Irgendwann nach dem Tod des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein 2019 und lange bevor sein Name zur Chiffre für einen weltumspannenden Missbrauchsskandal der Eliten aus Politik und Finanzen wurde, landet bei dem Radiomoderator Eddy Aragon eine anonym versendete E-Mail, die es in sich hat: „Wussten Sie, dass irgendwo in den Hügeln außerhalb der ‚Zorro Ranch‘ zwei ausländische Mädchen auf Befehl von Jeffrey und Madam G. begraben wurden? Beide starben durch Strangulation während brutaler Fetisch-Sexpraktiken.“ Mit G., so sagen Justiz-Experten, war Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell gemeint. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Absender der Mail, der sich als ehemaliger Mitarbeiter der von Epstein vor über 20 Jahren gekauften Ranch südlich von Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico ausgab, behauptete, im Besitz von sieben Videos zu sein, die sexuelle Handlungen mit minderjährigen Mädchen zeigen. Gegen Zahlung von einem Krypto-Bitcoin werde Aragon das Material per Nachtkurier auf einem USB-Stick zur Verfügung gestellt. Aragon sagte vor einigen Tagen gegenüber US-Medien, er habe die Mail für echt gehalten und sie „sofort“ an die Bundespolizei FBI weitergeleitet. Geld habe er nicht gezahlt. Weiteren Kontakt habe es nicht gegeben; als er später erneut antworten wollte, sei die Adresse des Absenders nicht mehr aktiv gewesen. 

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Das ist die Vorgeschichte einer Untersuchung, die die Ermittler im US-Südstaat jetzt offiziell wieder aufnehmen – nachdem die Horrorbehauptungen durch den jüngsten Schwung der vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten in die Öffentlichkeit gelangt sind. 

Ominöse Weisung aus New York

Vorab: Ob sie stimmen, ganz oder teilweise, ist zur Stunde genauso unklar wie die Antwort auf die Frage, warum die Behörden nach Epsteins Tod im Sommer 2019 zwar dessen opulentes Townhouse in New York wie auch seine Privatinsel Little Saint James in der Karibik auf den Kopf stellten – nicht aber das knapp 8000 Hektar große Areal in der Abgeschiedenheit der Sangre de Cristo Mountains, zu dem eine Villa im spanischen Stil, eine Landebahn samt Hangar und ein Hubschrauberlandeplatz gehören. Epsteins Gäste, wozu nach Zeugenaussagen Prominente wie Woody Allen, Noam Chomsky und Andrew Mountbatten-Windsor zählten, übernachteten in einem nahe gelegenen Mini-Dorf namens Ranch Central.

Auf ominöse Weisung der New Yorker Staatsanwaltschaft wurden die lokalen Autoritäten in New Mexico 2019 aufgefordert, etwaige Ermittlungen ruhen zu lassen. Warum, das ist bis heute ungeklärt, nährt aber angesichts der Fülle von Opferaussagen in den freigegebenen Epstein-Akten zunehmend den Argwohn vieler Menschen.

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So hatte eine Jane, die erste Anklägerin, die im Prozess wegen Sexhandels gegen Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell aussagte, damals erklärt: „Ich erinnere mich nur, dass irgendwann jemand in mein Zimmer kam und sagte ‚Jeffrey möchte dich sehen‘ und mich dann zu ihm begleitete. Ich hatte einfach wie immer das Gefühl, dass mir das Herz in die Hose rutschte, wissen Sie. Ich wollte ihn nicht sehen.“ Jane war nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt 15 oder 16 Jahre alt. „Ich erinnere mich nur daran, dass ich in sein Schlafzimmer geführt wurde und dasselbe passierte wie immer.“

„Er drückte seinen Körper an mich“

Annie Farmer, die vierte Anklägerin, sagte bei Maxwells Prozess aus, dass die zu 20 Jahren Haft verurteilte Milliardärstochter ihr im Alter von 16 Jahren auf der „Zorro Ranch“ eine Nacktmassage verabreicht habe. Farmer erzählte den Geschworenen, dass Epstein am Morgen nach dieser Massage in ihr Bett geklettert sei und gesagt habe, er wolle „kuscheln“. Farmer sagte den Geschworenen, sie habe sich „wie erstarrt“ gefühlt. „Er drückte seinen Körper an mich“, sagte Farmer. Farmer erklärte, sie habe Epstein gesagt, sie müsse auf die Toilette, um zu fliehen. Virginia Giuffre, eine der prominentesten Anklägerinnen Epsteins, sagte, sie sei auf der „Zorro Ranch“ missbraucht worden. Virginia Giuffre schließlich, die im vergangenen Frühjahr Selbstmord beging, hatte im Prozess gesagt, Jeffrey Epstein habe sie dazu gezwungen, mit prominenten Männern auf der Ranch Sex zu haben.

Epstein-Komplizin Maxwell fordert Begnadigung durch Trump

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    New Mexico hängt den Fall so hoch, dass Staatsregierung und Parlament eine „Wahrheitskommission“ eingesetzt haben, die bis Jahresende einen detaillierten Bericht darüber vorlegen soll, welche Rolle genau die „Zorro Ranch“ im weit verästelten Sexhandelsring Epsteins spielte. Gouverneurin Michelle Lujan Grisham begrüßt den Vorstoß, der zu mehr Gerechtigkeit für die Opfer von Epstein führen könne.

    Fast als Fußnote geht dabei unter, dass die „Zorro Ranch“ inzwischen umgetauft wurde. Don Huffines, ein Milliardär und Freund von Präsident Donald Trump, hat das Objekt mit einer speziellen Intention gekauft. „Was der Feind einst zum Bösen beabsichtigte, kann Gott zum Guten wenden. Deshalb haben wir das Anwesen nach dem Heiligen, der mit körperlicher und geistiger Heilung in Verbindung gebracht wird, in San Rafael umbenannt und sofort mit den Planungen begonnen, es zu einem christlichen Rückzugsort umzugestalten und es für Jesus zurückzugewinnen.“ 

    Ghislaine Maxwell trial evidence
    Das „Z“ am Eingang soll bereits entfernt sein. Epsteins Ranch in New Mexico wird eine religiöse Begegnungsstätte, sagt der neue Besitzer, ein Freund Donald Trumps.© picture alliance / Captital Pictures | Capital Pictures

    Vor dem lieben Gott könnten die Niederungen des Weltlichen drohen. Sollten die Ermittlungen substanziell werden, führt kein Weg an einer erneuten Spurensicherung rund um das weitläufige Areal vorbei. Ein Sprecher von Huffines hat bereits uneingeschränkte Kooperationsbereitschaft signalisiert.