Venezuela wäre eine Erdölgroßmacht, wenn es nur um die Reserven ginge. Derzeit ist das südamerikanische Land aber nur ein relativ kleines Licht am Himmel der erdölproduzierenden Länder. Venezuela verfügt über rund 300 Milliarden Barrel (Fass) an bestätigten Vorräten, vor allem im Maracaibo-See. Das sind laut dem Fachmagazin „Oil & Gas Journal“ etwa 17 Prozent der weltweit bekannten Reserven. Venezuela besitzt also mehr Öl als Saudi-Arabien, Russland und die Vereinigten Staaten. Dennoch produziert und verkauft es nur etwa ein Prozent des weltweiten Rohöls. Noch 1997, ein Jahr vor der Machtübernahme der Chavisten, förderte Venezuela fast fünf Prozent des globalen schwarzen Rohstoffs.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Ölproduktion war immer Venezuelas ökonomisches Rückgrat. Dieses ist aber unter Missmanagement und Sanktionen gebrochen. Als Nicolás Maduro 2013 an die Macht kam, förderte Venezuela noch drei Millionen Fass Öl am Tag, heute ist es gerade noch ein Drittel. Die 921.000 Barrel pro Tag, die Venezuela im Jahr 2024, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten vorliegen, produzierte, werden voraussichtlich dieses Jahr von Argentinien übertroffen werden. Venezuela ist weit abgeschlagen, selbst von den Top Ten der erdölproduzierenden Staaten. Auch in Lateinamerika produzieren Brasilien (3,4 Millionen Barrel) und Mexiko (1,5 Millionen Barrel) sowie Kanada (1,2 Millionen Barrel) deutlich mehr.
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Venezolanisches Öl: USA und Chevron sichern sich Zugriff auf Reserven
Die Vereinigten Staaten ihrerseits produzieren selbst 13,2 Millionen Fass täglich, verfügen aber nur über rund 81 Milliarden Barrel an bestätigten Reserven. Daher: Mit dem venezolanischen Öl könnten die USA auf lange Sicht ihre Energieversorgung sichern, jedenfalls die fossile, eben genau so wie sie sich Staatschef Donald Trump vorstellt. Zudem sind die USA auch darauf spezialisiert, das besonders teerhaltige venezolanische Erdöl zu verarbeiten.
Nur wenige westliche Öl- und Gasproduzenten sind weiterhin in Venezuela aktiv, darunter Chevron, der zweitgrößte US-amerikanische Ölkonzern, sowie das italienische Unternehmen Eni und das spanische Unternehmen Repsol. Bisher ist Chevron mit Ausnahmegenehmigungen der US-Regierung lizenziert in Venezuela. Das Unternehmen allein ist für ein Viertel der venezolanischen Produktion verantwortlich.

Öl war jahrzehntelang Schmierstoff der US-venezolanischen Beziehungen
Die US-Präsenz im Ölsektor wird sich nach Aussage von Trump aber jetzt rasch und massiv ändern. Man muss daher davon ausgehen, dass der Coup gegen Caracas gar nicht so sehr einen demokratischen Wandel als Antrieb hatte, sondern es vor allem um den Zugriff auf die Ölreserven geht.
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Der Rohstoff war Jahrzehnte der Schmierstoff der Beziehungen zwischen Caracas und Washington. Die USA kauften früher den Großteil des venezolanischen Öls, doch dieser Handel endete, als Hugo Chávez, der Gründervater des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ die nationale Ölindustrie vor fast zwei Jahrzehnten teilweise verstaatlichte und ausländische Ölkonzerne zwang, ohne Entschädigung schlechtere Vertragsbedingungen zu akzeptieren. Einige dieser Unternehmen weigerten sich.

Venezuela verliert Ölkonzerne und exportiert Rohöl vor allem nach China
Zu den Multis, die Venezuela verlassen haben, gehören ConocoPhillips und Exxon Mobil. Diese Unternehmen versuchen seit Jahren, die Rückgabe der beschlagnahmten Vermögenswerte durch die Regierung in Caracas zu erreichen – bisher jedoch mit wenig Erfolg.
2019 verhängte die erste Trump-Regierung Sanktionen gegen den staatlichen Ölkonzern „Petróleos de Venezuela“ (PDVSA). Die Lieferungen in die Vereinigten Staaten wurden erst 2023 wieder aufgenommen, die Mengen blieben jedoch gering. Der Großteil des venezolanischen Rohöls wird heute nach China exportiert. Auch Kuba wurde bisher mit venezolanischem Öl alimentiert, damit auf der Insel noch ein Mindestmaß an Stromproduktion stattfinden kann. Inzwischen ist Mexiko mit Lieferungen eingesprungen und ersetzt Teile der venezolanischen Lieferkapazitäten.







