Islamabad soll die zweite Bühne für Deeskalation im Iran-Krieg werden. Nun wirkt die pakistanische Hauptstadt eher wie die Kulisse für ein mögliches Scheitern. Donald Trump hat mit der gewaltsamen Aufbringung des iranischen Frachtschiffs „Touska“ am Persischen Golf am Sonntag den Takt verändert. Nicht Diplomatie bestimmt wieder das Bild, so scheint es. Sondern Zwang. Und Drohung. Unmittelbar vor dem Auslaufen des Waffenstillstands in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist das die eigentliche Nachricht des Wochenendes.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die USA sprechen von einer regelkonformen Aktion. Das US-Zentralkommando erklärte, die USS Spruance habe die „Touska“ nach sechsstündiger Warnung gestoppt und ihre Maschine „durch mehrere Schüsse in den Maschinenraum“ außer Gefecht gesetzt. Das Vorgehen sei „überlegt, professionell und verhältnismäßig“ gewesen. Trump selbst triumphierte: „Wir haben die volle Kontrolle über ihr Schiff und sehen uns an, was an Bord ist!“ – ins Deutsche übersetzt: Washington wollte nicht nur stoppen. Es wollte demonstrieren. Nach dem Beschuss kamen laut Centcom US-Soldaten aufs Schiff. 

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Iran nennt Beschuss von Frachter „bewaffnete Piraterie“

In Teheran kam die Botschaft an. Nur anders. Das Außenministerium nannte die amerikanische Blockade iranischer Häfen und den Beschuss der „Touska” ein „Kriegsverbrechen“ und einen „Bruch des Waffenstillstands“. Ein Sprecher des iranischen Militärs warnte laut Staatsmedien, die Streitkräfte würden „bald auf diese bewaffnete Piraterie des US-Militärs antworten und Vergeltung üben“. Später sollen iranische Drohnen in Richtung amerikanischer Kriegsschiffe geflogen sein. „Das ist die politische Vorstufe zur nächsten Runde militärischer Rechtfertigung“, sagen Beobachter in US-Medien.

Was macht er als Nächstes? US-Präsident Donald Trump pokert hoch auf der Suche nach einem Ausstieg aus dem Iran-Krieg.
Was macht er als Nächstes? US-Präsident Donald Trump pokert hoch auf der Suche nach einem Ausstieg aus dem Iran-Krieg.© AFP | BRENDAN SMIALOWSKI

Damit hat Trump die zweite Verhandlungsrunde nicht zwingend unmöglich gemacht. Aber erschwert. Denn das Kernproblem liegt offen zutage: Washington verhandelt über Frieden und verschärft zugleich den Druck auf See. Teheran soll an den Tisch zurückkehren, während die USA den wichtigsten wirtschaftlichen Hebel des Landes abriegeln. Irans Erster Vizepräsident Mohammadreza Aref formuliert scharf: „Man kann Irans Ölexporte nicht beschränken und zugleich freie Sicherheit für andere erwarten.“ Dahinter steht eine klare Logik. Wer wirtschaftlich stranguliert wird, soll nicht parallel für maritime Stabilität garantieren. 

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Iran-Verhandlungen: Irritationen um Vance – kommt er oder nicht?

Auch die Diplomatie selbst wirkt zerfasert. US-Medien berichten, Trump habe gesagt, seine Emissäre, darunter die „üblichen Verdächtigen” Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner, würden am Montagabend in Islamabad eintreffen. Ein Vertreter des Weißen Hauses nannte Vizepräsident JD Vance wie schon bei der Premiere als Leiter der Delegation. Trump sagte anderen Medien zugleich, Vance werde nicht fahren, angeblich aus Sicherheitsgründen. Gastgeber Pakistan riegelt unterdessen Teile von Islamabad und das potenzielle Tagungshotel Serena ab. Teheran hingegen betonte bis Sonntagnacht, es gebe keinen festgesetzten Termin und derzeit keine Entscheidung, eine Delegation zu schicken. Widersprüche, die Misstrauen nähren.

Könnte wieder Schauplatz der Verhandlungen in Islamabad sein: das Nobel-Hotel Serena.
Könnte wieder Schauplatz der Verhandlungen in Islamabad sein: das Nobel-Hotel Serena.© AFP | FAROOQ NAEEM

Der Punkt für die Tage nach dem 21. und 22. April ist daher aus Sicht von US-Analysten in Washington klar: „Islamabad ist nicht mehr der Ort der Annäherung. Islamabad ist die letzte Ausfahrt vor der nächsten Eskalationsspirale.” Wenn Washington bei Blockade und Maximaldrohung bleibt und Teheran seine Vergeltungslogik weiter hochzieht, dann rückt möglicherweise kein Rahmen-Friedensabkommen über Uran-Anreicherung und die freie Seeschifffahrt in der Straße von Hormus näher.

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Dann läuft der Waffenstillstand ab, ohne dass die politische Statik dahinter trägt. Dann kann aus einer Seeblockade sehr schnell wieder ein offener militärischer Konflikt werden. Trump hat bereits mit der Zerstörung von Kraftwerken und anderer Infrastruktur im Iran gedroht – obwohl mittlerweile 63 Prozent der Amerikaner auch mit seiner Iran-Politik unzufrieden sind.