Für die einen ist Kronprinz Reza Pahlavi der beste Hoffnungsträger, auf den die Menschen im Iran derzeit setzen können. Für die anderen ist der Sohn des 1979 gestürzten Schahs ein Relikt aus vergangenen Zeiten, ein Monarchist, zumal ohne echten Einfluss im Iran. Fest steht jedoch: Viele Menschen hören ihm zu. Aus dem Exil in Maryland (USA) wendet er sich seit mehreren Wochen ausdauernd an die Protestierenden im Iran. Er spricht ihnen zu. Er ermutigt sie, weiter auf die Straßen zu gehen. Er spekuliert auf das Ende der Islamischen Republik unter Führung der Mullahs.
Doch wie realistisch ist das? Und was könnte danach kommen?
Die Macht der Mullahs bröckelt. Die Angst vor dem Regime lässt sichtbarer nach als in all den vergangenen Jahren. Wann immer zuletzt kleine Flammen des Protests aufgeschienen waren, etwa 2022 im Fall der getöteten jungen Frau Mahsa Amini, traten die Sittenwächter der Mullahs sie schnell wieder aus. Sie handelten aus einer Position der Stärke heraus – international unterstützt von Russland, Venezuela, der Hisbollah im Libanon, der Hamas im Gazastreifen und der Huthi-Miliz im Jemen.

Diese Akteure sind seither jedoch massiv geschwächt worden. Israel ist wild entschlossen, unter dem Schutzschirm der USA die Huthi, die Hamas und die Hisbollah kampfunfähig zu machen. Die USA haben Venezuela mit der Entmachtung Nicolas Maduros einen empfindlichen Schlag versetzt und mehrmals deutlich gemacht, dass sie die Kontrolle des Landes für sich beanspruchen. In der Nacht zu Montag postete US-Präsident Donald Trump etwa ein KI-generiertes Foto von sich in den sozialen Netzwerken, auf dem er sich als amtierender Präsident Venezuelas bezeichnete.
Iran: Kann der Schah-Sohn sich an die Spitze der Demonstranten setzen?
Für die iranischen Mullahs, deren Feindbild Nummer 1 Israel und mindestens gleich dahinter die Vereinigten Staaten sind, ist das eine schlechte Nachricht. Immerhin hatten sie mit dem lateinamerikanischen Land einen wichtigen Wirtschaftspartner. 2023 lag das Handelsvolumen bei etwa drei Milliarden US-Dollar. Und schließlich haben die koordinierten Militärschläge Israels und der USA auf iranische Atomanlagen im Sommer 2025 die Islamische Republik zurückgeworfen – moralisch und zumindest teilweise auch bei der mutmaßlichen Entwicklung der Atombombe, auch wenn die Schäden an den Anlagen laut US-Geheimdiensten wohl nicht so gravierend ausfielen, wie Trump zunächst glauben machen wollte.
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Der Iran ist also geschwächt. Wut über die Korruption und massiv gestiegene Preise für Lebensmittel (die Inflation liegt seit Langem bei mehr als 40 Prozent) führten zu der großen Protestwelle, die inzwischen seit mehr als zwei Wochen anhält. Könnte der Sohn des letzten Schahs sich an die Spitze der Demonstranten setzen, sie einen und letztlich in den Iran zurückkehren?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Reza Pahlavi ist heute 65 Jahre alt. Er ist der einzige noch lebende Sohn des Monarchen Mohammad Reza Pahlavi. Um die Geschichte der Familie zu verstehen, braucht es eine kurze Rückblende.

