Nach dem „War Powers Act“, der eine 60-Tage-Frist vorsieht, hätte Donald Trump spätestens an diesem Samstag den Kongress um Zustimmung für die Fortsetzung des Krieges gegen den Iran bitten müssen. Andernfalls droht nach dem Gesetz der Abzug der Truppen. Donald Trump geht diesen Gang zum Parlament nicht; er fühlt sich allein zuständig. Sein erstes Argument: Seit dem am 7. April verkündeten Waffenstillstand sei die Frist ausgesetzt. Später legte er mit der Erklärung nach, die Feindseligkeiten seien „beendet“. Ein Taschenspielertrick, finden die oppositionellen Demokraten. Denn Trump schließt eine Fortsetzung des Krieges nicht aus. Viele Experten, selbst aus konservativen Kreisen, sagen trotzdem: Trump hat den Krieg längst verloren. Warum?
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„Vollkommen ausgelöscht“? Auf keinen Fall
Trump hat sehr früh behauptet, Iran sei militärisch erledigt, seine Luftverteidigung zerstört, seine Marine am Meeresboden, sein Atomprogramm „obliterated“ („vollkommen ausgelöscht“). Doch die Wirklichkeit widerspricht der Siegesrhetorik. Die Seestraße von Hormus, vor dem 28. Februar frei, ist vom Iran in eine Art Geiselhaft genommen; wer „Lösegeld“ zahlt, kommt durch. Der Rest – staut sich im Persischen Golf. Abermillionen Liter Öl können nicht exportiert werden. Die Verknappung hat die Preise zuletzt auf 125 Dollar je Barrel steigen lassen, fast 100 Prozent mehr als vor dem Krieg, der die USA laut Pentagon bisher 25 Milliarden Dollar gekostet hat. Die tatsächlichen Kosten werden auf 50 Milliarden taxiert.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Die erste falsche Annahme war die älteste amerikanische Versuchung im Nahen Osten: Man könne ein politisches Problem durch überwältigende Luftmacht erledigen. Der zweite Irrtum: Iran werde nach den ersten Schlägen zügig einknicken und kapitulieren. Das Gegenteil ist passiert. Teheran ist beschädigt, das Regime verlor fast 40 Top-Militärs und Funktionäre, darunter den Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei – aber das Regime ist nicht zerbrochen.
Teheran diktiert die Bedingungen für die Diplomatie
Inzwischen diktiert der Iran die Bedingungen für die Diplomatie: erst Ende der US-Seeblockade, dann Gespräche über die Seestraße von Hormus – nicht umgekehrt. Trump hat Irans Angebot abgelehnt. Er möchte zuerst nukleare Zugeständnisse. Das klingt hart. Tatsächlich ist es Bettelei, bei der Teheran nicht mitspielt. Und: Die Krise um Hormus frisst sich durch Tanker, Versicherungen, Raffinerien, Anleihemärkte, Lebensmittel- und Düngemittelpreise – weltweit.
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Vierter Punkt: Trump überschätzte die politische Wirkung von Demütigung. Er nannte Iran zuletzt sinngemäß ein Land, das „ersticken“ müsse; es sei „wie ein vollgestopftes Schwein am Würgen“. Solche Sätze funktionieren im Kirmeszelt. In Teheran helfen sie den Hardlinern, um die Reihen gegen „Uncle Sam“ zu schließen.
Der fünfte Irrtum betrifft das Atomprogramm. Washington und Kriegspartner Israel taten so, als könne man Irans nukleare Kapazität aus der Luft ausradieren. Tatsache ist: Hoch angereichertes Uran liegt noch immer in den Trümmern von Isfahan. Es zu bergen, würde für Amerika zum Himmelfahrtskommando.

Sechster Fehler: Man unterschätzte Irans Rest-Arsenal. US- und israelische Angriffe haben massive Schäden erzeugt, aber nicht den iranischen Werkzeugkasten. Nach US-Einschätzungen verfügt der Iran über Tausende Raketen und Drohnen, teils gesichert Hunderte Meter tief in der Erde.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Siebter Punkt: Die USA haben ihre Verbündeten als Schmuddelkinder behandelt. Europäer sollten helfen, Hormus zu öffnen, und politische Deckung liefern, wurden aber zuvor nie eingebunden. Das ist kein Bündnismanagement. Das ist Kriegsdiplomatie als Kränkungsspirale.

Trump hat einen Krieg begonnen, den er nicht sauber beenden kann
Achter Fehler: Trump glaubte, Innenpolitik lasse sich durch Kriegsrhetorik stabilisieren. In Wahrheit ist das Gegenteil geschehen. Der Krieg, über dessen Ziele die Bevölkerung nie verlässlich aufgeklärt wurde, hat die Benzinpreise in den USA um fast 40 Prozent ansteigen lassen. In Umfragen trägt nur noch eine Minderheit von 30 Prozent den Krieg mit. An der Heimatfront steht „Feldherr Fersensporn“ (eine Anspielung darauf, wie Trump als junger Mensch den Militärdienst umging) auf der Verliererseite.
Neunter Fehler: Die militärische Maschine der Vereinigten Staaten wurde strapaziert wie lange nicht. Die Bestände an zentralen Waffen (Patriot-Raketen etc.) sind so drastisch ausgeschöpft, dass es Jahre dauern wird, um die Depots wieder zu füllen.
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Zehnter und größter Fehler: Trump hat den Iran nicht klein gemacht. Er hat ihm Größe verliehen. Vor dem Krieg war der Iran ein geschwächtes, repressives, wirtschaftlich angeschlagenes Regime. Heute sitzt es am wichtigsten Energiehals der Welt, lässt Washington um Verhandlungen ringen, zwingt Europa in Krisensitzungen und holt sich Unterstützung bei dem anderen Kriegsherrn in Moskau.
Natürlich: Der Iran leidet. Seine Währung fällt, die Blockade trifft Ölexporte, der Krieg hat viele Opfer, Infrastruktur und Nerven gekostet. Aber Leid ist nicht Kapitulation. Trump wollte einen kurzen, dominierenden Krieg. Er bekam eine offene Flanke im Weltenergiesystem, eine juristische Krise zu Hause und einen Gegner, der militärisch blutet, politisch aber steht.
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Donald Trump hat – gegen den Rat engster Zuarbeiter (Vizepräsident Vance, Generalstabschef Caine) – einen Krieg begonnen, den er nicht sauber beenden kann. Er hat die Weltwirtschaft näher an den Abgrund geschoben. Und er hat aus einem geschwächten Iran einen Akteur gemacht, der wieder entscheidet, wann und worüber geredet wird. So sieht es aus in einem Land, das nach Angaben seines Präsidenten des Siegens längst überdrüssig geworden ist …







