Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verschwindet nur selten für längere Zeit aus der Öffentlichkeit: Dabei werden seine Auftritte genau beobachtet: Wie bewegt er sich? Wirkt er erschöpft? Gibt es Hinweise auf gesundheitliche Probleme? Jetzt hat der südkoreanische Geheimdienst (NIS) neue Angaben zu seinem Gesundheitszustand gemacht.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„Sein Gesundheitszustand wird als extrem fettleibig eingestuft, sein Gewicht liegt bei über 140 Kilogramm“, sagte der Abgeordnete Youn Kun Young unter Berufung auf den Geheimdienst in Seoul. Zwar habe der Kettenraucher Kim ein „hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagte Youn. Er zeige jedoch keine Probleme bei körperlicher Aktivität, etwa beim Treppensteigen. Da er von einem Ärzteteam engmaschig überwacht werde, sei davon auszugehen, dass der 42-Jährige keine ernsten Gesundheitsprobleme habe.
Auch interessant
Gesundheitszustand von Kim Jong Un sorgt immer wieder für Spekulationen
Der Gesundheitszustand des nordkoreanischen Machthabers wird international mit großem Interesse verfolgt. Sollte Kim plötzlich sterben, würde sich sofort die Frage stellen, wer die Führung des Landes übernehmen könnte und welche Folgen das für die Stabilität des international abgeschotteten Staates hätte.
2020 hatten sich Spekulationen über seinen Gesundheitszustand bereits verstärkt. Kim fehlte damals bei einer wichtigen Gedenkveranstaltung für seinen Großvater Kim Il-sung und war rund 20 Tage lang nicht öffentlich aufgetreten. Gerüchten zufolge hatte er sich einer Operation unterzogen und war danach schwer erkrankt.
Auch Kims Familiengeschichte sorgt dafür, dass sein Gesundheitszustand regelmäßig Thema wird. Sein Vater Kim Jong-il und sein Großvater Kim Il-sung waren ebenfalls starke Raucher und übergewichtig. Beide starben an Herzinfarkten.
Auch interessant
Kims Tochter: Kim Ju-ae tritt immer häufiger an der Seite ihres Vaters auf
In letzter Zeit bekommt vor allem Kims Tochter Kim Ju-ae mehr Aufmerksamkeit. Sie ist in den vergangenen Jahren immer häufiger bei öffentlichen Terminen ihres Vaters zu sehen. So soll sie allein in diesem Jahr bereits bei 30 Veranstaltungen öffentlich aufgetreten sein, wie die südkoreanische Zeitung „The Chosun Daily“ berichtet. Ihre Rolle habe sich dabei verändert: „Sie weitet ihre Rolle von militärischen Aktivitäten auf zivile, politische und diplomatische Bereiche aus“, teilte der südkoreanische Geheimdienst mit.
Der NIS wertet dies als Hinweis auf ihre wachsende Stellung innerhalb der nordkoreanischen Führung: „Bei ihrem Besuch im Kumsusan-Palast im Januar nahm sie einen Platz in der Mitte ein und trat erstmals bei Veranstaltungen wie der Feier zum Tag des Sieges und an der Gedenkstätte für die revolutionären Märtyrer anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Landes in Erscheinung. Das deutet auf ihre gestärkte Position als designierte Nachfolgerin hin.“

Zu ihrer Person schreibt der südkoreanische Geheimdienst: Bei etwa 160 cm soll sie um die 50 kg wiegen, was bei ihren 13 Jahren einem Normalgewicht entspreche. „Sie trägt Damenanzüge und Pumps und vermittelt damit ein reifes Image.“ Ihr genauer Geburtstag ist bisher nicht bekannt.
Ob sie tatsächlich als Nachfolgerin ihres Vaters vorgesehen ist, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Die zunehmende öffentliche Präsenz der Tochter wird von südkoreanischen Behörden jedoch seit Längerem als Zeichen für eine Nachfolge verstanden. Nordkorea selbst hat keine offizielle Nachfolgeregelung bekannt gegeben. Die kommunistische Diktatur äußert sich so gut wie nie zu Familienangelegenheiten. Einzig die von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Fotos des Diktators mit seiner Tochter geben Hinweise.
Auch interessant
Nordkorea in der Nahrungsmittelknappheit: Kim Jong Un soll Luxusessen und blutiges Fleisch bevorzugen
Auch Einblicke in Kims Ernährungsgewohnheiten sind selten. Einer der wenigen Berichte stammt vom Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA in Hanoi im Jahr 2019. Der Chefkoch im Hotel „Metropole“, Paul Smart, der während des Gipfels mit Kims persönlichen Köchen zusammengearbeitet hatte, sagte damals, der nordkoreanische Staatschef hege eine Vorliebe für blutiges Fleisch und luxuriöse Lebensmittel. „Er mag Kaviar, Hummer, wirklich luxuriöse Produkte. Stopfleber, er liebt es wirklich, zu schlemmen“, sagte Smart unter Berufung auf Kims Köche.
Der luxuriöse Lebensstil der Staatsführung steht in starkem Kontrast zur Versorgungslage vieler Menschen in Nordkorea. Das Land unterliegt wegen seines Atom- und Raketenprogramms internationalen Sanktionen und kämpft seit Jahren mit einer Wirtschaftskrise und Nahrungsmittelknappheit.
UN-Sonderberichterstatterin Elizabeth Salmón legte im Februar 2026 einen neuen Bericht zur Menschenrechtslage in Nordkorea vor. Darin wird unter anderem die schwierige Versorgungslage der Bevölkerung thematisiert. Die Vereinten Nationen weisen seit Jahren darauf hin, dass der Zugang zu ausreichender Nahrung und anderen grundlegenden Gütern für Teile der Bevölkerung eingeschränkt ist.
ari/AFP







