Am 17. Kriegstag gegen den Iran hängt für Donald Trump fast alles an einer schmalen Wasserstraße: Hormus. Bleibt die an der engsten Stelle nur 34 Kilometer breite Passage im Persischen Golf für Öl- und Gastanker sowie Frachtschiffe noch zwei Wochen faktisch blockiert, weil der Iran dort schießt und vermint, kann aus dem militärisch für die USA bisher begrenzt erfolgreichen Krieg ein wirtschaftliches Desaster werden. Energie-Insider in Washingtoner Denkfabriken sagen: „Dann kann der Ölpreis pro Barrel, heute rund 100 Dollar, leicht bei 200 Dollar liegen. Die Weltwirtschaft und die USA würden an die Bruchkante geraten.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der US-Präsident, so stellt sich nach Durchstechereien an die Medien heraus, hatte offenbar gegen alle Warnungen von Generalstabschef Dan Caine darauf gesetzt, dass der am 27. Februar erstmals angegriffene Iran schnell militärisch kapituliert und gar nicht mehr auf den Gedanken kommt, nach der „großkalibrigen ökonomischen Gegenwaffe“ zu greifen. Diese Rechnung ist geplatzt. Von der „größten Störung des Ölmarkts überhaupt“ ist die Rede, verursacht von Donald Trump.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Straße von Hormus: Alle Szenarien sind für Trump teurer als geplant

Das Weiße Haus, bedrängt vom Kongress und der Öffentlichkeit, die den Krieg mehrheitlich ablehnt, sucht mit Blick auf die Parlamentswahlen in acht Monaten krampfhaft nach Auswegen. Aber: Eskorte, Küstenkrieg, begrenzter Bodeneinsatz, Zwangsdiplomatie – alle Szenarien, die gerade kursieren, sind für Trump teurer und riskanter, als seine Kriegsplanung dies bislang vorsah. Der Reihe nach:

Den massiven Schlag gegen die Insel Kharg am vergangenen Freitag muss man als vorbereitende Maßnahme verstehen. Laut Trump wurden auf dem Mini-Eiland sämtliche militärischen Ziele „total vernichtet”, die dortigen Ölterminals und -lager gleichwohl aus „Gründen des Anstands” verschont. Warum? Kharg ist der Knotenpunkt für rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte. Wer Kharg lahmlegt oder besetzt, greift nicht nur in Irans Staatskasse, sondern in das Nervensystem des globalen Ölhandels. Trumps Botschaft an Teheran ist die eines Geiselnehmers: Macht Hormus frei – oder eure wichtigste Einnahmequelle kann als Nächstes dran sein. Nur: Mit jeder weiteren Drohung macht er Kharg zur Geisel seiner eigenen Glaubwürdigkeit. Was tun?

Straße von Hormus: Trump drängt auf Hilfe durch Kriegsschiffe

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    Täglich noch immer 30 Raketen aus dem Iran

    Das erste Szenario wäre eine klassische Militär-Eskorte, um den Rückstau von mittlerweile mehr als 600 Schiffen in der Golfregion abzubauen. Experten halten pro Tanker mindestens zwei Kriegsschiffe für notwendig, um Minen zu räumen und iranische Angriffe aus der Luft sowie durch deren Flotte aus kleinen, schnellen Angriffsbooten abzuwehren. Bisher zögern die USA, aus Angst, unter iranischen Beschuss zu geraten. Pentagon-Experten sagen, dass ein Eskorten-Einsatz hohen Personalbedarf erzeugt und eine minutiöse Überwachung des Luftraums erfordert, den der Iran laut US-Militär täglich durch den Abschuss von rund 30 Raketen auf Israel und Anrainerstaaten unsicher macht.

    President Trump Leaves Washington For Weekend In Florida
    Kriegspräsident Donald Trump steht unter Druck. Die Straße von Hormus, und damit der weltweite Ölpreis, ist sein Sorgenkind.© Getty Images via AFP | Nathan Howard

    Trump will diese Arbeit nicht allein tun. Nachdem er bis zuletzt Hilfen von Dritten, etwa den Drohnen-Experten der Ukraine, im Nicht-nötig-Ton abgelehnt hatte, fordert er nun verbündete Länder wie Japan, China, Frankreich, Südkorea, Großbritannien „und andere“ auf, ihrerseits Schiffe zu schicken, „um die Straße von Hormus offen und sicher zu halten“. Amerika, so Trump diffus, werde dabei „viel helfen“. Der Haken: Bislang gibt es keine belastbare Koalition. Keines der von Trump genannten Länder hat bisher zugesagt. Aus Frankreich kam sogar prompt eine De-facto-Absage. Ein Grund: Ein Eskort-Modell garantiert noch keine Rückkehr des Handels.

