Das US-Militär hat bei den Angriffen auf angebliche Drogenboote wohl unter anderem ein als zivile Maschine getarntes Kampfflugzeug genutzt. Das berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf mit den Operationen vertraute Regierungsbeamte. Demnach sei das Geheimflugzeug im September bei der ersten Attacke auf eines der Boote vor der Küste Venezuelas eingesetzt worden, alle elf Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Nach Einschätzung von Militärjuristen ist der Einsatz des Flugzeugs ein Kriegsverbrechen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth könnte so weiter unter Druck geraten.
Denn bisher rechtfertigte die Regierung von US-Präsident Donald Trump ihre Angriffe auf die vermeintlichen Drogenschmuggler mit dem Kriegsrecht: Die USA würden sich in einem militärischen Konflikt mit Drogenkartellen befinden, es dürfe also wie im Krieg ohne Warnung getötet werden. Rechtsexperten zweifeln diese Einschätzung an. Doch auch nach der Logik der US-Regierung würde der Angriff mit dem nicht als solches erkennbaren Kampfflugzeug ein Verbrechen sein. Sich als Zivilisten zu tarnen, nur um dann einen Überraschungsangriff auszuführen, wird explizit in den Genfer Konventionen verboten.
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Perfidie, ein Begriff der im deutschen Strafrecht mit dem Tatbestand der Heimtücke vergleichbar ist, bezeichnet das bewusste Täuschen des Gegners, um ihn unter dem Deckmantel anerkannter Schutzzeichen wie dem Roten Kreuz oder der Weißen Flagge anzugreifen. Verboten ist es etwa, vorzutäuschen, man sei Zivilist, um dann den Gegner anzugreifen. Auch dürfen Soldaten sich nicht erst mit erhobenen Händen ergeben, nur um dann in dem Moment, in dem der Gegner herantritt, das Feuer zu eröffnen.

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Im Fall der Angriffe auf die angeblichen Drogenboote habe das Flugzeug laut der „New York Times“ seine Waffen nicht unter der Tragfläche, sondern versteckt im Rumpf getragen. Dass es sich dabei um ein Kriegsverbrechen handelt, glaubt unter anderem der pensionierte Generalmajor Steven J. Lepper, ehemaliger stellvertretender Leiter der Militärjustiz in der US-Luftwaffe.
Gegenüber der „New York Times“ sagte Lepper, dass es sich um ein Kriegsverbrechen handele, wenn das Flugzeug so lackiert worden wäre, dass sein militärischer Charakter verschleiert wurde und es nahe genug herangekommen wäre, dass die Menschen auf dem Boot es hätten sehen können. Durch die Täuschung hätten sie keine Möglichkeit gehabt, dem Angriff auszuweichen oder sich zu ergeben. „Die eigene Identität zu verschleiern, ist ein Akt der Heimtücke“, sagte er. „Wenn das darüber fliegende Flugzeug nicht als Kampfflugzeug identifizierbar ist, sollte es nicht an Kampfhandlungen beteiligt sein.“
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Pete Hegseth wird für zweiten Angriff auf Überlebende kritisiert
Das Verbot der Perfidie befindet sich auch in dem im US-Militär angewandten Regelwerken. Der Vorwurf sei bereits bei nicht öffentlichen Treffen zwischen Kongressmitgliedern und Vertretern des US-Militärs erörtert worden. Das Weiße Haus habe sich gegenüber der „New York Times“ bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Bei dem Angriff am 2. September hatten sich zwei Überlebende nach dem ersten Einschlag einer wahrscheinlich von dem Flugzeug abgefeuerten Rakete an Wrackteilen festgeklammert – und dem Flugzeug zugewunken. Durch einen zweiten Angriff wurden schließlich auch sie getötet. Nach Bekanntwerden des Vorfalls steht US-Verteidigungsminister Pete Hegseth unter Druck, bisher weigert sich sein Ministerium, das gesamte Videomaterial vom Angriff zu veröffentlichen.
Regierungsbeamte erklärten, Verteidigungsminister Pete Hegseth habe den „Doppelschlag“ nicht direkt befohlen, sondern ein Admiral der Marine habe dies im Rahmen von Hegseths allgemeiner Anweisung für den Angriff getan. Hegseth selbst gab an, er unterstütze die Entscheidung voll und ganz und hätte selbst genauso entschieden.
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Reddit-Planespotter verraten Geheimflugzeug
In einer Reddit-Gruppe für Flugzeugfans veröffentlichte nur wenige Tage nach dem Angriff vom 2. September 2025 ein Nutzer das Bild einer weißen Boeing 737 mit blauen Streifen. Das Foto sei auf einem Flughafen der zu den USA gehörenden karibischen Jungferninseln gemacht worden. Nutzer der Online-Plattform wunderten sich über die am Flugzeug fehlenden Kennzeichnungen wie sie eigentlich für alle Flugzeuge vorgeschrieben sind. Laut der „New York Times“ könnte es sich dabei um das am Angriff beteiligte geheime Militärflugzeug handeln.

Das US-Militär nutzt mehrere zivile Flugzeugmodelle, darunter umgebaute Boeing-737-Passagierflugzeuge sowie Cessna-Propellermaschinen, die über interne Waffenschächte verfügen und Munition einsetzen können, ohne dass außen Bewaffnung sichtbar ist. In der Regel sind diese Flugzeuge grau lackiert und klar als militärisch gekennzeichnet. Beobachtungen von Militär- und Flugzeugspottern wie auf Reddit zeigen jedoch, dass es Ausnahmen gibt: Einige wenige Exemplare erscheinen in weißer Lackierung und tragen nur kaum oder gar keine Markierungen.
News aus den USA
Seit Anfang September greifen die US-Streitkräfte immer wieder Schnellboote in der Karibik und im Pazifik an, die mit Rauschgift beladen sein sollen. Bei bislang rund 35 Attacken wurden offiziellen Angaben zufolge über 123 Menschen getötet. Die Einsätze gegen die angeblichen Drogenboote gelten als Vorstufe des Militäreinsatzes gegen Venezuela Anfang Januar. Dabei wurden der Präsident Nicolás Maduro sowie dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen. Maduro sitzt nun in New York in Haft, wo ihm wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden soll.












