Über 3000 mehrheitlich junge Rechte zogen am Samstag durch die Straßen von Lyon, unweit des Ortes, wo vor zehn Tagen ultralinke Antifaschisten einen rechtsextremistischen Studenten mit brutalen Fußtritten in den Kopf umgebracht hatten. 500 Polizisten sorgten für einen ruhigen Ablauf. Die Familie des getöteten Erznationalisten und -katholiken hielt sich von der Kundgebung fern, genauso wie der rechtsnationale Rassemblement National (RN).

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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RN-Gründerin Marine Le Pen blieb auf Distanz, um vor den Gemeindewahlen im März nicht mit Rechtsextremisten und – teils aus dem Ausland nach Frankreich angereisten – Neonazis in einen Topf geworfen zu werden. Bei der Kundgebung waren in der Tat einige Nazigrüße zu sehen. Ansonsten hatten die Organisatoren die Weisung herausgegeben, höchstens Sonnenbrillen oder Corona-Masken zu tragen, sich aber sonst nicht zu vermummen. Ein einziger Waffenträger wurde verhaftet.
Zwei Verhaftete waren parlamentarische Assistenten
Zuvorderst an der Demo liefen Vertreterinnen der rechten Feminismusgruppe Némésis, zu deren Schutz der getötete Quentin Deranque vor anderthalb Wochen im Einsatz gewesen war. Die Polizei hat inzwischen sieben Tatverdächtige festgenommen, darunter mehrere Mitglieder der ultralinken Antifa-Miliz Jeune Garde (Junge Garde). Zwei Verhaftete waren bisher parlamentarische Assistenten des Abgeordneten Raphaël Arnaud, der die offen gewalttätige Junge Garde gegründet hatte.
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Arnaud gehört der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI) an. Ihr Vorsteher Jean-Luc Mélenchon bestreitet aber jede politische Verwicklung und weigert sich, Arnaud zum Rücktritt anzuhalten; suspendiert wurden nur seine an der Tat beteiligten Assistenten.
Doch der Druck auf den Präsidentschaftskandidaten Mélenchon wächst. Bei den Kommunalwahlen im März droht seiner Partei, die nun mit Gewalt und Tod in Verbindung gebracht wird, ein Fiasko. Während Marine Le Pen ihren Kurs der politischen Respektabilität vorantreibt und ihre Wahllisten von rassistischen oder antisemitischen Lokalkandidaten säubert, gehen die „Unbeugsamen“ des LFI mit umstrittenen Kandidatinnen und Kandidaten auf Wählerfang. In Lyon etwa war der tödliche Clash zwischen Links- und Rechtsextremisten am Rande eines Treffens der umstrittenen propalästinensischen LFI-Kandidatin Rima Hassan erfolgt.
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Der Soziologe Erwan Lecoeur erklärte am Wochenende, der Todesfall von Lyon führe damit zu einer „eigentlichen Umkehrung der Werte“: Als antirepublikanisch gelte nicht mehr die Rechte, sondern Mélenchons Partei. Le Pens Stellvertreter Jordan Bardella verlangt deshalb bei den kommenden Gemeindewahlen eine „Brandmauer“ gegen LFI. Eine solche republikanische Front hatte bisher gegen rechts gewirkt; bei den letzten Parlamentswahlen 2024 verhinderte sie wohl den Sieg von Marine Le Pens Partei RN.
Ob sie nun auch gegen links außen gelten sollte, ist in der Linken umstritten. Ex-Präsident François Hollande erklärte, Wahlabsprachen zwischen Sozialisten und LFI seien nach dem Todesfall nicht mehr möglich. Der sozialistische Abgeordnete Jérôme Guedj wünscht sich aber weiterhin Wahlabsprachen aller Links- und Mitteparteien, um namentlich in den großen Städten Wahlsiege der Lepenisten zu verhindern.
Der Todesfall mobilisierte auch die US-Botschaft in Paris sowie die Anti-Terror-Abteilung des US-Außenministeriums. Sie erklärten, „gewalttätiger Linksextremismus“ sei eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot verbat sich darauf jegliche Einmischung des Auslands in diesen Fall und kündigte die Einbestellung des US-Botschafters in Paris an. Zuvor war es zu einem innnereuropäischen Schlagabtausch gekommen, als die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beklagte, dass sich „ideologischer Hass“, geschürt von linksextremen Gruppen, in ganz Europa ausbreite. Offensichtlich pikiert, verbat sich Macron darauf jede Einmischung in innerfranzösische Angelegenheiten.








