Seine Anhänger sprechen ihn mit „Eure Majestät“ an, als sei er der rechtmäßige Herrscher des Iran. Reza Pahlavi will im Moment lieber als die einigende Stimme der iranischen Opposition verstanden werden. Deshalb hat der Sohn des 1979 gestürzten Schahs hier in Berlin eine dringende Botschaft an die deutsche Politik: „Die Welt darf nicht zuschauen, wie das Regime die Bürger im Iran unterdrückt“, fordert Pahlavi, als er sich am Donnerstag in der Bundespressekonferenz im Herzen der Hauptstadt an die deutsche Öffentlichkeit wendet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Seit 47 Jahren führe das Regime einen Krieg gegen seine Bürger, nun müsse Europa endlich mit den Beschwichtigungen aufhören, die die Machthaber in Teheran nie zum Einlenken gebracht hätten. Dass die Bundesregierung ein Gespräch mit ihm abgelehnt hat, ist für den 65-Jährigen deshalb „bedauerlich“. 40.000 Menschen im Iran seien bei den jüngsten Protesten von den Unterdrückern „abgeschlachtet“ worden, doch der Kampf gehe weiter. „Wenn Sie glauben, Sie könnten mit diesem Regime Frieden schließen, irren Sie sich gewaltig“, sagte Pahlavi. Es gebe in der Regierung keine Pragmatiker oder Reformer, nur „unterschiedliche Gesichter eines Regimes“. 

Schah-Sohn: Was das beste System ist, müssen die Bürger entscheiden

Pahlavi lebt eigentlich seit fast fünf Jahrzehnten im US-Exil, derzeit aber wirbt er auf Europareise um Unterstützung für den Freiheitskampf der Iraner. Sein Credo: Er wolle die einende nationale Figur sein, er führe den Dialog mit den verschiedenen Teilen der Opposition. Für eine säkulare Demokratie. Oder doch für eine Monarchie, vielleicht in der modernen europäischen Form? Pahlavi bleibt auch an diesem Tag vage, als er danach gefragt wird: Er stehe für freie Wahlen – was dann das beste System für den Iran sei, müssten die Bürger im Iran selbst entscheiden.

Als Kronprinz war er einst auf die Herrschaft im Iran vorbereitet worden. Seine Heimat verließ Pahlavi 1978 als 17-Jähriger für eine Kampfpiloten-Ausbildung in den USA. Er sollte nie zurückkehren: Ein Jahr später wurde sein Vater Mohammed Reza Pahlavi von islamistischen Fundamentalisten gestürzt, er starb ein Jahr später im ägyptischen Exil.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Während Pahlavi spricht, demonstrieren im Regierungsviertel Exil-Iraner gegen das Mullah-Regime und fordern, Deutschland und die EU müssten „Prinz Reza Pahlavi“ unterstützen. Doch es gibt auch Gegendemonstrationen: Für den Nachmittag haben sich Gegner des Schah-Sohns, die hinter der islamistischen Regierung in Teheran stehen, zu einer Demonstration angesagt. Von der tief gespaltenen iranischen Opposition wird Pahlavi nur zum Teil unterstützt. Wie viele Anhänger er im Iran hat, ist unklar.

Im Januar, während der breiten Proteste gegen das Mullah-Regime, hatte er die Bürger in einer Videoansprache zu weiteren Demonstrationen aufgerufen und einen überraschenden Mobilisierungserfolg erzielt: Da schien es, als könne er als Symbolfigur die Opposition tatsächlich zu einem Umsturz befeuern. Doch dann schlug das Regime die Proteste mit gnadenloser Härte nieder, die erhoffte Hilfe aus dem Ausland blieb aus – jetzt ist Pahlavi umstritten wie zuvor.

