Eigentlich wollte Emmanuel Macron nur sein rot entzündetes rechtes Auge verbergen. Doch als er sich beim Wirtschaftsforum in Davos mit reflektierender Pilotenbrille zeigte, machten sich Pariser Medien wie „Libération“ über den „virilen, ziemlich lächerlichen Auftritt wie im Actionfilm Top Gun“ lustig. Donald Trump ätzte: „Emmanuel will mit seiner schönen Sonnenbrille den harten Kerl spielen. Dabei ist er in ein paar Monaten nicht mehr im Amt.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Macron hatte es sich mit dem Amerikaner verscherzt, als er erklärte, nicht an dessen „Friedensrat“ teilzunehmen. Wer nicht für Trump ist, ist gegen ihn. Seither ist der um eine Generation jüngere Franzose Zielscheibe seines Zorns. Frankreich soll mit 200-prozentigen Zöllen auf Champagner und Wein büßen.

Emmnauel Macron empfängt Staatsgäste im Élysée-Palast
Emmanuel Macron im Elysée-Palast: Cool, aber nicht erfolgreich.© ddp/abaca press | Blondet Eliot

Macron verliert Rückhalt – neue Hackordnung ist klar

Lange Zeit hatten sich die beiden so unterschiedlichen Selbstdarsteller bestens verstanden, ja gegenseitig bewundert, etwa als Macron Trump zur Truppenparade des französischen Nationalfeiertags einlud. Bei Supernarzissten hält die Freundschaft aber selten. Heute ist die Hackordnung klar: Als Macron ein versöhnliches Pariser Dîner vorschlug, antwortete Trump nicht einmal. Auch Macrons Versuch, einen G7-Gipfel mit den Russen zu organisieren, verlief im Sande. Trump ließ ihn im Pariser Regen stehen.

Nicht einmal Papst Leo XIV. empfängt Macron derzeit: Zwei Audienzgesuche wurden wegen „Terminproblemen“ vertagt. Auch die EU-Partner gehen auf Distanz. Bundeskanzler Friedrich Merz fordert seit Monaten ein klares französisches Bekenntnis zum gemeinsamen Kampfjet FCAS und stellte ein Ultimatum bis Ende 2025 – ohne Ergebnis. In Paris fehlt Macron selbst dafür die Autorität: Er kann nicht einmal den Flugzeugbauer Dassault zur Kooperation mit Airbus bewegen. Kein Präsident der Fünften Republik hatte so wenig Macht wie er.

Ähnlich tief ist die Kluft beim Mercosur-Abkommen. Obwohl Macron Freihandel propagiert, ist er innenpolitisch so geschwächt, dass er aus Angst vor den Landwirten zurückrudert.

Merz distanziert sich von Macron und setzt auf Meloni

Nun stellt sogar der CDU-Kanzler die deutsch-französische Kernbeziehung infrage. „Merz setzt jetzt auf Meloni“, titelten deutsche Medien, ergänzt um: „Macron ist Geschichte.“ In Paris wurde das verstanden. „Les Echos“ warnt vor einer „neuen Achse Merz-Meloni“.

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Auch innenpolitisch ist Macron isoliert. Er hat die Parlamentsmehrheit verloren. Dem Minderheits-Premier Sébastien Lecornu gab er den Auftrag zu einem „Sparhaushalt“. Doch Lecornu erhöhte stattdessen die Unternehmenssteuern um acht Milliarden Euro – während Macron in Davos die „zunehmende Wettbewerbsfähigkeit“ Frankreichs pries.

Auch die Rentenreform wurde aufgeschoben. Der Präsident muss zusehen, wie seine Regierung Reformen zerlegt, um Misstrauensvoten zu überstehen. In seinem neuen Buch „Nero im Elysée“ urteilt sein früherer Vertrauter Alain Minc: „Er ist der schlechteste Präsident der Fünften Republik.“ Frankreich dürfte bis zum Ende von Macrons Amtszeit in der Krise verharren – und womöglich darüber hinaus.