• In der Nacht auf Sonntag (deutscher Zeit) fielen bei einem Medien-Dinner in der Nähe von Trump Schüsse
  • Immer mehr Details zum Schützen werden publik
  • Unter anderem veröffentlichte er ein krudes Manifest

Was hat den Mann, der am Samstagabend (Ortszeit) bewaffnet ein Dinner mit US-Präsident Donald Trump stürmen wollte, angetrieben? Auf der Suche nach einem Motiv sind die Ermittler einen Schritt weitergekommen: Ihnen liegt inzwischen ein „Manifest“ des mutmaßlichen Täters vor. Sicherheitsbehörden bestätigten gegenüber mehreren US-Medien, dass Cole Tomas Allen, der von Sicherheitskräften festgenommen werden konnte, kurz vor seinem Auftritt im Washingtoner Hilton Hotel Familienmitgliedern ein umfangreiches Schriftstück zukommen ließ.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Darin bezeichnete sich der 31-jährige Kalifornier, der mit dem Zug via Los Angeles und Chicago nach Washington gereist war, als „friendly federal assassin“ (etwa: freundlicher Bundeskiller) und gab bekannt, dass er gezielt versuchen werde, Regierungsbeamte „vom höchsten zum niedrigsten Rang“ auszuschalten. „Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt“, schrieb Allen, offenbar in Anspielung auf Präsident Donald Trump, dem in der Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein schwere Vorwürfe gemacht werden.

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Auf Allens Social-Media-Konten fanden sich laut Behördenangaben zahlreiche Anti-Trump- und antichristliche Äußerungen. Der Bruder des Tatverdächtigen hatte die Polizei von New London im Bundesstaat Connecticut vorab über Allens Manifest informiert. Wann genau, ist bisher nicht bekannt.

Schwester des mutmaßlichen Täters spricht über „Plan“ ihres Bruders

Weitere Hinweise zogen die Ermittler aus Gesprächen mit Allens Schwester Avriana Allen, die in Rockville (Maryland) vor den Toren Washingtons lebt. Sie sagte demnach aus, dass ihr Bruder zu radikaler Rhetorik neige. Ständig beziehe er sich auf einen Plan, „etwas“ zu tun, um die Probleme der heutigen Welt zu lösen.

Allen hatte die drei im Hilton Hotel eingesetzten Waffen, zwei Pistolen und eine Schrotflinte, bei der Firma „Cap Tactical Firearms” gekauft und sie im Haus seiner Eltern aufbewahrt, die offenbar ahnungslos waren. Er war Mitglied einer Aktivistengruppe namens „The Wide Awakes“, die sich in den 1860er Jahren der Wahl von Abraham Lincoln ins Weiße Haus verschrieben hatte. Allen nahm in der Vergangenheit auch an einer der landesweiten „No Kings“-Demonstrationen gegen Trump teil.