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Kritiker vermissen Distanzierung von der blutigen Schah-Herrschaft

Er präsentiert sich nicht als rachsüchtiger Monarch, sondern als netter, älterer Herr, der den demokratischen Übergang moderieren könnte. Das hat ihm besonders bei der jungen Generation Sympathien eingebracht. Kritiker indes stoßen sich unter anderem an seiner Unterstützung Israels. Dass er weiterhin den US-Angriff auf den Iran als „notwendig“ verteidigt, ist unter Iranern ebenfalls umstritten – im Land selbst wird zunehmend ein Ende der Zerstörungen ersehnt.

Vor allem linke Gruppen, ethnische Minderheiten und überzeugte Republikaner misstrauen seinem Versprechen von Demokratie. Die Befürchtung, dass ein „System Pahlavi“ lediglich die alte Autokratie durch eine neue ersetzen würde, wird durch radikale Monarchisten genährt, die in sozialen Netzwerken oft aggressiv gegen andere Oppositionsmitglieder vorgehen.

Demonstranten in Berlin feiern den Schah-Sohn Reza Pahlavi nach seinem Auftritt in der Bundespressekonferenz.
Demonstranten in Berlin feiern den Schah-Sohn Reza Pahlavi nach seinem Auftritt in der Bundespressekonferenz. © AFP | John Macdougall

Kritiker werfen dem Schah-Sohn zudem vor, er habe sich nie von der blutigen Herrschaft seines Vaters distanziert, der sich mithilfe einer brutalen Geheimpolizei an der Macht hielt. So ist Pahlavi zwar im Westen die bekannteste Oppositionsfigur – aber ihm fehlt die offensive Unterstützung durch westliche Regierungen. Deren Drängen auf Diplomatie, Deals und Waffenstillstand ignoriere den Freiheitskampf, klagt er in Berlin. „Das Regime war noch nie so schwach wie jetzt“, sagte Pahlavi. Es bestehe die einmalige Gelegenheit, „dem ein Ende zu setzen“.

Doch im Regierungsviertel ist Armin Laschet (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, sein ranghöchster Gesprächspartner. „Er ist das einzige Oppositionsgesicht, das man kennt“, verteidigt Laschet das Treffen mit Pahlavi, an dem auch weitere Parlamentarier teilnehmen.

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„Ich bin überzeugt, dass er eine Person sein kann, die einen Übergang leitet“, betont Laschet in der ARD. „Er hat nichts mit der Monarchie seines Vaters zu tun, das ist ja auch fast 40 Jahre her.“ Falls das Regime stürze, dann könnten sich „viele auf ihn verständigen“. Das Treffen Laschets mit Pahlavi hatten zahlreiche deutsch-iranische Gemeinschaften im Vorfeld kritisiert. Damit werde einer umstrittenen und polarisierenden Figur Legitimität verliehen, echte demokratische Bestrebungen des iranischen Volkes würden untergraben, heißt es in einem Schreiben, das auch deutsche Persönlichkeiten wie der frühere Berater von Helmut Kohl, Horst Teltschik, unterzeichneten.  

Auch die Bundesregierung bleibt auf Distanz. Sie lehnt es ab, Pahlavi zu einem Gespräch mit einem offiziellen Regierungsvertreter zu empfangen: Er halte sich als Privatmann in Berlin auf, für ein Gespräch gebe es keinen Anlass, hatte Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärt. Die Regierung versucht ja gerade hinter den Kulissen, die bestehenden Kontakte mit den Machthabern in Teheran zu beleben, um die Friedensbemühungen zu unterstützen. Ein Ende des Krieges, nicht ein Regimewechsel, hat für Berlin Priorität.

Pahlavi aber warnt, Europa stehe vor der Wahl „zwischen einem sterbenden Regime, das uns alle gefährdet, und einem freien Iran“. Das Regime exportiere Terror: Iranische Agenten seien auch in Deutschland aktiv, sagt Pahlavi. Er ist sich sicher, dass die Tage der Mullah-Herrschaft gezählt sind, und schickt eine deutliche Mahnung ans Kanzleramt: „Am Tag unseres Sieges hoffe ich, sagen zu können, dass Deutschland an unserer Seite stand.“