Donald Trump macht offenbar wirklich ernst. 5000 US-Soldaten sollen bis spätestens Mitte nächsten Jahres aus Deutschland abgezogen werden. Eine bewusste Breitseite gegen Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Iran-Politik des US-Präsidenten kritisiert hatte. Alles Wichtige auf einen Blick:
An welche Standorten wird das Personal abgezogen?
Das ist noch unklar. Die Versorgung verletzter Soldaten im Landstuhl Regional Medical Center in Deutschland soll nicht beeinträchtigt werden. Landstuhl ist das größte US-Krankenhaus im Ausland und hat auch US-Soldaten versorgt, die durch iranische Angriffe verletzt wurden. Auch der Luftwaffen-Stützpunkt Ramstein gilt als zu wichtig. Ob das Hauptquartier des US-Europakommandos und das US-Afrikakommando betroffen sein werden, ist bisher nicht bekannt.
Pentagon-Insider sagten, der Abzug werde eine Brigade-Kampfeinheit. Aber nicht nur das: Ein Bataillon mit konventionellen Langstreckenraketen, das auf Grundlage eines Beschlusses aus der Joe Biden-Präsidentschaft auf dem Nato-Gipfel 2024 in Washington noch in diesem Jahr nach Deutschland entsandt werden sollte, werde ebenfalls an einem anderen Ort eingesetzt. Durch die Kürzungen, so das Pentagon, würde die Zahl der US-Truppen in Europa wieder auf das Niveau von 2022 zurückgeführt, also vor der russischen Invasion in der Ukraine.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
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Wie sieht das in Zahlen aus?
Derzeit sind sind rund 36.500 US-Soldaten in Deutschland stationiert, etwa die Hälfte der gesamten militärischen Präsenz Washingtons in Europa. Nicht eingerechnet sind 1500 Reservisten und 11.500 Zivilisten. Minus 5000 – macht rund 31 000.
Kann der Kongress Trumps Anordnung noch verhindern?
Nein. Die einzige konkrete Beschränkung für den Präsidenten ist ein Gesetz aus 2025. Es besagt, dass Trump mindestens 76.000 Soldaten in Europa belassen muss. Derzeit sind laut Pentagon rund 85.000 Soldaten auf dem alten Kontinent stationiert. Trump hat also rechnerisch 9000 Soldaten Spielraum. Mit 5000 Kräften aus Deutschland schöpft er ihn nicht mal voll aus.
Geht so ein Abzug leicht vonstatten?
Auf dem Papier - ja. In der Praxis - nein. Die Kosten sind enorm. Tausende von Soldatenfamilien werden entwurzelt, lokale deutsche Mitarbeiter müssen entlassen werden. Im konkreten Fall stellt sich die Frage, wo die 5000 Soldaten hingehen sollen. US-Stützpunkte können so viele Menschen nicht auf einen Schlag aufnehmen; auch nicht in Amerika.

Kommt die Ankündigung aus heiterem Himmel?
Nein. Anfang der Woche hatte Trump in sozialen Medien gepostet, dass die Regierung ihre militärische Präsenz in Deutschland – Sitz des US-Europakommandos und des US-Afrikakommandos – überprüfen und in Kürze eine endgültige Entscheidung über etwaige Änderungen treffen werde. Schon während seiner ersten Amtszeit wollte Trump 12 000 US-Soldaten aus Deutschland abkommandieren. Nachfolger Joe Joe Biden legte den Plan auf Eis.
Was war der konkrete Auslöser?
Der Präsident hat in den vergangenen Wochen mehrere europäische Verbündete, darunter Spanien, England, Italien und Deutschland, teils massiv dafür kritisiert, dass sie seinen völkerrechtlich umstrittenen und bisher ohne schlagenden Erfolg geführten Krieg gegen den Iran nicht unterstützen.
Spielen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz eine besondere Rolle?
Ja. Nachdem Merz diese Woche gesagt hatte, „die Amerikaner haben eindeutig keine Strategie“ in Bezug auf den Iran und würden von Teheran „gedemütigt“, keilte Trump sofort zurück. Merz habe „keine Ahnung, wovon er rede“. Später legte er nach: „Der deutsche Bundeskanzler sollte mehr Zeit darauf verwenden, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden (wo er völlig wirkungslos war!) und sein kaputtes Land in Ordnung zu bringen, insbesondere in den Bereichen Einwanderung und Energie, und weniger Zeit darauf, sich in die Angelegenheiten derer einzumischen, die die iranische Atomgefahr beseitigen und damit die Welt, einschließlich Deutschland, zu einem sichereren Ort machen!“ Merz ging auf die Maßregelung bisher nicht ein. Er sagte: „Unser Kompass ist weiterhin klar auf eine starke Nato und eine verlässliche transatlantische Partnerschaft ausgerichtet.”

Ist Merz jetzt düpiert?
Bei seinem Antrittsbesuch im Juni 2025 in Washington sagte Trump, dass er die US-Truppenstärke in Deutschland beibehalten wolle. Auf Nachfrage einer Reporterin erklärte er, wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. „Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem.” Auch im März dieses Jahres, als Merz zum zweiten Mal im Oval Office saß, gab es keine anderweitigen Signale. „Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe«, sagte Merz nach dem Treffen mit Trump. Das ist jetzt Makulatur. Aus dem Pentagon hieß es, Merz sollte zu spüren bekommen, dass seine „Rhetorik unangemessen und wenig hilfreich” gewesen sei.
Bis wann soll der Abzug vollzogen sein?
Der Chefsprecher des Pentagons, Sean Parnell, erklärte in einer Stellungnahme: „Wir gehen davon aus, dass der Abzug in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein wird. Heißt: spätestens bis Mai 2027
Wie reagieren Experten in Amerika?
Der ehemalige General Mark Hertling, der als Kommandeur der US-Armee in Europa zwischen 2003 und 2011 einen Teil-Truppenabzug organisierte, erklärte auf „X“: „Das ist eine der kurzsichtigsten Entscheidungen, die man sich vorstellen kann, eine reflexartige Reaktion, die unserem Land und unserem Militär weiteren Schaden zufügen wird.” Hertling bezweifelt, dass es eine „gründliche Überprüfung“ gegeben hat, wie das Verteidigungsministerium behauptet. Ein Truppenabzug über sechs bis zwölf Monate werde die Streitkräfte während des Iran-Krieges schwächen, „unsere Verbündeten aufgrund mangelnder Koordination weiter verprellen und Soldaten und ihre Familien hin und her schubsen”.

Andere Experten in Washington sehen bei Trump die Fortsetzung eines konsequent Europa-feindlichen Kurses: „Wenn du Europa in deiner Nationalen Sicherheitsstrategie unhöflich und unnötig beleidigst, versuchst, Grönland von einem Verbündeten zu stehlen, dessen Soldaten gemeinsam mit Amerikanern in Afghanistan gekämpft haben und gestorben sind, den Angreifer beschwichtigst und die Angegriffenen in der Ukraine beleidigst und es versäumst, dich vor einem großen Krieg mit dem Iran mit massiven wirtschaftlichen Folgen mit den europäischen Verbündeten abzustimmen, dann sei nicht überrascht, wenn die Europäer ein bisschen verärgert sind”, schrieb der frühere Militär-Berater Brad Bowman auf „X“.



