Gerade eben war die „Internet ist für uns alle Neuland“-Zitatgeberin auf der Digitalkonferenz „Republica“. Auch zu Buckelwal „Timmy“ äußerte sich die Altkanzlerin. Dafür, dass es zuletzt ruhig um sie geworden war, ist Angela Merkel in diesen Tagen überraschend präsent.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Jetzt gab es in Berlin einen weiteren Auftritt. Bei einer Buchpräsentation im „Berliner Ensemble“ hat die 71-Jährige auf den Kampf der Frauenbewegung im Iran aufmerksam gemacht. Ein Termin, vor dessen Zusage Merkel gezögert habe. Immerhin habe sie keine operativen Aufgaben mehr, erklärt Merkel. Geschweige denn operative Möglichkeiten, auf die Entwicklung im Iran und das Wohl der Menschen Einfluss nehmen zu können.
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„Auf den Straßen Teherans“: Buchautorin Nila lebt nun im Exil
Trotzdem hat sie sich dazu entschieden, das Buch „Auf den Straßen Teherans“ vorzustellen. Ein Buch, das international viel Beachtung findet – und das Merkel selbst gar nicht geschrieben hat. Stattdessen eine anonyme Autorin aus dem Iran, der man den Namen „Nila“ gegeben hat. Merkel hat der Frau aus dem Iran für einen Abend ihre Stimme verliehen.
Übersetzt wurde das Buch von der Schriftstellerin Asal Dardan, die den Abend in Berlin begleitete. Sie erzählte, dass die Autorin Nila in diesem Jahr aus dem Iran fliehen musste und nun im Exil lebt. Ihre jetzt veröffentlichte literarisch-politische Chronik erzählt von den Massenprotesten der iranischen Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ im Herbst 2022.
Merkel habe das Buch, wie sie sagt, „in einem Zug“ durchgelesen. Es habe sie gefesselt und berührt. Der Grund, weshalb sich Merkel am Ende doch für diesen öffentlichen Auftritt entschieden hat. In das Theaterhaus passen zwischen 650 und 700 Menschen. Der Abend war restlos ausverkauft.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Merkel fordert Solidarität für Frauen im Iran
„Sehen wir heute Abend gemeinsam hin“, forderte Merkel das Publikum in ihrer Rede auf. „Damit die Frauen und Mädchen, denen Nila mit ihrem Buch eine Stimme gibt, ihre Sehnsucht nach Freiheit und Menschenwürde, ihr Widerstand gegen Unfreiheit und Unterdrückung nicht vergessen werden. Damit sie spüren, dass sie nicht allein sind.“
Auch wenn sich die einstige Frauenministerin während ihrer 16-jährigen Kanzlerschaft selten für Frauenbewegungen eingesetzt hat – das Thema Freiheit scheint Merkel am Herzen zu liegen. Auch ihre eigene Autobiografie, die im November 2025 erschien, trägt diesen kurzen, aber prägnanten Titel. Dass Merkel nun aber ein Buch einer anderen Person vorstellt, ist eine Seltenheit. Das hat sie bisher lediglich ein Mal gemacht. Im September 2015 stellte Merkel die Biografie ihres Vorgängers Gerhard Schröder vor. Damals war Merkel noch Bundeskanzlerin.
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Merkel zeigt sich bewegt vom Mut der iranischen Frauen
Vielleicht könne sie, vielleicht müsse sie aber sogar ihre neue Rolle als Altkanzlerin nutzen, um einen kleinen Beitrag zu leisten, sagt Merkel selbst. Dabei zitierte sie in ihrer Rede im Theater Schilderungen von Nila zu Beginn des Buches. „Die Zahl der iranischen Frauen, die sich zur Wehr setzen, steigt beständig. Und nun hat ihr Kampf – obwohl er weder gebündelt noch schnell verläuft – eine dermaßen große Welle des zivilen Ungehorsams ausgelöst, dass die Welt gezwungen ist, hinzusehen.“
Wie mehrere Medien berichten, die den Auftritt von Merkel verfolgt haben, sei ihr anzumerken gewesen, wie wichtig ihr diese Veranstaltung war. Ihre Unsicherheit habe man ihr förmlich ansehen können, wie die „Zeit“ berichtet. So habe Merkel sogar eingestanden, dass sie manches im Buch selbst gar nicht verstanden habe. Sie hätte dann erst einmal nachschlagen müssen – habe aber mit wachsendem Interesse jede weitere Seite gelesen. Und dann sei Merkel begeistert gewesen: Über die Entschlossenheit und den Mut der Frauen im Iran, die sich gegen die Mächtigen zu stellen.
mit dpa






