Die USA und Israel haben zu Beginn des Iran-Kriegs offenbar gezielt versucht, mit der Militäraktion einen Machtwechsel in Teheran zu organisieren. Vorbild war wohl die erfolgreiche US-Intervention in Venezuela. Doch der Plan ging schief – jetzt muss US-Präsident Donald Trump zusehen, wie ein erbitterter Machtkampf in Teheran die Aussichten auf eine rasche Friedenslösung erschwert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Über den missglückten Coup berichtet die „New York Times“. Demnach soll der israelische Geheimdienst den früheren iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad als geeigneten Kandidaten für die kontrollierte Machtübernahme ausgewählt und Kontakt zu ihm aufgenommen haben. Ahmadineschad – einst ein zutiefst israelfeindlicher Hardliner – stand unter Hausarrest, er hatte sich nach seiner Amtszeit von 2005 bis 2013 mit dem Regime überworfen. Seine Reisen in den Westen erregten Misstrauen, er wurde von den Behörden überwacht.
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Luftangriff verletzte früheren iranischen Präsidenten Ahmadineschad
Schon am ersten Tag des Kriegs sollte Ahmadineschad mithilfe eines israelischen Luftangriffs befreit werden, so der Zeitungsbericht. Doch beim Angriff wurde nicht nur der Wachposten der Islamischen Revolutionsgarden an der Zufahrt zu seinem Haus in Teherans Norden getroffen, sondern auch das Haus selbst beschädigt. Zunächst hieß es in iranischen Meldungen, Ahmadineschad sei ums Leben gekommen, tatsächlich überlebte er mit Verletzungen.
Offenbar konnte der 69-Jährige seinen Bewachern zunächst entkommen, er soll inzwischen aber wieder von den Sicherheitsbehörden in Teheran festgehalten werden. Über seinen Zustand ist nichts bekannt. Klar ist, dass sich der in Washington und Jerusalem entwickelte Stufenplan erledigt hat: Nach der gezielten Tötung des obersten Religionsführers Ali Khamenei und einem orchestrierten Angriff von Kurden auf die iranischen Streitkräfte hätte das Regime immer stärker unter Druck gebracht werden sollen, auch mit Sabotageakten – das sollte den Weg frei machen für einen Regimewechsel.

Modell Venezuela im Iran gescheitert: Trumps großes Problem
Die US-Seite habe den Ex-Präsidenten als jemanden betrachtet, der den Iran führen und die Situation politisch, sozial und militärisch managen könne, zitiert die „New York Times“ einen Verbindungsmann Ahmadineschads. Demnach hätte er eine ähnliche Rolle spielen sollen, die in Venezuela die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez zur Zufriedenheit von Trump ausfüllt, nachdem dort der frühere Machthaber Nicolás Maduro in einer spektakulären US-Kommandoaktion gekidnappt und vor ein US-Gericht gebracht worden ist.
Nicht nur dieser Plan ist gescheitert: Auch andere iranische Führungsleute, die das Weiße Haus als ebenfalls geeignet für Verhandlungen über einen Regimewechsel betrachtet hatte, standen schnell nicht mehr zur Verfügung – sie kamen bei dem Luftangriff am ersten Kriegstag um. Damit hat Trump jetzt ein großes Problem: Das iranische Regime hat überlebt, aber wer nun wirklich die Macht hat, ist völlig unklar. Vieles deutet auf heftige Rivalenkämpfe hin, die die Gespräche über ein von Trump sehnlichst erwartetes Waffenstillstands-Abkommen erschweren, eine Einigung vielleicht sogar unmöglich machen.
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Der neue Oberste Führer, Mojtaba Khamenei, genießt offenbar nur eingeschränkte Autorität, seine Handlungsfähigkeit ist begrenzt, in der Öffentlichkeit ist er nicht sichtbar. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat hat Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf zum Chefunterhändler für die Gespräche über ein Kriegsende ernannt, Außenminister Abbas Araghtschi zu seinem Stellvertreter. Beide sind verhandlungsbereit, aber gerade deshalb umstritten. Vor allem die Islamischen Revolutionsgarden, die im Krieg eine zentrale Machtposition einnehmen, leisten Widerstand. An der Spitze der Revolutionsgarden steht Ahmad Vahidi, den viele für den eigentlich Mächtigen in Teheran halten.
Die USA und Iran warnen sich gegenseitig vor neuem Krieg
Vahidi warnt jetzt, sollten die USA und Israel erneut angreifen, werde der Iran den Krieg weit über die Region hinaus tragen. Gemeint sind wohl Terroranschläge in Europa oder Angriffe mit Mittelstreckenraketen auf europäische Ziele, analysieren Militärexperten des unabhängigen Instituts für Kriegsstudien (ISW) in Washington. Es ist ein grundsätzlicher Streit in Teheran: Die Hardliner fürchten, Verhandlungen mit den USA seien sinnlos und würden nur die Position des Regimes schwächen – die Gegenseite warnt, ohne Kompromiss drohe erst recht der Zusammenbruch.
Derart zerstritten reisten die Iraner zu den Friedensgesprächen in Islamabad mit einer viel zu großen Delegation von 80 Männern an, darunter prominente Hardliner ebenso wie Diplomaten, die schon das Atomabkommen von 2015 ausgehandelt hatten. In der Folge mussten die pakistanischen Vermittler zwischendurch Streitigkeiten unter den Iranern schlichten.

Pakistanischer Innenminister sucht Vermittlung in Teheran
Aktuell ist der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi zu Vermittlungsgesprächen in Teheran, am Donnerstag reiste auch der pakistanische Armeechef Asim Munir an. Das Misstrauen im Mullah-Regime ist aber groß: Die USA strebten offenbar eine neue Runde des Krieges an, das zeigten die offenen und verdeckten Bewegungen „des Feindes“, hieß es vorab in Teheran.
Während das Regime nach eigenen Angaben einen neuen Vorschlag der USA prüft, warnt Trump vor einem Scheitern der Gespräche und neuen Angriffen auf den Iran: „Es steht wirklich auf des Messers Schneide“, sagt der US-Präsident. „Wenn wir nicht die richtigen Antworten bekommen, geht es sehr schnell. Wir sind alle bereit.“