Pahlavis Vater, Mohammed Reza Pahlavi, bestieg 1941 den iranischen Thron. Die USA halfen ihm dabei, ein autoritäres Regime zu errichten und die Opposition zu unterdrücken. Sie unterstützten ihn massiv mit Waffen. Pahlavi krönte sich 1967 zum Schahanschah, dem „König der Könige“. Er machte die Säkularisierung von Justiz und Bildungssystem, die sein Vater durchgesetzt hatte, rückgängig und holte wichtige islamische Vertreter zurück ins Land. Teile von ihnen werden später als kommunistische Verschwörer geschmäht, darunter der Geistliche und spätere Revolutionsführer Ajatollah Chomeini.
1979 schließlich protestiert die Bevölkerung gegen den Schah. Er verlässt mit seiner Familie in einer abenteuerlichen Flucht das Land und lässt sich nach einem Zwischenstopp in den USA schließlich in Ägypten nieder. Aus dem einst modernen Iran wird eine islamische Republik unter Herrschaft der Mullahs. Frauen müssen wieder Kopftuch tragen. Die islamische Scharia gilt als neue Rechtsgrundlage.
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Der 1960 geborene Schah-Sohn Reza Pahlavi schaut der Entwicklung in seinem Heimatland schon länger von außen zu. Bereits vor der Revolution von 1979 war er für seine Pilotenausbildung in die USA ausgewandert. An der Reese Air Force Base in Lubbock (Texas) lernte er, Kampfjets zu fliegen. Später ging er nach Kalifornien, um Politikwissenschaft zu studieren. An seinem 20. Geburtstag wurde er offiziell von seinem Vater zum Thronfolger ernannt und versprach in seiner Rede, sein Leben lang für die „nationale Einheit und die Rechte der Bevölkerung“ kämpfen zu wollen.
Privat wurde sein Leben von Tragödien überschattet: Seine Schwester Leila starb 2001 an einer Überdosis Schlaftabletten. Sein jüngerer Bruder Ali Reza nahm sich 2011 im Alter von 44 Jahren das Leben, schwer gezeichnet vom Suizid seiner Schwester. Die einzige verbliebene Schwester, Farahnaz, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und soll anonym in New York leben. Die ehemalige Kaiserin und Ehefrau des Schahs, Farah Pahlavi (geborene Diba), lebt abwechselnd in Frankreich und den USA.

Reza Pahlavi heiratete 1986 die Anwältin Yasmine Etemad-Amini, mit der er drei Töchter hat: Noor (Jahrgang 1992), die als Model und Psychologin arbeitet, Iman (Jahrgang 1993) und Farah (Jahrgang 2004). 2018 wurde bekannt, dass Etemad-Amini an Brustkrebs erkrankt ist.
Auf Instagram inszeniert sich die Familie als lebensnaher, moderner Clan. Die 87-jährige Patriarchin Farah Pahlavi zeigt sich locker inmitten ihrer Enkelinnen, auch mal in bunt bestickten Jeans. Es soll der fröhliche Gegenentwurf zum unterdrückerischen Mullah-Regime ihrer Heimat sein.
Ob ihr Sohn, Reza Pahlavi, aber Chancen hat, den Thron zu besteigen, ist fraglich. Die Opposition im Iran ist gespalten, auch durch massive Einschüchterungsversuche des Regimes. Die Schah-Familie genießt zwar weiterhin Ansehen. Pahlavis Wortmeldungen in der aktuellen Krise finden breite Beachtung.
Dass er jedoch ausreichend Rückhalt haben könnte, um sich an die Spitze der iranischen Regierung zu setzen, darf bezweifelt werden. Dafür müssten zunächst die Mullahs den Weg freimachen, und danach sieht es derzeit nicht aus. Sie bekräftigten, den Aufstand mit allen Mitteln niederschlagen zu wollen. US-Präsident Trump hat zwar militärische Hilfe für die Protestbewegung in Aussicht gestellt. Doch konkreter ist er damit bislang nicht geworden. Auch die sich überschlagenden Meldungen von Menschenrechtsorganisationen, die in den vergangenen Tagen Hunderte Tote und Tausende Verletzte registrierten, führten nicht dazu, dass Trump seine Rhetorik verschärfte. Mit Reza Pahlavi hat er sich bisher nicht getroffen.
Hinzu kommt: Ein Militärschlag allein macht noch keinen Regimewechsel. Es bräuchte einen Plan der Amerikaner, den Iran langfristig von den Mullahs zu befreien und neue Strukturen aufzubauen. Einzig: Das ist bislang nicht der Stil Trumps. Der 79-Jährige setzt auf kurzfristige Interventionen. Alles andere wäre auch innenpolitisch für Trump schwer zu verkaufen.
Und dann wäre letztlich noch die Frage: Wollen die Iraner zurück zur Monarchie? Pahlavi selbst wirbt für ein Referendum, in dem die Iranerinnen und Iraner frei über ihr künftiges politisches System entscheiden können. Traditionelle Monarchisten sind von so viel liberaler Haltung eher befremdet. Trotz allem bleibt Pahlavi vorerst die prominenteste Figur der Oppositionsbewegung.







