Ist es die Ausweitung seines imperialen Gehabes – oder eine gezielte Trollerei, um die zutiefst verunsicherten Nachbarn und Europäer zu paralysieren? Auf seinem Kommunikationsportal Truth Social hat US-Präsident Donald Trump kurz vor seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos am Mittwoch zwei Beiträge gepostet, die Fachleute an seinem Verstand zweifeln lassen.

In einem Fake-Foto stellt Trump im Beisein von Vize JD Vance und Außenminister Marco Rubio auf Grönland eine US-Flagge auf. Daneben ein Schild: „Grönland – US-Territorium seit 2026“. Ein zweiter Beitrag zeigt ihn im Oval Office am Schreibtisch vor europäischen Staats- und Regierungschefs. Im Hintergrund ist eine digital verfremdete Karte zu erkennen, auf der neben den USA Venezuela, Grönland und auch Kanada in den amerikanischen Nationalfarben gezeigt werden.

Beim nördlichen Nachbarn, mit dem Trump schon bei Amtsantritt Streit angefangen und die Eingemeindung als 51. US-Bundesstaat propagiert hat, kommen die gezielten Provokationen nicht gut an. Hintergrund: Wie US-Regierungskreise dem Sender NBC bestätigten, sieht Trump Kanada militärisch in der Arktis ähnlich schlecht geschützt (vor angeblich drohenden Übergriffigkeiten Chinas und Russlands) wie das zu Dänemark gehörende Grönland.
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Kanada: Muss das Land über „das Undenkbare“ nachdenken?
Privat habe Trump zuletzt mehrfach angemahnt, dass die Regierung in Ottawa seine Verteidigungsanstrengungen massiv ausweiten müsse – sonst. Sonst was? Weder erwäge Trump zum jetzigen Zeitpunkt, US-Truppen an der Nordgrenze zu Kanada zu stationieren, noch strebe er den Kauf oder die militärische Annexion des Nachbarlandes an. Aber: Um dem in der neuen US-Sicherheitsstrategie festgeschriebenen Ziel zu genügen – die „Festigung“ im südlichen wie nördlichen Hinterhof der USA –, müsse sich Kanada stärker um die Sicherung seines an die Arktis angrenzenden Nordens kümmern.

Unterdessen berichten führende kanadische Medien wie „The Globe and Mail“ oder der Sender CBC seit Tagen verstärkt darüber, dass Kanada beginnen müsse, „über das Undenkbare nachzudenken“. Sprich: eine US-Intervention. Dabei spiele auch die Tatsache eine Rolle, dass der kanadische Premierminister Mark Carney die traditionell engen Bande zu den USA für zerrüttet hält und just lukrative Wirtschaftsabkommen mit China eingegangen ist, die etwa den Import von chinesischen E-Autos vorsehen. Wie Trump wird auch Carney an diesem Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos sein. Eine Konfrontation wird nicht ausgeschlossen.