Schüsse in Washington: Bilder vom Attentatsversuch auf Trump

Security Scare at The White House Correspondents' Dinner with President Trump
Ein bewaffneter Mann hat bei einer Gala in Washington für Panik gesorgt. © Getty Images | Andrew Harnik
U.S. President Donald Trump is escorted out of the White House Correspondents' Association (WHCA) dinner in Washington
Bei dem Event war auch US-Präsident Trump anwesend. Er wurde in Sicherheit gebracht.© REUTERS | Bo Erickson
White House Correspondents' Association Dinner
Zuvor waren mehrere Schüsse abgefeuert worden. Die Menschen gerieten teils in Panik.© AFP | MANDEL NGAN
U.S., Washington: President Trump shooting incident at White House correspondents dinner
Der mutmaßliche Attentäter konnte von Sicherheitskräften festgenommen werden. © picture alliance / ROPI | FOTOGRAMMA
Medien-Dinner der Washingtoner Hauptstadtpresse
Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.© Allison Robbert/AP/dpa | ALLISON ROBBERT
U.S., Washington: President Trump shooting incident at White House correspondents dinner
Videoaufnahmen zeigen, wie der Mann in den Sicherheitsbereich stürmt.© picture alliance / ROPI | FOTOGRAMMA
Security Scare at The White House Correspondents' Dinner with President Trump
Bis zur Veranstaltung selbst konnte er allerdings nicht vordingen.© Getty Images | Andrew Harnik
Nach dem Attentatsversuch patrouillierten FBI-Beamte auf den Straßen.
Nach dem Attentatsversuch patrouillierten FBI-Beamte auf den Straßen.© AFP | PATRICK T. FALLON
White House Correspondents' Association (WHCA) dinner in Washington
Bei der Gala waren viele US-Journalistinnen und -Journalisten anwesend.© REUTERS | JONATHAN ERNST
U.S. President Donald Trump and first lady Melania Trump rushed out of the White House Correspondents' Association dinner
Die Veranstaltung wurde nach dem Zwischenfall abgebrochen.© REUTERS | Evan Vucci
Aftermath of the shooting incident during the annual White House Correspondents' Association dinner
Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen Lehrer aus Kalifornien handeln.© REUTERS | Daniel Cole
gepixelt
Er wurde von Einsatzkräften überwältigt und festgenommen.© Handout/AFP | @REALDONALDTRUMP - TRUTH SOCIAL
Medien-Dinner der Washingtoner Hauptstadtpresse
Zu seinem Motiv gibt es noch keine Informationen.© Alex Brandon/AP/dpa | Alex Brandon
White House Correspondents' Association Dinner
Auch Vizepräsident Vance war bei dem Event anwesend.© AFP | MANDEL NGAN
White House Correspondents' Association Dinner
Der US-Präsident wurde von seiner Frau begleitet.© AFP | MANDEL NGAN
Medien-Dinner der Washingtoner Hauptstadtpresse
Trump hat sich inzwischen bei einer Pressekonferenz geäußert. © AP/dpa | Jose Luis Magana

Sein kriminelles Tun, das ihn im Falle einer Verurteilung für Jahrzehnte ins Gefängnis bringen könnte, rechtfertigte Allen mit einer kruden Argumentation: „Die andere Wange hinzuhalten ist etwas für den Fall, dass man selbst unterdrückt wird“, schrieb er. „Ich bin nicht die Person, die in einem Internierungslager vergewaltigt wurde. Ich bin nicht der Fischer, der ohne Gerichtsverfahren hingerichtet wurde. Ich bin kein Schulkind, das in die Luft gesprengt wurde, kein hungerndes Kind und kein Teenager-Mädchen, das von den vielen Kriminellen in dieser Regierung missbraucht wurde. Die andere Wange hinzuhalten, wenn *jemand anderes* unterdrückt wird, ist kein christliches Verhalten; es ist Mittäterschaft an den Verbrechen des Unterdrückers.“

Manifest des mutmaßlichen Schützen: „Würde fast jeden hier durchschießen“

Allen, ein mehrfach studierter Computer-Wissenschaftler, kündigte in dem Manifest an, bei seinem in letzter Minute von der Polizei verhinderten Amoklauf „Schrot statt Geschosse zu verwenden (geringere Durchschlagskraft durch Wände), um die Zahl der Opfer zu minimieren”. Dann der Zusatz: „Ich würde trotzdem fast jeden hier durchschießen, um an die Ziele zu gelangen, wenn es absolut notwendig wäre (auf der Grundlage, dass die meisten Menschen sich *bewusst* dafür entschieden haben, einer Rede eines Pädophilen, Vergewaltigers und Verräters beizuwohnen, und somit mitschuldig sind), aber ich hoffe wirklich, dass es nicht so weit kommt.“

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Besonders delikat: Der mutmaßliche Attentäter, der am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden soll, verspottete die „wahnsinnige“ Sicherheitslücke im Washingtoner Hilton Hotel. „Das Einzige, was mir sofort auffiel, als ich das Hotel betrat, war das Gefühl von Arroganz. Ich komme mit mehreren Waffen herein und kein einziger Mensch dort zieht die Möglichkeit in Betracht, dass ich eine Bedrohung sein könnte“, schrieb er.

„Die Sicherheitskräfte bei der Veranstaltung befinden sich alle draußen und konzentrieren sich auf Demonstranten und gerade Ankommende, weil offenbar niemand daran gedacht hat, was passiert, wenn jemand am Vortag eincheckt.” Das Maß an ‚Inkompetenz‘ der Sicherheitsbehörden sei wahnsinnig, „und ich hoffe aufrichtig, dass es korrigiert wird, bis dieses Land wieder eine tatsächlich kompetente Führung bekommt.“ Allen schrieb, dass iranische Agenten eine noch verheerendere Feuerkraft hätten mitbringen können – und „niemand hätte einen Scheiß bemerkt“.