderen Industriestaaten zurück. Hier weiterhin Schlusslicht zu sein, dürfen wir uns nicht mehr leisten – zumal offenbar für Lieblingsprojekte wie die Absenkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie, die Erhöhung der Pendlerpauschale und die Mütterrente Geld da ist.