    Reeder fahren nicht, nur weil ein Präsident Zuversicht twittert. Allein ein echtes Ende der Kämpfe sowie klare Zusicherungen der Regierung in Teheran, Hormus in Ruhe zu lassen, würden dazu führen, das normale Verkehrsaufkommen von über 100 Schiffen pro Tag wiederherzustellen, sagen Analysten aus der Schifffahrtsbranche. Dafür spricht im Moment noch nichts. Der Iran will den Hebel, den er mit Hormus besitzt, nicht aus der Hand geben.

    Trump: Sie werden „aus dem Wasser“ geschossen

    Das zweite Szenario ist härter: ein Küstenkrieg zur Erzwingung freier Fahrt. Trump kündigte am Wochenende an, die USA würden „die Küste in Schutt und Asche legen“ und iranische Boote „aus dem Wasser schießen“. Genau darauf läuft vieles bereits hinaus: mehr Schläge gegen Schnellboote, Raketenstellungen, Drohnenlager, Radar und Minendepots. Um die potenzielle Gewaltdominanz des Iran zu brechen, der durch punktuelle Nadelstiche von Land und aus der Luft den USA wie der Seeschifffahrt schweren Schaden zufügen könne, „müsste man viel Zeit, Geld, Schiffe, Flugzeuge und Soldaten mitbringen“, sagte ein ehemaliger demokratischer Verteidigungspolitiker auf Anfrage. „Und trotzdem bleibt das Risiko hoch.“

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    USA und Israel greifen Iran an: Ölpreis und Nahost in Gefahr – mit Carlo Masala
    Im Krisenmodus
     

    Das dritte Szenario ist das riskanteste: ein begrenzter Einsatz von Bodentruppen. Genau deshalb ist die Verlegung der USS „Tripoli“ und von Teilen der 31st Marine Expeditionary Unit aus Japan bemerkenswert. Das Pentagon beschreibt diese Kräfte als schnell verlegbare, seegestützte Eingreiftruppe für Krisenreaktionen bis hin zu „vollständigen Kampfmissionen“. Sie bringt Luft-, Land- und Logistikkomponenten mit, darunter F-35-Kampfjets, Osprey-Hubschrauber, amphibische Fahrzeuge und maritime Rollkommandokräfte. Das muss nicht heißen, dass Trump morgen Marines auf Kharg anlanden lässt. Es heißt aber, dass Washington sich diese Option ausdrücklich offenhält. Militärisch wäre das machbar. Politisch wäre es die Schwelle zu einem ganz anderen Krieg. Elitesoldaten der Marines auf iranischem Boden, das wäre für Teheran eine Einladung zur maximalen Vergeltung.

    Das vierte Szenario ist die unsaubere, aber womöglich realistischste Mischung aus Zwang und stiller Diplomatie. Etliche Medien berichten bereits von selektiven Durchfahrten – etwa für Gastanker mit der Destination Indien oder China. Iran macht also nicht blind zu, sondern gewährt Zugang politisch dosiert; auch damit weiter Geld fließt. Für Washington könnte daraus ein Zwischenmodell entstehen, um den Ölpreis zu dämpfen: mehr Druck auf Kharg und die Küste, kombiniert mit inoffiziellen Arrangements über Drittstaaten, damit der Ölverkehr wieder anläuft, ohne dass jemand öffentlich kapitulieren muss. Das Problem für Trump: Eine solche Lösung sähe nach einem Sieg zweiter Klasse aus.

    US Navy
    Die aus Japan an den Golf abkommandierten Marines verfügen über amphibische Truppentransporter, gemacht für Landungen an feindlichen Küsten.© picture alliance / photothek | Thomas Wiegold

    Wird Trump Kharg wirklich als wirtschaftliche Guillotine einsetzen? Er kann es. Aber je direkter er Irans Ölexporte trifft, desto näher rückt der Gegenschlag gegen saudische, emiratische oder andere Golfinfrastruktur – und damit der Super-GAU für die Weltwirtschaft. Tut er es nicht, obwohl Hormus weiter stottert, wirkt seine Drohung lauwarm. Genau darin liegt das amerikanische Dilemma in Woche drei dieses Krieges. Trump braucht eine ganz schnelle Öffnung von Hormus, um den Krieg noch als Erfolg verkaufen zu können. Nur gibt es in der wirklichen Welt am Golf keine schnelle, saubere und billige Lösung mehr.