Nein, es ist nicht das Öl, um das sich die Mächtigen in den Golfstaaten derzeit die größten Sorgen machen. Es ist das Wasser. „Alle betrachten Saudi-Arabien und seine Nachbarländer als Ölstaaten. Ich nenne sie jedoch Salzwasser-Königreiche“, sagte jüngst Michael Christopher Low, Direktor des Middle East Center an der University of Utah, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wie verwundbar die Ölmonarchien beim Thema Wasser sind, zeigte vor wenigen Tagen ein iranischer Angriff auf eine wichtige Anlage für die Aufbereitung von Trinkwasser im Königreich Bahrain. Der aus 33 Inseln bestehende Mini-Staat im Persischen Golf (1,5 Millionen Einwohner) bezieht Stand 2024 knapp 60 Prozent seines Trinkwassers aus aufbereitetem Meerwasser und ist damit extrem abhängig von der kostspieligen Technologie, die in den vergangenen Jahrzehnten in den Golfstaaten stark ausgebaut wurde.
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Der Grund: Fast der gesamte Nahe Osten leidet unter „extremem Wasserstress“. Das heißt, dass jedes Jahr mehr als 80 Prozent des verfügbaren Wassers verbraucht werden. Die Arabische Halbinsel leidet darüber hinaus an den Folgen des Klimawandels. Niederschläge werden immer weniger, die Gefahr von Dürren wächst. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wasserverbrauch in den Golfstaaten jedes Jahr steigt. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt derzeit bei 750 Litern pro Tag und ist damit einer der höchsten weltweit. Angetrieben wird er von der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung, für die große Mengen an Wasser benötigt werden. Allein für die geplanten gewaltigen Datenzentren von Google, Microsoft und Open AI in der Golfregion werden zur Kühlung große Mengen an Wasser benötigt.

Um den Bedarf zu decken, gibt es in den Golfstaaten aktuell etwa 400 Anlagen zur Aufbereitung von Meerwasser. Sie werden vor allem mit den fossilen Brennstoffen Öl und Gas betrieben und produzieren etwa 40 Prozent des weltweit entsalzten Wassers. Die meisten neuen Entsalzungsanlagen setzen auf die sogenannte Umkehrosmose, bei der Meerwasser mithilfe von Hochdruckpumpen durch eine spezielle Membran gedrückt wird, die Wassermoleküle durchlässt, die Salzbestandteile aber zurückhält. Diese Salzlauge oder Sole wird in der Regel ins Meer zurückgeleitet, was wiederum den Salzgehalt des Wassers steigen lässt und zu Umweltproblemen führen kann.
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Trotz dieses Risikos sind die Golfstaaten auf die Meerwasserentsalzung angewiesen. Um die saudische Hauptstadt Riad (8 Millionen Einwohner) zu versorgen, wird das Wasser über Hunderte Kilometer in Fernleitungen von der Küste in riesige Reservoirs rund um die Stadt gepumpt und dort von der National Water Company weiterverteilt.
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Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben vorgesorgt, um ihr Trinkwasser vor Attacken zu schützen. Bei Abu Dhabi wurde unter dem Wüstensand ein See mit 26 Millionen Kubikmetern Trinkwasser angelegt, der die Stadt nach Angaben der Behörden bis zu 90 Tage versorgen kann. Katar hat mit einem „Water Security Mega Reservoirs Project“ nachgezogen. Allerdings ist die Versorgung der Bevölkerung mit frischem Wasser deutlich kürzer gewährleistet, falls die Anlagen zur Meerwasserentsalzung ausfallen sollten.
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In Teheran weiß man um die Schwachstellen in den Nachbarstaaten. Die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den mächtigen Revolutionsgarden nahesteht, verbreitete zuletzt eine Karte, die die Lage von Bahrains Entsalzungsanlagen zeigt. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte den USA am Samstag vorgeworfen, eine Entsalzungsanlage auf der in der Straße von Hormus gelegenen Insel Qeschm angegriffen zu haben. Die Wasserversorgung von 30 Dörfern sei beeinträchtigt, schrieb er auf der Plattform X. Nicht der Iran, sondern die USA hätten mit dem Angriff einen Präzedenzfall geschaffen, erklärte Araghtschi.











