Der Iran-Krieg sorgt seit Wochen für Verwerfungen auf den Energiemärkten – und bringt in Deutschland ein Wort zurück in die Schlagzeilen, das lange verschwunden war. Denn nachdem Schiffe nur noch sehr eingeschränkt die Straße von Hormus passieren durften, schossen die Preise in die Höhe. Ob diese nach einer Waffenruhe in Nahost wieder sinken, ist noch offen – weshalb man hier plötzlich wieder über Fracking spricht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In den vergangenen Wochen hatte nicht nur der Wirtschaftsrat der CDU dafür geworben, in Deutschland auf diese Art Gas zu fördern. Auch ein ökonomischer Beraterkreis des Wirtschaftsministeriums hatte sich vor dem Hintergrund der neuen Energiekrise dafür ausgesprochen, das ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zählt ohnehin zu den Befürwortern: Es gebe Reserven in Deutschland, über deren Nutzung müsse man gerade in geopolitisch herausfordernden Zeiten sprechen, sagte Reiche dieser Redaktion. Kann die umstrittene Technik Deutschland wirklich unabhängiger machen von Energieimporten?
Fracking kommt häufig zum Einsatz, wenn es darum geht, Öl oder Gas aus Gesteinsschichten zu fördern, die eine geringe Durchlässigkeit haben, zum Beispiel Schiefer. Fachleute sprechen dabei von sogenannten nicht konventionellen Lagerstätten, die ohne den Einsatz der Technik nicht ausgebeutet werden könnten, und es ist speziell der Einsatz bei diesen Vorkommen, der umstritten ist.
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Fracking: Der größte Teil des Gases liegt unter Niedersachsen
Beim Fracking wird tief unter der Erdoberfläche mit großem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand oder Keramikkügelchen und chemischen Zusatzstoffen in das Gestein gepresst. Durch den Druck bilden sich Risse im Stein – und das Öl oder Gas, das gefördert werden soll, kann entweichen. Der größte Teil des in den USA geförderten Erdgases – das als Flüssiggas auch nach Europa kommt – wird mit dieser Technologie gewonnen.
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Auch in Deutschland gibt es Gasvorkommen, die ohne Fracking nicht nutzbar sind. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kam in einer Studie von 2016 zu dem Schluss, dass zwischen 1000 und 5000 Metern Tiefe in deutschen Böden 320 bis 2030 Milliarden Kubikmeter Gas in nicht konventionellen Stätten lagern, der größte Teil davon unter Niedersachsen. Das ist ein Vielfaches mehr, als über konventionelle Förderung erreicht werden kann. Aktuell werden in Deutschland pro Jahr etwa 4,5 Milliarden Kubikmeter Gas produziert.
Die BGR sagt allerdings auch: Wie viel von diesen großen Mengen Gas in Schiefergestein realistisch nutzbar und zu wirtschaftlichen Kosten erschließbar sein könnte, ist unklar. Um das herauszufinden, bräuchte es weitere detaillierte Untersuchungen.
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Fracking ist seit 2017 in Deutschland verboten
Vor allem aber bräuchte es für kommerzielle Förderung eine Gesetzesänderung: Denn in Deutschland ist Fracking verboten. Das Wasserhaushaltsgesetz erlaubt maximal Probebohrungen. Das Verbot kam 2017 unter dem Eindruck von Erfahrungen aus den USA zustande, wo der Fracking-Boom der 2000er Jahre zum Teil gravierende Umweltschäden verursacht hatte.
Seitdem hat sich in der Technologie allerdings viel getan, sagen Fachleute. Eine Auswertung einer eigens von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission Fracking, an der auch das Umweltbundesamt beteiligt war, kam 2021 zu dem Schluss, dass bei intensivem Monitoring und unter dem Einsatz der besten verfügbaren Technologie das Risiko für Verschmutzungen von Grund- und Oberflächenwasser gering sei. Ähnliches gilt nach Ansicht der Kommission für das Auslösen von Erdbeben. Die Kommission bekräftigte 2024, dass sich an diesen Bewertungen nichts geändert habe.

Fracking könnte bis zu 20 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr liefern
Würde es sich also lohnen, das Verbot auf den Prüfstand zu stellen? Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG), in dem Unternehmen organisiert sind, die in Deutschland Öl und Gas produzieren, geht davon aus, dass sich durch Fracking 10 bis 20 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in Deutschland fördern ließen, was grob 100 bis 200 Terawattstunden entspräche. 2025 lag der Gasverbrauch in Deutschland insgesamt bei 864 Terawattstunden.
Selbst wenn man jetzt damit anfangen würde, würde man Jahre brauchen, bis man eine nennenswerte Förderung hätte.
Constantin Zerger, DUH
Wie schnell dieses Gas tatsächlich zur Verfügung stehen könnte, ist allerdings offen. Auch wenn der Bundestag Fracking erlauben würde, müssten konkrete Projekte immer noch Genehmigungsverfahren durchlaufen. Wie schnell die Produktion aufgenommen werden könnte, hänge wesentlich davon ab, welche Beschleunigung dabei möglich sei, sagt der Verband der Gasunternehmen. „Rein technisch“, erklärt Hauptgeschäftsführer Ludwig Möhring auf Anfrage, „wären die Gasproduzenten dazu in der Lage, innerhalb eines halben Jahres nach Beginn der Bohrarbeiten die Erdgasproduktion aufzunehmen.“ Er spricht von einer „Richtungsentscheidung“, vor der die Bundesregierung stehe: „Nutzt sie die heimischen Potenziale, kann sie die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dauerhaft verbessern“, sagt Möhring. Andernfalls bleibe Deutschland wie bislang dem globalen LNG-Markt mit seiner speziellen Dynamik ausgesetzt.
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Fracking in Deutschland wäre eine Richtungsentscheidung, das sieht auch die Deutsche Umwelthilfe so – nur dass die Umweltschutzorganisation darin einen Schritt in die falsche Richtung sieht. „Selbst wenn man jetzt damit anfangen würde, würde man Jahre brauchen, bis man eine nennenswerte Förderung hätte“, sagt Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie bei der DUH. „Das ist keine Entlastung in der gegenwärtigen Krise, das ist eine strategische Entscheidung für Jahrzehnte.“ Dabei sei klar, dass der Gasverbrauch in Zukunft sinken werde und müsse.











