Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält den Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle für einen Anschlag, der auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. Bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend am Flughafen schloss er auch „fremde Mächte“ als Drahtzieher nicht aus. Es handele sich um ein „hybrides Anschlagsszenario“, so Dobrindt. Solche hybriden Bedrohungslagen müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Man brauche dafür ein hohes Maß an Technikerfahrung und Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff. Außerdem sei davon auszugehen, dass es sich bei dem verwendeten Sprengstoff um militärischen Sprengstoff handele. „Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen“, so Dobrindt.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch war auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne entdeckt worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor.

Drohnen-Vorfall in Leipzig neues Bedrohungsszenario

Den ersten Angaben zufolge war an der Drohne ein Sprengstoff mit Zünder befestigt. Spezialisten der Bundespolizei konnten die Sprengvorrichtung entschärfen, teilte das Landeskriminalamt mit. Der Zünder wurde entfernt. Zur Entschärfung hatte die Bundespolizei einen ferngesteuerten Roboter im Einsatz, mit dessen Hilfe der Zünder entfernt werden konnte, wie auf Bildern zu sehen war. Der Sprengsatz soll nun untersucht werden, laut einem „Bild“-Bericht auch unter Beteiligung von Ermittlern der Nato.

Unklar ist, wer hinter dem Vorfall steckt. Sicherheitsexperte Nico Lange sagte dem Sender Phoenix, der Fund der Drohne passe „ins Schema der russischen hybriden Angriffe gegen Deutschland“. Es sei „sehr wahrscheinlich, dass das ein solcher hybrider Angriff war“.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte im ZDF-„heute journal“: „Das ist nicht der Kauf einer Drohne in einem Baumarkt. Ja, kein Amateurhandel, das kann man klipp und klar sagen. Und deswegen ist das eine Möglichkeit, dass hier fremde Mächte am Werk waren.“

Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) haben die Ermittlungen übernommen. Sie schließen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb ist auch das PTAZ im Einsatz, hieß es. Der Flughafen gehöre zum Bereich der kritischen Infrastruktur. Innenminister Schuster sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“, Behörden des Landes und des Bundes ermittelten mit Hochdruck.

Drone Possibly Armed With Explosive Discovered At Leipzig Airport
Ermittler der Polizei auf dem Rollfeld des Flughafens Leipzig.© Getty Images | Jens Schlueter

Flughafen Leipzig: Flugbetrieb musste eingestellt werden

Der Flughafen Leipzig/Halle stellte den Flugbetrieb in der Nacht vorübergehend ein, nachdem ein unbekanntes Flugobjekt in der Nähe des Flughafens und zudem ein verdächtiger Gegenstand im Bereich der Südpiste gefunden worden waren. Mehrere Maschinen wurden laut Polizeidirektion Leipzig umgeleitet.

Dabei stieß einer der umgeleiteten Flieger offenbar in der Luft mit einem bislang unbekannten Objekt zusammen. Das hatte das Bundesinnenministerium am Mittwochvormittag bekanntgegeben. Das Flugzeug sei „anscheinend mit etwas kollidiert“, sagte ein Sprecher vor Journalisten. Die Maschine, laut „Bild“ ein DHL-Frachtflugzeug, landete dann in Hannover. Es konnten leichte Beschädigungen festgestellt werden.

Unklar ist, womit der Flieger zusammenstieß. Es könnte sich um eine Drohne gehandelt haben. Ebenfalls unklar ist bislang, wer hinter dem Vorfall steckt und aus welchen Motiven heraus die Täter handelten.

Verdächtiger Fund am Flughafen Leipzig
Zwei Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen beim Flughafen Leipzig/Halle. © Tobias Junghanns/dpa | Tobias Junghanns

Flughafen Leipzig: Passagiermaschine umgeleitet

Nach der Drohnensichtung wurde der Flugbetrieb vorübergehend vollständig eingestellt. Bis 1.55 Uhr konnten Maschinen weder regulär starten noch landen. Betroffen war auch der Passagierverkehr, unter anderem eine verspätete Maschine aus Palma de Mallorca, die Leipzig zunächst nicht anfliegen konnte und nach Nürnberg umgeleitet wurde. Später in der Nacht setzte das Flugzeug seine Reise nach Leipzig fort. Aus Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 geht hervor, dass es sich um eine Maschine der Fluggesellschaft Marabu handelte.

Hybride Kriegsführung

Deutlich größere Auswirkungen hatte die Sperrung auf den Frachtverkehr. Nach Angaben des MDR war der Betrieb am DHL-Drehkreuz ab etwa Mitternacht erheblich beeinträchtigt. Geplante Abflüge hätten sich teilweise bis in die Morgenstunden verzögert. Um 1.55 Uhr wurde der Flugverkehr nach Polizeiangaben wieder aufgenommen. Seitdem werden Starts und Landungen über die Nordbahn abgewickelt. Die südliche Start- und Landebahn blieb dagegen zur Spurensicherung gesperrt.

Drone Possibly Armed With Explosive Discovered At Leipzig Airport
Eine Antonow AN-124: Der „Condor“ kann bis zu 150 Tonnen Nutzlast bewegen.© Getty Images | Jens Schlueter

Drohne am Flughafen Leipzig: „Wer könnte es sein, außer Russland?“

Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigten die Vorfälle, dass die Bundespolizei gut ausgestattet sei. „Die hochmoderne Ausrüstung zahlt sich aus, die Alarmsysteme haben gut funktioniert“, sagte der GdP-Chef für die Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“. „Die Bundespolizei ist an den deutschen Flughäfen mittlerweile gut dafür ausgestattet, um die Flugbewegungen von Drohnen zu beobachten und Gegenmaßnahmen einzuleiten“, fügte er hinzu. Vollständig zu verhindern seien Attacken durch Drohnen aber nicht.

Wesentlich alarmierter reagierte hingegen der Leipziger Oberbürgermeister, Burkhard Jung (SPD). „Die Bedrohungslage in Deutschland hat eine neue Qualität erreicht. Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne macht unmissverständlich klar, dass unsere Sicherheit bedroht ist, erklärte der Jung. Die Infrastruktur müsse besser geschützt werden. „Dem müssen Bund und Länder auch finanziell viel stärker Rechnung tragen.“

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. „Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“, sagte er dem Nachrichtensender Welt TV. 

Die Ukraine habe aus dem Vereidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. „Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom Militär, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ärzten an zur Verfügung.“

mit AFP/dpa